! Ja ! Da weiß man ' s auch . Wenn die selige Fürstin die gemeinen Leute einlud - sie mußten freilich singen und beten und Manchem konnt ' s gar nicht schaden - theilte die alte Brigitte das Warmbier aus , das immer vor ' m letzten Vaterunser den Leuten schon von der Küche herauf in die Nase kribbelte . Ach du liebe Zeit , es waren curiose Geschichten ; aber doch noch besser als jetzt , wo kein Mensch weiß , was nun aus Hohenberg und Plessen und den herrlichen Gütern werden wird .... Was wünschtet Ihr denn am liebsten , daß daraus würde ? fragte Dankmar , der Egon ' s Gedanken errieth . Das ist schwer zu sagen ! Übernimmt der junge Fürst das Ganze und befriedigt die Creditores , so stehen wir uns natürlich Alle hier am besten ; denn wir bleiben doch , hat erst neulich der alte Winkler gesagt , in der Familie . Er hat Recht , der alte Mann , der ' s in seiner Kinderei oft noch trifft . Eine Herrschaft , die ein gutes Herz hat , behandelt ihre Angehörigen , als gehörten sie in ihre eigene Familie . Uns hier vom Amte kann ' s am Ende gleich sein , denn die Gerichtsbarkeit kommt doch wol nunmehro an die Regierung . Aber - so ist ' s und so wird ' s kommen - für die Andern ist von dem Prinzen Egon nichts zu erwarten . Warum nicht ? fragte Dankmar . Der verkauft das Ganze , bezahlt die Schulden , nimmt den Rest und geht damit nach Frankreich , wo er ja - es ist ' ne Schande ! - mit einem ganz gewöhnlichen Frauenzimmer so gut wie verheirathet sein soll und überhaupt ein curioser Hanns geworden ist ... Verheirathet ? sagte Dankmar und blickte dabei mit ungläubiger Ironie auf Egon . Wie ich Ihnen sage ! fuhr Pfannenstiel fort . Der Prinz ist hier wie aus der Welt . Sonst wußte man doch , daß er in der Schweiz auf Schulen und am Rhein auf Universitäten war ; und man konnte sich bei der Frau Fürstin recht insinuiren , wenn man ihr begegnete und ihr sagte : Nun Durchlaucht , lange nicht geschrieben Prinz Egon Durchlaucht ? Früher nämlich , als wirklich Briefe von ihm kamen , hatte sie ' s gern . Dann aber soll er drei Jahre lang nicht geschrieben haben , drei Jahre lang vor ihrem Tode ; da hat sie ' s nicht gern gehört , wenn Einer sagte : Nun Durchlaucht , lange nicht geschrieben Prinz Egon Durchlaucht ? Wer Das sagte , mußte entweder dumm oder ein rechter Spitzbube sein . Denn Alle wußten , daß er in Frankreich war , sich mit gemeinen Leuten herumtrieb und die Tochter von einem Tischler gerade nicht geheirathet hatte , aber , verlassen Sie sich darauf ... mit ihr lebte ... und Kinder hat ... und ... wie gesagt , ganz verwilderte Geschichten . Die Thräne unter dem Kronenleuchter , Freund - warf Egon Dankmarn anblickend , mit schmerzlichem Lächeln hinein - verstehen Sie ? Pfannenstiel sah auf seinen Gefangenen , dessen Bemerkung ihm wunderlich vorkam . Wie meinen - Wie meint Er - Thräne unterm Kronenleuchter ? ... fragte er , stockend und in dem Glauben , es wäre wol mit dem Gefangenen nicht recht richtig . Herr Pfannenstiel , sagte Egon , um diese ihm peinlichen Mittheilungen abzubrechen ; Sie sehen , wir sind gesättigt . Nehmen Sie den Rest und lassen Sie den Herrn noch bei mir . Sie wissen , daß es der Justizdirektor ja gestattet hat . Pfannenstiel packte die Reste ein und sagte währenddem mit einiger Ironie : Lassen Sie sich nicht durch den Justizdirektor und seinen Doctor irremachen , der schläft auch ohne den Doctor bis vier Uhr ; wenn ' s Ihnen sonst hier gefällt , bleiben Sie in Gottes Namen . Kühler ist ' s als unten in der Krone ; es ist wahr . Aber - Wetter , da hab ' ich ganz vergessen ... Ich soll Ihnen sagen ... Der Büttel wandte sich an Dankmar . Mir ? Was ist noch ? Es hat Einer inständigst nach Ihnen in der Krone verlangt .... Ich sehe , ich bin der Vielgesuchte , sagte Dankmar . Wahrscheinlich der Amerikaner mit dem freundlichen Knaben ? Nein , erwiederte der Schließer , der Herr Ackermann , der prächtige Sachen von Amerika erzählte , ist abgereist , gerade wie ich das Essen holte . Vielleicht kommt er wieder . Er lobte unsern Boden . Der Knabe läßt Sie noch grüßen und hat eine solche Angst um Sie gehabt , daß Sie hier im Thurme wären , daß ich meine Noth hatte , ihm zu erklären , Sie sitzen hier nur zum Spaß .... Welcher Amerikaner ? fragte der Fürst . Dankmar erzählte ihm in einigen Worten die Bekanntschaft , die er gemacht und setzte hinzu , daß er einige Zeit geglaubt hätte , dieser Fremde könnte vielleicht an eine Ansiedelung , an einen Güterkauf denken .... Nein , fuhr der Schließer , der sich inzwischen besonnen hatte , fort , ein Anderer wollte Sie dringend sprechen und wenn ich richtig gehört habe , es soll just kein feiner Herr gewesen sein und wenn mir recht ist , der Wirth sagte , er hätte ... rothe Haare . Hackert ! sagte Dankmar . Wahrscheinlich mein davongelaufener Kutscher , bemerkte er zu Egon hingewandt . Mit dem Bescheide , daß dessen Nachfrage nicht viel auf sich hätte , entfernte sich endlich Pfannenstiel und ließ die beiden Freunde allein , die ihm bei der betroffenen Art , wie sie bei Erwähnung des Rothhaarigen sich anblickten und gleichsam verstohlene Zeichen gaben , doch wieder etwas zweifelhaft vorkommen mußten . Er schien mit gutem Gewissen die Thür zuzuschließen . So kräftig klangen die Schlüssel , als wollte er sagen : Es ist doch besser , daß ihr Beide da festsitzt ! Da