ich nicht mehr vor einem fremden Ohre auszusprechen . « » Du mußt ihn auch aus der Welt tilgen ; « forderte Wallrade gebieterisch : » Du darfst nicht mehr nach dem Elenden Dich nennen ; nicht Dich , nicht Dein Kind : denn nur jene Erste führt das Wappen derer von de Rhön mit Recht . Und nicht nur Dein Name , du selbst mußt aus dem Alltagsleben verschwinden , - willst Du ruhig , ungefährdet seyn , und Reue üben ob dem Frevel , dessen Du Dich theilhaftig gemacht . « - » So rede ! « flehte Katharine : » Rathe ! zeige mir einen Weg , der zu der Abgeschiedenheit führt , die allein mir Heil bringen kann ! « - Wallrade schwieg hartnäckig , und erst , nachdem Katharine alle Bitten der Freundschaft an sie verschwendet hatte , begann sie ernst und gemessen , wie folgt : » Gerne würde ich Dir eine Zuflucht in meinem Hause anbieten , allein mein Gut wirft kaum meinen Unterhalt ab , und die zahlreiche Nachbarschaft , die in meinem Hofe aus-und eingeht , könnte Dir gefährlich werden . Ich möchte meine Freundschaft nicht gern mit Bann und Interdikt belohnt sehen . « - » Was bleibt mir übrig ? « weinte Katharine und rang die Hände : » Meine Eltern sind schon lange todt . Zu Bilger ' s Freunden darf ich nicht , soll nicht das Gräßliche an ' s Tagslicht kommen ; des Kaisers Hülfe hab ' ich ausgeschlagen .... « » Mit Fug und Recht ; « unterbrach sie Wallrade herrisch : » der Kaiser ist ein Meister in der Kunst , schwache Weiber zu bethören . Du weißt , auf welche Weise er meine unschuldige Freundschaft fast vergolten hätte . Welch ein Schicksal , als seine Buhlerin angesehen , und in der Folge von dem wankelmüthigen Lüstling in ' s Elend gestoßen zu werden ! Ich würde es vorziehen , den weißen Stab zur Hand zu nehmen , und von der Mildthätigkeit meiner Nebenmenschen die Fristung meines Lebens zu heischen . « » Das ist auch das Einzige , das mir bescheert ist , guter Gott ! « seufzte die arme Katharine : » Bilger war nicht reich . Das Wenige , das er vor seiner Flucht gewonnen hatte , und zurückließ , wird bald zerronnen seyn , - und dann , wie Gott will ! Die Freundin stößt mich von sich .... was darf ich von fremden Menschen hoffen ? « - Sie wankte zur Thüre . Mit dem Ausdruck falschen Mitleids rief sie Wallrade zurück . - » Höre mich ; « sprach die Letztere so gleißend , als sie vermochte : » will ich denn Dein Unglück ? Zweifelst Du denn an meinem herzlichen Bedauern ? Vernimm meinen Rath . Er wird Dich von der Reinheit meiner Gedanken , wie von meiner aufrichtigen Sorge für Dein Seelenheil , das Du gewissermaßen verwirkt hast durch Deine Verbindung mit dem Sünder , überzeugen . Wahr ist ' s : der Menschen Satzung spricht ein hart und grausam Urtheil über das Verbrechen , dessen Theilnehmerin Du unläugbar gewesen : darum weiche dem Schwert irdischer Gerechtigkeit aus . Wohin könntest Du aber vertrauensvoller fliehen , als unter den Schirm Gottes , der die ewige Barmherzigkeit ist , und den Tod des Sünders nicht will ? Wirf Dich in die Arme des Erlösers ! Vertraue , folge mir , und ich führe Dich an seine Brust , welche ihr kostbares Blut vergossen hat , um uns rein zu waschen von jedem Frevel . Die Oberin des Stifts der weißen Frauen ist mir hold , und würde auf meine Verwendung Dich gerne unter die Zahl der Reuerinnen aufnehmen . Hinter jenen uralten Mauern bist Du sicher . Todt ist dort jedes außerhalb begangene Vergehen ; Buße und Versöhnung wohnen in dem Schooße jener ehrwürdigen Schwesterschaft . Durch Arbeit und Gebet wirst Du die verlorne Zufriedenheit wieder gewinnen , den sündlichen Namen , den Du trägst , vertauschen mit einem neuen gottgefälligen , und die Krone der ewigen Seligkeit erringen ! « - Katharine , bleich wie ein Marmorbild , starrte Wallraden unbeweglich an . Die Augen waren ohne Thränen , obschon ein bittrer Schmerz aus ihnen leuchtete . Lange konnte sie kein Wort der Erwiederung finden . Endlich öffnete sich der blasse Mund . » Wallrade ! « klagte die Gequälte : » Du forderst mich auf , lebendig in ' s Grub zu steigen ? O , wie oft hörte ich , daß hinter Klostermauern der Friede nicht wohnt ! Dort soll ich des Lebens Blüthe verwelken sehen ? Ich bin ja noch so jung , Wallrade , ich habe kaum die Welt geschaut , und soll sie schon vergessen in dumpfiger Zelle ? Du begehrst das Schwerste , das ich kaum gewähren könnte ! « » Wie ' s Euch beliebt ; « antwortete Wallrade kalt : » mein Rath war redlich , Katharine ; daß ihr ihn nicht befolgt , möchte Euch zu spät gereuen . Mich kümmert zwar Euer Loos nicht im mindesten . Wollet mir jedoch die Liebe thun , mein Haus stracks zu meiden . Ich lebe nicht gern mit Fluch und Bann unter einem Dache . « Die grausame Rede schüttelte Katharinens schwaches Widerstreben zu Staub . Ein Strom von Thränen preßte sich unter den Wimpern der Leidenden hervor , die wie verzweifelnd sich zu Wallradens Füßen warf . » O Wallrade ! « jammerte sie : » Bin ich denn so ganz dem Bösen verfallen in Deinen Augen , daß Du mich unerbittlicher von Dir stößest , als es ein Heide thun würde ! Ach , Wallrade ! hat jemals Dein Mund wahrgesprochen , als er mich Freundin nannte , - so jage mich nicht von dannen , wie den gehetzten Hirsch ! Hast Du nicht Mitleid mit mir - weil ich eine große Sünderin bin , - so habe doch Erbarmen mit meinem unschuldigen Würmlein , das nicht