bleich , sein Athem ist ihm vergangen , sein Herz ist kalt . Der kann nicht mehr sprechen . Nun trittst Du für ihn auf , Du setze fort die Rede . Sprich wie ein Anwalt , dessen Mund , ein Vulkan , Feuer sprüht , zeihe mich der Grausamkeit , der Eigenmacht , des Leichtsinns , vertheidige den Adel gegen Deinen Fürsten , beschwöre aus den Grüften die unverjährbaren Rechte , die ich brechen , zertreten will , überzeuge mich von meinem Unrecht . Dir soll kein Haar gekrümmt werden , wenn Du Deinen Groll in tausend Verwünschungen gegen mich ausschüttest ; nein , ich will auf jedes Deiner Worte lauschen , wie ein Liebender auf das Geflüster seiner Geliebten . « » Herr ! allerdurchlauchtigster Kurfürst , mein gnädigster Gebieter , möge die Zunge erstarren , die sich dessen erfrecht . Ich bin fern davon - « Höhnisch lachte der Fürst auf : » Warum stehst Du dann noch da ? Geh nach Haus . ' S ist späte Nachtzeit . Sieh in der Kinderstube nach , ob das Deckbett nicht von den Kleinen gerutscht ist . Die Nacht wird kalt . « » Er redet im Fieber , « sagte der Geheimerath , als er das Zimmer verließ . » Man muß nach dem Leibphysikus senden , daß er in der Nähe des Zimmers wacht . « Aber Joachim sandte nicht nach dem Leibphysikus , sondern bald nachdem der Minister gegangen , stand Hans Jürgen von Bredow in seinem Zimmer und schien auf einen Auftrag zu harren , während der Fürst an seinem Tische schrieb . Die Briefe waren geschrieben , versiegelt und ruhten in der ledernen Tasche auf der Brust des Edelknappen . Er hatte aufmerksam und ehrerbietig den Aufträgen des Fürsten zugehört . Da legte Joachim die Hand auf seine Schulter : » Du dienst nicht gern ? « » Ich war frei . « » Auch das Dienen , « sprach Joachim , » wird zur Lust , mein ich , wenn man wirklich frei wird . Davon ein ander Mal , wenn wir uns näher kennen . Aber nicht wahr , im Grund des Herzens grollst Du mir eigentlich noch ? « » Wär ' ein Schelm , wenn ich lüge . « » Mehr wollt ich nicht . Nun reite , Hans Jürgen . Aber eile , daß Du wiederkommst , denn ich brauche Dich in meiner Nähe . « Als er fort war , sah ihm der Fürst nach : » Gebenedeite Himmelskönigin , ein Fürst ist nicht verloren , der noch einen wirklichen Menschen um sich weiß . Die Klugen sind alle Verräther , ich will ' s nun mit - mit dem will ich ' s versuchen ! « Zweiundzwanzigstes Kapitel . Du sollst nicht stehlen . Es war Nacht in Hohen-Ziatz . Die gute Frau von Bredow stand im Dunkel an den Pfosten gelehnt und sah dem Knecht Kaspar zu , der in der kleinen Burgschmiede glühte , hämmerte und putzte . Er sah sie nicht , er hörte auch nicht , wie ihr Herz bang schlug , und wie sie in gedankenlosem Spiel die Finger rieb . Es ist was los ! flüsterten sie damals , als der Herr von Lindenberg ausritt . Es ist wieder was los und was schlimmeres ! hatten sie heut geflüstert . Der guten Frau von Bredow war es noch nie so schlimm ergangen in ihrem eigenen Hause . Was war in ihren Herrn gefahren die Tage über ! Er sah in das Glas und trank es nicht aus . Er war brummig , wie allezeit , aber wenn die Eva ihm um den Bart kraute , lachte er nicht , wie , er doch sonst gethan . So schön hatte sie noch nie den Hirsebrei zugerichtet , mit Zimmt und Butter und Zwiebeln , die dampften . Er griff hinein , er aß und - seufzte . Was hatte ihr Herr zu seufzen ? Wenn er recht brummig gewesen , dann ward er nachher immer freundlich , und war , wie um den Finger zu wickeln . Und Geheimes , das mußte sie ihm nachrühmen , Geheimes hatte Herr Götz nie vor seiner Frau gehabt . Aber er ritt allein in den Wald , und letzthin zum Besuch , sie wußte nicht wo ; er saß allein in der Stube , den Kopf im Arm gestützt , und dachte , sie wußte nicht was . Reiter kamen und sprachen mit ihm unter vier Augen , und er schickte Kaspar auf Botschaft aus , sie erfuhr nicht wohin . Gestern aber waren spät noch Gäste gekommen , als sie auf Besuch ausgewesen . Reiter , die von einer Jagd im Schloß abgestiegen , hieß es , aber die Leute im Schloß kannten die wenigsten . Einige hatten sich ganz verhüllt . Dann hatten sie in der Halle gezecht , wie guter Leute Art ist , aber die Thüren waren verschlossen worden vor dem Gesinde , Kaspar hatte aufgewartet , kein Anderer war hineingelassen worden . Man hatte Becherklang , dumpfes Flüstern und wilde Verwünschungen gehört . Als Frau Brigitte und ihre Tochter spät nach Hause kehrten , waren die Gäste schon fort , ihr Herr lag in seinem Bette . Aber es war Schweres zurückgeblieben . Sind Sorgen nicht schwer ? Und ist das keine , wenn eine Hausfrau fühlt , daß sie nicht mehr allein Herrin im Hause ist , wo sie ' s zwanzig Jahre gewesen ? Frau Brigitte wußte schon mehr , als sie wissen sollte . Drüben in Golzow hatte sie manches munkeln gehört , auf dem Rückweg hatten dem Knecht Ruprecht , der sie fuhr , die Dohlen und Krähen wunderbare Liedlein in ' s Ohr gesungen und als der Wagen in die Lichtung fuhr , hatten sie noch die Gäste ausreiten gesehen ; die gefielen ihr gar nicht . Auch im Dorfkruge sah sie durch ' s helle Fenster einige Burschen zechen , und sie sprachen