finde ; wie er einer heuchlerischen Brut zum Spielwerk diene , die ihn trotz des kräftigen Geistes , der sonst ihm einwohnte , den sie aber durch die verworfensten Mittel zu beugen wußte , zwischen Himmel und Hölle herumwerfe . Der fromme Mann , das war vorauszusehen , nahm großes Ärgernis daran und fühlte sich berufen , durch feurige Reden , wie der Geist sie ihm eingab , den Papst im Innersten zu erschüttern und seinen Geist von dem Irdischen abzulenken . Der Papst , wie verweichlichte Gemüter pflegen , wurde in der Tat von des frommen Greises Worten ergriffen , und eben in diesem erregten Zustande wurde es dem Dominikaner leicht , auf geschickte Weise nach und nach den Schlag vorzubereiten , der den armen Cyrillus treffen sollte . Er berichtete dem Papst , daß es auf nichts Geringeres abgesehen sei , als auf eine heimliche Verschwörung , die ihn der Kirche als unwürdig der dreifachen Krone darstellen sollte ; Cyrillus habe den Auftrag , ihn dahin zu bringen , daß er irgend eine öffentliche Bußübung vornehme , welche dann als Signal des förmlichen , unter den Kardinälen gärenden Aufstandes dienen würde . Jetzt fand der Papst in den salbungsvollen Reden unseres Bruders die versteckte Absicht leicht heraus , der Alte wurde ihm tief verhaßt , und um nur irgend einen auffallenden Schritt zu vermeiden , litt er ihn noch in seiner Nähe . Als Cyrillus wieder einmal Gelegenheit fand , zu dem Papst ohne Zeugen zu sprechen , sagte er geradezu , daß der , der den Lüsten der Welt nicht ganz entsage , der nicht einen wahrhaft heiligen Wandel führe , ein unwürdiger Statthalter des Herrn und der Kirche eine Schmach und Verdammnis bringende Last sei , von der sie sich befreien müsse . Bald darauf , und zwar nachdem man Cyrillus aus den innern Kammern des Papstes treten gesehen , fand man das Eiswasser , welches der Papst zu trinken pflegte , vergiftet . Daß Cyrillus unschuldig war , darf ich dir , der du den frommen Greis gekannt hast , nicht versichern . Doch überzeugt war der Papst von seiner Schuld , und der Befehl , den fremden Mönch bei den Dominikanern heimlich hinzurichten , die Folge davon . Du warst in Rom eine auffallende Erscheinung ; die Art , wie du dich gegen den Papst äußertest , vorzüglich die Erzählung deines Lebenslaufs , ließ ihn eine gewisse geistige Verwandtschaft zwischen ihm und dir finden ; er glaubte , sich mit dir zu einem höhern Standpunkt erheben und in sündhaftem Vernünfteln über alle Tugend und Religion recht erlaben und erkräftigen zu können , um , wie ich wohl sagen mag , mit rechter Begeisterung für die Sünde zu sündigen . Deine Bußübungen waren ihm nur ein recht klug angelegtes heuchlerisches Bestreben , zum höheren Zweck zu gelangen . Er bewunderte dich und sonnte sich in den glänzenden , lobpreisenden Reden , die du ihm hieltst . So kam es , daß du , ehe der Dominikaner es ahnte , dich erhobst und der Rotte gefährlicher wurdest , als es Cyrillus jemals werden konnte . - Du merkst , Medardus , daß ich von deinem Beginnen in Rom genau unterrichtet bin ; daß ich jedes Wort weiß , welches du mit dem Papst sprachst , und darin liegt weiter nichts Geheimnisvolles , wenn ich dir sage , daß das Kloster in der Nähe Sr. Heiligkeit einen Freund hat , der mir genau alles berichtete . Selbst als du mit dem Papst allein zu sein glaubtest , war er nahe genug , um jedes Wort zu verstehen . - Als du in dem Kapuzinerkloster , dessen Prior mir nahe verwandt ist , deine strenge Bußübungen begannst , hielt ich deine Reue für echt . Es war auch wohl dem so , aber in Rom erfaßte dich der böse Geist des sündhaften Hochmuts , dem du bei uns erlagst , aufs neue . Warum klagtest du dich gegen den Papst Verbrechen an , die du niemals begingst ? - Warst du denn jemals auf dem Schlosse des Barons von F. ? « - » Ach ! mein ehrwürdiger Vater , « rief ich , von innerm Schmerz zermalmt , » das war ja der Ort meiner entsetzlichsten Frevel ! - Das ist aber die härteste Strafe der ewigen unerforschlichen Macht , daß ich auf Erden nicht gereinigt erscheinen soll von der Sünde , die ich in wahnsinniger Verblendung beging ! - Auch Euch , mein ehrwürdiger Vater , bin ich ein sündiger Heuchler ? « - » In der Tat « , fuhr der Prior fort , » bin ich jetzt , da ich dich sehe und spreche , beinahe überzeugt , daß du nach deiner Buße der Lüge nicht mehr fähig warst , dann aber waltet noch ein mir bis jetzt unerklärliches Geheimnis ob . Bald nach deiner Flucht aus der Residenz ( der Himmel wollte den Frevel nicht , den du zu begehen im Begriff standest , er errettete die fromme Aurelie ) , bald nach deiner Flucht , sage ich , und nachdem der Mönch , den selbst Cyrillus für dich hielt , wie durch ein Wunder sich gerettet hatte , wurde es bekannt , daß nicht du , sondern der als Kapuziner verkappte Graf Viktorin auf dem Schlosse des Barons gewesen war . Briefe , die sich in Euphemiens Nachlaß fanden , hatten dies zwar schon früher kundgetan , man hielt aber Euphemien selbst für getäuscht , da Reinhold versicherte , er habe dich zu genau gekannt , um selbst bei deiner treuesten Ähnlichkeit mit Viktorin getäuscht zu werden . Euphemiens Verblendung blieb unbegreiflich . Da erschien plötzlich der Reitknecht des Grafen und erzählte , wie der Graf , der seit Monaten im Gebirge einsam gelebt und sich den Bart wachsen lassen , ihm in dem Walde , und zwar bei dem sogenannten Teufelsgrunde , plötzlich als Kapuziner gekleidet erschienen sei . Obgleich er nicht gewußt , wo der Graf die Kleider hergenommen ,