» Höre ! « rief Solon dem Plato zu ( denn Felsritze und Feigenbaum waren einander nahe ) ; » das Laster schlägt in sich , die ersten Kennzeichen der Reue sind zu spüren . « - » Meine arme Gefallene ächzt auch schon über ihr Unheil « , versetzte Plato . Nach einiger Zeit prüften die beiden ehrwürdigen Ziegengatten den Sinn der Bekehrten , indem Plato ein Stückchen Feige , welches noch am Baume gehangen hatte , vorsichtig in das Astloch schob , Solon aber ein Lilien- und Rosenblättchen unter den Kiesel in die Felsritze zu bringen wußte . Roß und Schwärmerin erbebten vor Grimm bei dieser Darlegung abscheulicher Anträge , wie sie ihnen vorkommen mußten . Die Schwärmerin wich entsetzt vor dem Feigenstücklein in die letzte Ecke des Astloches zurück , das Roß stieß die Blätter , deren Geruch ihm den Atem raubte und die Luft seines Wohnortes ihm zu verpesten schien , mit den kurzen , kräftigen Beinen von sich ab . - » Niederträchtiger Gestank ! « brummte es . - » Sollte man ' s glauben , daß es Narren gibt , die an dem greulichen Zeuge Behagen finden ? Ich ersticke ! O meine Ambrosia ! « - » Feigen ! Feigen ! Feigen ! Kinderpapp ! Kinderpapp ! « tosete die Schwärmerin . Aber ihre Lage war zum Äußersten gediehen . Die Besserer draußen , das begriffen die Opfer der Sittlichkeit drinnen , konnten es bei guter Nahrung mit ansehen , wenn sich das Geschäft auch noch so sehr in die Länge zog . Hunger tut weh , Verstellung tat not , die draußen zu täuschen . Der Käfer überwand sich und fraß unter Verwünschungen und Zuckungen etwas Lilien und Rosen , welches er aber alsobald wieder von sich gab , so übel bekam ihm der höhere und reinere Lebensgenuß ! Die Fliege bezwang ihr schauderndes Gemüt und verrichtete über der Feige einigermaßen und gleichsam zur Probe das , was von ihr im Namen der Tugend gefordert wurde . Plato und Solon hatten gelauscht und an dem Geräusche , welches drinnen entstanden , abgenommen , daß etwas Entscheidendes vorgefallen sein müsse . Öffnend jetzt die beiden Verließe , sahen sie Lilien und Rosen angenagt , das Feigenstücklein beschmeißt , Roß und Schwärmerin aber halb ohnmächtig auf dem Rücken liegen . Solon und Plato umarmten einander mit den Vorderbeinen und riefen : » Triumph ! die Tugend hat gesiegt ! Das Laster ist aus dem Busen dieser sittlich Verwahrloseten gewichen , sie werden nie wieder in ihre schimpflichen Angewöhnungen zurückfallen ! « Der Jubel drang zu den übrigen Ziegengatten , welche ungeachtet ihrer Ehrwürdigkeit den frohen Fall mit einem herrlichen Reigentanze in den kühnsten Sprüngen feierten . Auch die Mütter und uns Zicklein und Böcklein zog das Getöse herbei . Die Mütter wurden mit wenigen freudigmeckernden Worten von dem Gelingen der Versittlichung in Kenntnis gesetzt , sahen Roß und Schwärmerin die Füße von sich strecken und vergossen Tränen der Rührung . Wie die Frauen denn immer mit blitzschneller Ahnung das Höchste , Richtigste treffen , so ging auch in den helikonischen Ziegen damals die Blüte des versittlichenden Wirkens auf . - » Laßt uns aus diesen beiden der Tugend gewonnenen Wesen ein Paar machen ! « riefen die Ziegen begeistert . » Verheiraten wir sie miteinander , und als Aussteuer geben wir ihnen so viele Lilien , Rosen und Feigen , als sie am Helikon finden können ! « Ein unglaublicher Sturm des Entzückens folgte diesem Vorschlage . Zwar wollte der ehrwürdige Moschus den Zweifel erheben , ob selbiges Ehebündnis wohl fruchtbar ausfallen möchte , und der kritische Bion erst die Neigungen von Braut und Bräutigam prüfen ; aber die erwähnten Bedenken fanden keinen Anklang , vielmehr rief der Chorus der übrigen einhellig : » Wo die Tugend zusammenführt , kommt es auf Neigung und Fruchtbarkeit nicht an ! « Man wollte sogleich zu diesen Hymenäen im Namen der Sittlichkeit schreiten . Plato und Solon nahmen das Trygäosroß und die blaue Schwärmerin auf ihren Rücken . Sie schritten voran , die ehrwürdigen Gatten folgten ihnen paarweise , denen folgten die rechtschaffenen und wohltätigen Mütter , hinter den Müttern sprangen wir Zicklein und Böcklein , und so setzte sich der Zug nach dem Platze an der Hippokrene in Bewegung , wo die Hochzeit gefeiert werden sollte . Dort angekommen , nahm die alte verständige Sisi das Roß zwischen ihre Lippen , die gute Quiqui aber tat desgleichen mit der Schwärmerin . Sie trugen demnächst das Brautpaar zu einem hohen Steine , stellten die beiden jungen Leute , welche von der freien Luft erfrischt , wieder stehen konnten und überhaupt mit jedem Augenblicke munterer zu werden schienen , auf den Stein nebeneinander , und darauf schlossen wir alle , jung und alt einen weiten Kreis um das Paar . Das in der Eile entworfene Programm der Festlichkeiten ordnete diese Reihenfolge derselben an : Strophe ; Reden von Solon und Plato ; Gegenstrophe ; Zeremonie , Schlußgesang , gymnisches Spiel , Reigentanz , Festmahl . Eine der kleinen lahmen Grillen , die einzige , welche mit dem Kunsthackebrettlein aus Blättchen und Dörnchen hatte fertig werden können , war zur Festsängerin ernannt worden . Als daher der Kreis sich gebildet hatte , schritt oder hüpfelte vielmehr diese Dichterin des Wohltätigkeitsvereins zur heiligen Quelle , netzte darin ihre Freßzangen ein weniges , verdrehte darauf die goldgelben Äugelein im Kopfe , erreichte mit einem lahmen Sprunge das Gezweig einer Tamariske , nach vergeblichen Bemühungen , auf einen der Lorbeerbäume , den niedrigsten unter allen , zu gelangen , stimmte das Hackebrettlein , putzte die Freßzangen an demselben ab , und sang nun , das Kunstinstrumentlein schlagend , begeistert folgende : Strophe Der Käfer ist ein Schweinichen , Brumm ! Brumm ! Die Fliege hat sechs Beinichen , Summ ! Summ ! Die Fliege hat den Käfer lieb , Der Käfer ist ein Herzensdieb ; Summ ! Summ ! Brumm ! Brumm ! Brumm ! Brumm ! » Herrliche Poesie !