, weil ich nicht dabei bin , wenn einer Dich gesehen hat , von Deiner Heiterkeit und Anmut spricht , das ist mir eben kein besonder Vergnügen ; wenn er aber sagt , Du seist ernst , kalt , zurückhaltend usw. gewesen , das ist mir recht lieb . Viertens : vernachlässige ich alle Menschen um Deinetwillen , es gilt mir keiner etwas , aus ihrer Liebe mache ich mir gar nichts ; ja , wer mich lobt , der mißfällt mir , das ist Eifersucht auf mich und Dich und eben kein Beweis von einem großen Herzen , und ist eine elende Natur , die auf einer Seite ausdürrt , wenn sie auf der andern blühen will . Fünftens : hab ich eine große Neigung , die Welt zu verachten , besonders in denen , so Dich loben , alles , was Gutes über Dich gesagt wird , kann ich nicht hören , nur wenige einfache Menschen , denen kann ich ' s erlauben , daß sie über Dich sprechen , und das braucht nicht grade Lob zu sein , nein , man kann sich ein bißchen über Dich lustig machen , und da kann ich Dir sagen , daß sich ein unbarmherziger Mutwille in mir regt , wenn ich die Sklavenketten ein bißchen abwerfen kann . Sechstens : hab ich einen tiefen Unwillen in der Seele , daß Du es nicht bist , mit dem ich unter einem Dache wohne und dieselbe Luft einatme , ich fürchte mich in der Nähe fremder Menschen zu sein , in der Kirche suche ich mir einen Platz auf der Bank der Bettler , weil die am neutralsten sind , je vornehmer die Menschen , je stärker ist mein Widerwillen ; angerührt zu werden , macht mich zornig , krank und unglücklich ; so kann ich ' s auch in Gesellschaften auf Bällen nie lange aushalten , tanzen mag ich gern , wenn ich allein tanzen könnte , auf einem freien Platz , wo mich der Atem , der aus fremder Brust kömmt , nicht berührte . Was könnte das für einen Einfluß auf die Seele haben , nur neben dem Freund zu leben ? - Um so schmerzlicher der Kampf gegen das , was geistig und leiblich ewig fremd bleiben muß . Siebentens : wenn ich in Gesellschaft soll vorlesen hören , setze ich mich in eine Ecke und halte die Ohren heimlich zu , oder ich verliere mich über dem ersten besten Wort ganz in Gedanken , wenn denn einer etwas nicht versteht , so erwache ich aus einer andern Welt und maße mir an , die Erklärung darüber zu geben , und was andre für Wahnwitz halten , das ist mir verständlich und hängt zusammen mit einem innern Wissen , das ich nicht von mir geben kann . - Von Dir kann ich durchaus nichts lesen hören , noch selbst vorlesen , ich muß mit mir und Dir allein sein . Achtens : kann ich gegen niemand fremd oder vornehm bleiben , wenn ich im mindesten unbequem bin , so werde ich ganz dumm ; denn es scheint mir ungeheuer dumm , einander was weiszumachen . Auch daß sich der Respekt mehr in etwas Erlerntem , als in etwas Gefühltem äußert ; ich meine , daß Ehrfurcht nur aus Gefühl der inneren Würde entspringen müsse . Dabei fällt mir ein , daß nahe bei München ein Dorf liegt , was Kultersheim heißt , auf einem Spaziergang dahin erklärte man mir , daß dieser Name von Kultursheim herrühre , weil man da dem Bauernstand eine höhere Bildung zu geben beabsichtigt habe ; das Ganze hat sich jedoch auf den alten Fuß gesetzt , und diese gute Bauern , die dem ganzen Lande mit schönem Beispiel voranschreiten sollten , sitzen bei der Bierkanne und zechen um die Wette , das Schulhaus ist sehr groß und hat keine runde , sondern lauter viereckige Scheiben , doch liebt der Schulmeister die Dämmerung ; er saß hinter dem Ofen , hatte ein blaues Schnupftuch über dem Kopf hängen , um sich vor den Fliegen zu schützen , die lange Pfeife war ihm entfallen , und er schlief und schnarchte , daß es widerhallte ; die Schreibbücher lagen alle aufgehäuft vor ihm , um Vorschriften im Schönschreiben zu machen ; - ich malte einen Storch , der auf seinem Nest steht , und schrieb darunter : » Ihr Kinder lernt bauen euer Nest mit eigner Hand aufs allerbest . Die Tanne in dem Walde stolz , die fällt zu euerm Zimmerholz . Und dann , wenn alle Wände stehn , müßt ihr euch nach ' ner Eich umsehn ; daraus ihr schnitzelt Bank und Tisch , worauf ihr speist gebratnen Fisch . Das best Holz nehmt zu Bett und Wiegen für Frau und Kind , die ihr werd ' t kriegen , und lernt benützen Gottes Segen bei Sonnenschein und auch bei Regen . Dann steht ihr stolz auf eignem Hort wie der Storch auf seinem Neste dort . Der möge stets bei euch einkehren , um böses Schicksal abzuwehren . Dann lernt noch schreiben euern Namen , unter gerechte Sach , ich sage Amen . Das ist das echte Kultursheim , worauf ich machte diesen Reim . « Ich flirrte jeden Augenblick zur Tür hinaus , aus Angst , der Schulmeister möge aufwachen , draußen machte ich meinen Reim und schlich wieder auf den Zehen herbei , um ihn mit einer einseitigen Feder , die wahrscheinlich mit dem Brodkneip zugeschnitten war , aufzuschreiben , zuletzt nahm ich das blaue Band von meinem Strohhut und machte eine schöne Schleife um das Buch , damit er ' s doch sehen möge ; denn sonst hätte dies schöne Gedicht leicht unter dem Wust der Schreibbücher verloren gehen können . Vor der Tür saß Rumohr , mein Begleiter , und hatte unterdessen eine Schüssel mit saurer Milch ausgespeist , ich wollte nichts essen und auch mich nicht mehr aufhalten , aus Furcht , der Schulmeister könne aufwachen .