verkleidet hinaustrat , stand nicht Anna , sondern das heilige Bild vor seinen Augen , das ihn am Morgen mit seinem Umriß beglückt hatte . Die Beleuchtung war hinlänglich , er hätte ohne Licht sehen können , so war seine Stimmung . Kein Pinselstrich mißlang , die kräftige Farbe überdeckte bald die schwächere seines ersten Bilds , das in seinem Umriß sehr leise und sogar unbestimmt gehalten war . Kaum zwei Stunden angestrengter und doch nicht gefühlter Tätigkeit bedurfte es , um beide Gesichter dem Höheren zu nähern , was seiner Seele vorschwebte , aber ohne zu zerstören , hätte er jetzt in den nassen Farben nicht weiter ausführen können . » Für diese Höhe wird es gut genug ausgeführt sein « , sagte er zu Annen niederblickend , die ungeduldig der Beendigung harrte . » Es ist gewiß recht gut und beendigt « , sagte sie und reichte ihm den Arm , daß er sicher von dem Blumenbrett auf den Stuhl und von da zur Erde kam . » Euer Geld ist wohl verdient , denke ich « , sagte sie ihm dann , indem sie ihm einen Geldbeutel in seine Tasche steckte ; » Ihr habt so eifrig gemalt , es wird gewiß ein tüchtiger Maler aus Euch , ich habe Euch so in aller Stille beobachtet . « - » Darf ich denn keinen Augenblick zum Abschiede in Eurer Nähe verweilen « , antwortete er traurig , » wer weiß , ob wir uns je wieder sehen , Krieg und Pest wüten in der Welt . « - » Hier dürft Ihr nicht weilen « , sagte Anna , » aber ich will Euch noch auf einige Schritte bis zur Haustüre das Geleite geben , damit Ihr heute meinen guten Willen gegen Euch kennen lernt ; morgen früh dürft Ihr nicht mehr unsern Turm sehen , das gelobt mir , Ihr möchtet sonst das Geld vergeuden . « - Anton versprach ' s und beide gingen leise die Treppe des leeren Hauses hinunter zum Haustore . - Das Tor war aus Vorsicht vor den Leuten , die alle zum Tanz hinüber nach dem Rathaus gelaufen , fest verschlossen . Unbekümmert wendeten sich beide nach dem Garten , gingen in der gekühlten Nachtluft einige Schritte in den Gängen und setzten sich dann am Brunnen . » Rauschte nicht etwas neben uns ? « fragte Anna und wollte schon wieder in ihr Haus zurückkehren . Aber es fiel ihr ein , daß Anton könne erkannt werden , und sie fuhr fort : » Es ist gut , daß Ihr vergessen habt , den Mantel Verenas abzulegen , hier setzt noch meinen Schleier auf , so wird Euch keiner erkennen bei der Menge fremder Menschen , welche der Sonntag und die Taufe in die Stadt geführt hat . « Eben wollte sie fortgehen , da hörte der Brunnen zu fließen auf , sie bemerkte diese wunderbare Erscheinung und sagte : » Seht , da ist die Arbeit doch vergebens gewesen , er hat die Dürre dieses Monats nicht überstanden , er ist eingetrocknet . « - » Es ist nur der Überfluß « , meinte Anton , » der überzufließen aufhört , für Euer Haus ist er immer noch reichlich gefüllt . « - » Der Überfluß ist doch schön « , sagte sie , » ich wollte nicht , daß es ein Vorzeichen für das Schicksal unsers Hauses würde . « So sprachen sie noch ihre Gedanken aus über den seltsamen Vorfall und keiner dachte an sich , da hörten sie die Musik des Kehraus in dem Hause der Mutter und sahen viele Kerzen . Anna haßte diese Tanzweise , sie wollte sich fortflüchten nach ihrem Hause , aber gleichzeitig kam ein andrer Zug mit der verhaßten Musik durch ihr eignes Haus in den Garten . So waren sie in dem Brunnenhause eingeschlossen und mußten hoffen , daß keiner der beiden Züge dahindrängte . Aber wie verabredet zu ihrem Verderben , sahen sie jetzt Faust mit seinem Zuge der zum Schlußtanze geordneten Paare von der Mutterseite und Graf Konrad mit gleich starkem Zuge vom Hause gegen den Brunnen ziehen , bei Faust leuchtete Sabina mit einer Fackel voraus , bei Konrad Verena . » Gewiß hat Sabina uns hier gesehen « , rief Anton , » wie werden sie Euch alles zum Schaden deuten , lebt wohl , ich verberge mich im Brunnen , ich verstehe das Untertauchen . « - Aber Anna hielt den Übereilten an dem Mantel fest , auch trat schon Faust mit seinem Zuge , von einer Abteilung Musiker begleitet , herein . » Teufel « , rief Faust , » da finde ich endlich eine Tänzerin , waren doch alle andern schon gepaart « , und nahm die Hand Antons , indem er zu Konrad , der mit seinem Zuge von der andern Seite eindrang , unter boshaftem Lachen die Tanzreime des Kehraus sang : » Und als der Großvater die Großmutter nahm , da war der Großvater ein Bräutigam ! « - Konrad ergriff mit gleichem Ungestüm Frau Annens Hand , und so ging ' s in dem Drange von beiden Seiten um den Brunnen herum . Faust machte mehrere Bewegungen mit Durchschlingung der Arme , um Anton Schleier und Mantel zu entreißen , aber beide waren durch eine zum Knoten gezogene Schleife befestigt . » Holde Schönheit « , schrie endlich Faust zu Anton , » ich kann nicht mehr leben , wenn ich dich nicht sehe . « - Anton wagte jetzt sein Letztes , er sprang zu Konrad , und raunte ihm ins Ohr : » Ich bin Anton , dein Bruder , rette mich gegen den Zudringlichen ! « - Aber Konrad antwortete laut : » Hört , dies Riesenmädchen ist ein Mann , seht ihn an , Frau Anna mag viele Männer um sich leiden , wenn sie nur einen Schleier tragen . « Er hatte in dem Augenblicke das Drachenmesser aus Frau Annens Gürtel gerissen , um