, wenn ich daran denke , so wird mir groß zumute ! « Da Hermann nach der Erzählung verlangte , so willfahrte ihm der Fremde , und berichtete ihm seine Schicksale , die aber fast nur in Wanderungen durch die Kerker verschiedner Länder bestanden . Er streifte seinen Arm auf , und zeigte die Spuren der Fesselwunden , dann erhob er das Antlitz gen Himmel , und rief mit glänzendem Gesichte : » Ja , mein Ideal ! An meinem Ideale will ich halten , ob auch die Welt zerbricht . So willst du treulos von mir scheiden ? Wer steht mir tröstend noch zur Seite ? Du meines Lebens goldne Zeit ! Beschäftigung , die nie ermattet ! Mit deinen holden Phantasien ! « Er schien von seinen Gefühlen und Erinnerungen ganz außer Fassung gesetzt worden zu sein , beugte sich auf Hermanns Hand , und schluchzte heftig . Dieser suchte den Weinenden mit den freundlichsten Reden zu beruhigen . » Trösten Sie sich « , sagte er , » es wird noch alles gut , diese Verwicklungen der Gegenwart können nicht immer dauern , wer weiß , wie bald Sie Ihrer jetzigen Not entkommen . « - » Das hoffe ich auch « , versetzte der andre , noch immer weinend : » Was ist des Deutschen Vaterland ? Ist ' s Steierland , ist ' s Bayerland ? Ist ' s , wo des Marsen Rind sich streckt ? Ist ' s , wo der Märker Eisen reckt ? O nein , nein , nein , mein Vaterland muß größer sein . Hätten Sie wohl die Güte , mich auf Ihrem Pferde etwas reiten zu lassen ? « » Warum das , Lieber ? « fragte Hermann . » Nichts stellt die Seele so sehr zum Gleichgewichte her , als die schüttelnde Bewegung des Rosses « , versetzte der unglückliche Mann . » Da wird der Mensch wieder in sich selbst einig , und alle Sorgen bleiben unter seinen Füßen . Von den entsetzlichsten Bedrängnissen hat mich oft ein rasches Tier befreit . « Hermann gab ihm gern die Erlaubnis , sich auf diese Weise zu erholen , jener bestieg sein Pferd und ritt davon . Hermann sagte , als er allein war , die Worte des Sallust her , welche die Catilinarische Verschwörung beginnen . » Ja « , rief er , » gälte die Geisteskraft der Könige und Helden so viel im Frieden , als im Kriege , so würden die menschlichen Angelegenheiten einen gerechteren und festeren Bestand haben , es triebe nicht alles nach verschiednen Richtungen , man würde nicht so viel Wandlung und Mischung sehn . Denn leicht wird das Reich durch die Mittel bewahrt , durch welche es erobert ward . - Das aber ist eben der Fluch ungewöhnlicher Zeiten , daß sie , wie ein gärender Stoff , das Bessere , Flüchtige entstellt und widerlich umtreiben , während die tote Masse , als Bodensatz bald ihren unverrückten Stand erhält . Dann heißt das , was doch eigentlich zum Leben sich entbinden will , das Nichtige , und jene trägen Hefen zaudern nicht , sich den Ruhm des Nützlichen und Bleibenden beizulegen . Wer wird mit diesen Abenteurern , die jetzt zu Hunderten das Land durchstreifen , irgend gemeinschaftliche Sache machen , ja nur in ihren Träumereien einen haltbaren Zusammenhang antreffen ? Und gleichwohl , wer , der Dinge und Menschen mit menschlichem Blicke betrachtet , mag es sich verbergen , daß aus ihren Hirngespinsten doch ein viel zarteres Gefühl , ein höherer Schwung und ein entschiednerer Charakter hervorsieht , als aus der Pflichtmäßigkeit der Leute , welche jetzt , nachdem die Tage der Gefahr vorüber sind , als die treusten und beehrtesten Söhne des Vaterlandes umhergehn ? Wahrlich nicht durch diese ist es errettet worden , wahrlich nicht durch solche wird es je errettet werden . Gar leicht ist es gegenwärtig , ein guter Patriot zu heißen , denn es kommt fast nur darauf an , in allerhand zeitgefälligen Bestrebungen sein Licht nicht unter den Scheffel zu setzen , bei Gelegenheit tapfer zu schmausen und eine schwülstige Rede zu halten . Aber wenn das Verderben wieder hereinbricht von Osten oder Westen , dann werden wohl die Schmauser und Geburtstagsredner verschwunden sein , dann wird man sich wieder nach den verfolgten Vagabunden umsehn , welche dann auf eine Zeitlang zu Ehren kommen und späterhin abermals an ihren blutigen Sohlen erfahren werden , wie hart der Boden der Heimat ist . O seltsamer und trauriger Widerspruch der irdischen Dinge ! Immer nur bringen hoher Mut und kühne Gesinnung die Sachen zum glücklichen Ausgange , von welchem der Held gleichwohl selten etwas zu genießen bekommt , sondern , wenn das Mahl bereitet ist , setzt sich der Philister zu Tische , und läßt sich die Gerichte wohlschmecken . « Nach diesen und andern Reden saß er eine geraume Zeit schweigend , und harrte auf den politischen Flüchtling . Da derselbe nicht sichtbar werden wollte , so stieg er aus der Vertiefung auf die Höhe des Erdrandes , erblickte aber weder den Mann noch das Pferd . Betroffen horchte er , ob sich nicht Hufschlag vernehmen lasse , aber vergebens . Er rief und pfiff , aber nur Echo gab ihm Antwort . Ein Argwohn stieg in ihm auf , den er jedoch , als des edeln Geächteten unwürdig , sogleich aus seiner Seele verbannte . Gleichwohl blieb dieser Sohn des Vaterlandes unsichtbar , obschon Hermann nach ihm in verschiednen Richtungen die Gegend umher durchsuchte . Drittes Kapitel Dieses Wandern und Suchen dauerte bis gegen Abend . Nun ließ er davon ab , noch immer bemüht , sich eine unbestreitbare Wahrheit zu verbergen . Er lenkte in die Heerstraße ein , um nach einem bewohnten Orte zu gelangen . Unmutig ging er auf derselben einher . Nicht lange , so hörte er Menschentritt hinter sich . Er wandte sich um und erblickte den Polizeidiener wieder . Nachdem er dem Manne vorsichtig das Ereignis vertraut hatte