eine Spur von ihm zu finden hoffen konnte . Endlich war er bis an die Sternwarte gekommen , wo eben der Professor der Astronomie , den er kannte , hinaufstieg , um eine beim Aufgang der Sonne sich ereignende Finsterniß zu beobachten . So wie die Vorliebe für die Astronomie von Moritz gewichen war , hatte er auch solchen Beobachtungen entsagt , aber es kam ihm der große Gedanke : so wie der Tag anbräche , mit Hülfe eines Teleskops alle Thore der Stadt zu bewachen , um zu entdecken , nach welcher Seite Hippolit und Adelbert sich wenden würden , ihr feindseliges Vorhaben auszuführen ; denn er vermuthete mit großer Wahrscheinlichkeit , daß sie weder in der Stadt noch bei Nacht ihren Zwist ausfechten könnten . Mit heldenmüthiger Standhaftigkeit begann er auf dem Balkon des Observatoriums seine Beobachtungen der Wege so wie der Tag graute , aber der kalte Morgenthau und die oben herrschende Zugluft griffen ihn nach der durchwachten Nacht und der vorhergegangenen Ermüdung so an , daß er bald seinen Plan aufgeben und mit einem bedeutenden Erkältungsfieber sich nach Hause bringen lassen mußte . Gleich einer sorglichen Mutter pflegt die Natur ihre leidenden Kinder gern dem allberuhigenden Schlafe in die Arme zu legen , wenn sie sich ausgeweint haben , und auch Auguste war endlich in den schweren todtähnlichen Schlummer völliger Erschöpfung gesunken . Trüb und gedankenschwer blickte die neben ihrem Bette wachende Gabriele in den draußen hellleuchtenden Morgen hinaus , als Annette leise die Thüre öffnete , geheimnißvoll und schweigend ihr winkte , und gleich darauf leicht und unhörbar wie eine Elfe auf den Fußspitzen über den Teppich hineilte und den Platz neben Augusten einnahm , denn ihre Herrin eben verlassen hatte . Gabriele schwankte , einen Augenblick erschrocken , an der Thüre , mit fragendem Blick sah sie das Mädchen an , aber an dem ängstlichen Klopfen ihres eignen Herzens fühlte sie die Unmöglichkeit , lautlos die traurige Nachricht zu vernehmen , die sie zu hören befürchten mußte , und so eilte sie zitternd und stumm die Treppe hinab . In ihrem Wohnzimmer fand sie Adelberten . Mit dem Ausdrucke der Verzweiflung sank er vor ihr hin , so wie sie hereintrat und umfaßte , tief zur Erde gebeugt , ihre Knie . Sie bebte bei seinem Anblick unwillkührlich zurück , eine Ahnung , der sie nicht Worte zu geben sich getraute , drückte ihr Herz bis zum Stillstehen zusammen ; ängstlich blickte sie auf den Trostlosen , der noch immer vor ihr lag und hatte kaum Kräfte genug , ihn aufstehen zu heißen . » Hier zu den Füßen des Schutzengels , dessen Trost , dessen Hülfe ich auf ewig entsagen muß , lege ich meinen Abschied von jedem Glück nieder , von jeder Freude , von mir selbst ! Ich gehe , gleichviel wohin , ich suche das Elend , ich finde es überall fern von Augusten , fern von meinen Kindern , « sprach kaum verständlich Adelbert . Dann sprang er auf , trat einige Schritte von Gabrielen zurück und rief mit wildem Blick und heftig gerungenen Händen : » Nein ! nein ! es ist nicht möglich . Ich träume , ich will erwachen , ich muß erwachen ! Es ist nicht möglich , daß ich selbst mir meinen eignen Himmel so schnöde verschlossen habe . Er war ja mein , er ist es noch , ich will erwachen , ich muß erwachen ! « » Sie sind erwacht . Gottlob Sie sind es , « sprach jetzt Gabriele mild und gefaßt . » Hoffen Sie , haben Sie Vertrauen zu denen die Sie lieben . Das ärgste ist doch nicht geschehen ? « setzte Sie mit unsichrer Stimme hinzu . » Kein Blut hoffe ich ? - Hippolit ? « - » O hoffen Sie nichts gutes mehr von mir , « unterbrach sie Adelbert mit vor dem Gesicht gefalteten Händen . Grausen ergriff Gabrielen bei diesen Worten ; abgewendeten Blicks wankte sie der Thüre zu , doch er warf sich , sie aufhaltend , ihr in den Weg . » Nein , ein Mörder bin ich nicht , « rief er , » doch ist es nicht mein Verdienst daß ich es nicht bin . Augustens guter Engel bewahrte mich ; der meine nicht ; der hat auf ewig sich von mir gewendet ! « » So lebt Hippolit ? Sie schlugen sich nicht ? « fragte Gabriele . » Sein Blut floß , es floß von meiner Hand , ich Rasender ! Aber er lebt , er wird leben , « rief Adelbert . » Um Augustens Willen wird er leben . « Lange noch fuhr er fort sich bald zu verdammen , bald sein Geschick anzuklagen , während Gabriele , jetzt selbst beruhigter , sich abmühte , in dem armen umdunkelten Geiste ihres Freundes einen Strahl tröstender Hoffnung zu leiten . » O bewahren Sie alle Ihre Milde , alle Ihren Trost für Augusten , mich überlassen Sie dem Untergange , « rief er . » Lieben und Verachten ! Bezeichnete ich so nicht einst den höchsten Schmerz ? Wie wird Auguste ihn tragen ? Muß ich denn wünschen , sie möge mein vergessen ? « Gabrielens sanfte Stimme beschwigtigte indessen doch allmählig seine wilde Leidenschaftlichkeit . Sein Herz erwarmte , sein altes Vertrauen erwachte vor ihrer holdseligen Anmuth , und so gelangte er bald dahin , ihr alles zu bekennen . Und wer erst dazu gekommen ist , vor einem Zweiten sich laut anklagen zu können , der beginnt im nehmlichen Moment , halbausgesöhnt mit sich selbst , im eignen Herzen sich leise zu entschuldigen . Bittre Beschämung , Reue , unaussprechliche Sehnsucht nach seinem ehemaligen glücklichen Leben hatten ihn aus dem Salon hinaus ins Freie getrieben ; bekannte Stimmen , welche auf der Straße ihm entgegen kamen , bewogen ihn wieder umzukehren , und die stillere Einsamkeit seines abgelegenen Zimmers aufzusuchen . Dort überraschte ihn geisterhaft Augustens nicht geahnete Gegenwart ; mit seinem ganzen Daseyn