, und sich besonders in der zartesten Achtung gegen Frauen äußerte . Lebhaft und leicht erregbaren Geistes , riß er alles unwiderstehlich mit sich fort , wenn er in seiner schönen wohlklingenden Sprache über irgend einen Gegenstand , der ihn innig ergriffen hatte , mit dem Enthusiasmus eines Begeisterten sich äußerte . Mit einem sehr angenehmen sonoren Organ verband er das seltene Talent ein ausgezeichnet guter Vorleser zu seyn , oft auch begleitete seine rührende , gerade ans Herz dringende Tenorstimme Luisens ziemlich mittelmäßiges Spiel auf der Guitarre , die er selbst zwar meisterhaft zu behandeln wußte , aber mit seinem noch immer gelähmten Arme nicht zu berühren wagte . Abends erzählte er zuweilen Luisens ältestem Knaben wundersame Mährchen , die den sonst ewig Unruhigen festbannten und denen selbst die Mutter gern zuhörte . So verstand er es auf die verschiedenste Weise , sich selbst zu Andrer Freude zu vervielfältigen und allein durch seine Gegenwart den Geist innerer Unzufriedenheit und Langerweile aus diesem Hause zu bannen , der bis dahin den Frieden desselben so oft getrübt hatte . Mit immer steigender Zufriedenheit bemerkte Albert den wohlthätigen Einfluß der Gegenwart seines neuen Freundes auf die Gemüthsstimmung seiner Luise . Nie fand er sie mehr in stillen Thränen , wie wohl sonst oft geschehen war , nie klagte sie mehr über die in Leuenstein herrschende Einsamkeit , kein Zeichen der Unzufriedenheit entschlüpfte ihr , wenn ihr arbeitsmüder Gatte Abends mit anscheinendem Mangel an Theilnahme ihr zur Seite saß . Albert sah sie jetzt immer heiter , immer freundlich , mit Augen aus denen Jugend , Gesundheit und kindliche Freude am Leben strahlten . Sie erschien ihrem Gatten völlig so , wie er zuerst im Hause ihrer Eltern sie sah , auch sein Herz ward ihm leichter und ein Nachgefühl der zu schnell entschwundnen Seeligkeit der ersten Tage ihrer Vereinigung gab auch ihm einen Theil seiner entflohnen Heiterkeit wieder zurück . Daß Oskar es war , der diese glückliche Veränderung seines häuslichen Zustandes herbeiführte , fand Albert eben so natürlich , als Luisens Betragen gegen diesen . Ihre grenzenlose Dankbarkeit , ihre Art diese zu äußern , machten ihm die Geliebte nur noch werther , denn er war überzeugt , daß nie genug für den geschehen könne , der ihm das höchste Kleinod seines Daseyns mit Gefahr des eignen Lebens erhalten hatte . Oskar stand neben Bernhard in Alberts Herzen ; was dieser ihm schenkte hatte jener ihm erhalten ; er fühlte dabei , daß Oskars Liebenswürdigkeit ihn angezogen haben würde , selbst wenn er ihm nicht alles zu verdanken hätte und war stolz darauf , ihn überall als den Mittelpunkt des Lebens in seinem Hause betrachtet zu wissen . Nie kam dabei das niederdrückende Gefühl des Zurückgesetztwerdens in Alberts Seele , das ihn so oft der Verzweiflung nahe gebracht hatte , als noch die Fremden in seinem Eigenthume herrschten ; denn niemals zeigte Oskar nur eine Spur des Uebermuths , durch welchem jene sich auszeichneten ; nie suchte er sich hervorzudrängen und in seinem ganzen Wesen ward auch nicht die mindeste Ahnung der seltnen Eigenschaften sichtbar , die ihn vor Tausenden auszeichneten , ohne daß er den hohen Standpunkt zu bemerken schien , auf welchen Alle ihn stellten . Der Winter hatte sich indessen sehr früh und mit fast beispielloser Härte eingestellt ; kaum durften völlig Gesunde es ungestraft wagen , sich im Freien der grimmigen Kälte auszusetzen , und der Arzt wiederholte täglich , daß Oskar durchaus noch nicht daran denken könne Leuenstein zu verlassen , so lange der scharfe Frost anhielt . Wie groß mußte daher Alberts Erstaunen seyn , als Oskar gerade am kältesten Tage , den man bis dahin gehabt hatte , mit der Bitte in sein Zimmer trat , ihn sogleich zum Baron Meinau fahren zu lassen , weil er bei diesem einige Zeit zu verweilen Willens sey . Alberts erster Gedanke war , daß bei seinen Freunden irgend ein Unglück vorgefallen seyn müsse ; er betrachtete Oskar genauer , während dieser ihm versicherte , daß dieses keinesweges der Fall sey ; er sah ihn ungewöhnlich bleich , alle Züge seines Gesichts deuteten auf eine heftige Bewegung in seinem Innern ; sein sonst immer heiteres Auge glänzte im feuchten Schimmer zurückgedrängter Thränen und seine Lippe zuckte schmerzlich , indem er in kaum verständlichen Worten die eben ausgesprochene Bitte um Pferde und Wagen nochmals wiederholte . Albert vermochte nicht , ihm zu antworten , er strengte alle seine Geisteskräfte an um zu errathen , was seinen Freund so heftig ergriffen und ihn zu dem Entschlusse bewogen haben könne , so plötzlich von Leuenstein sich zu entfernen . Er erinnerte sich , daß Oskars ungewohnter Trübsinn ihm schon seit einigen Tagen aufgefallen sey , daß er bemerkt habe , wie dieser öfterer als sonst die Einsamkeit gesucht und besonders Luisen absichtlich zu meiden schien , und nun glaubte er mit einemmal den Schlüssel zu dessen jetzigen räthselhaften Benehmen gefunden zu haben . » Ich sehe wie es ist , Freund Oskar , ich , der ich in meinem Leben nichts errathe , ich durchschaue Sie dennoch diesesmal , « rief Albert mit freundlichem Lächeln und ergriff Oskars Hand , die in der seinen zuckte . Daß Oskar immer bleicher ward und sich kaum noch aufrecht zu halten vermochte , bemerkte Albert nicht , sondern fuhr aus der Fülle seines liebenden argwohnlosen Gemüths zu reden fort . » Es darf nicht seyn , « sprach er recht herzlich bittend , » Sie dürfen uns noch nicht verlassen und auf diese Weise nun vollends gar nicht . Was zwischen Ihnen und meiner Luise vorgefallen seyn mag , verlange ich nicht zu wissen , aber das weis ich , daß Sie es nicht auf diese Weise aufnehmen würden , wenn Sie das liebenswürdige Geschöpf so kennten als ich . Ich möchte sogar keine der kleinen Launen meiner Luise an ihr vermissen , denn sie ist doch ein Engel der Güte . Ich gehe zu ihr , sie selbst wird eilen , alles