nicht , zu ihm zu eilen , und ihn mit einer Vorsorge zu pflegen , die nur Liebe gewähren kann . Wirklich schien ihr der ganze Wert des Mannes nur in dem bedrohten nahen Verluste ganz deutlich geworden zu sein . Dieser letzten Gemütserschütterung schien es zu bedürfen , die eitle Hülle , die sie lange gegen ihn verschlossen , ganz zu durchbrechen ; hörte sie doch die ungeheuchelte Anhänglichkeit aller Diener an ihn , so wahr , so unverstellt . Nicht seine dringendsten Bitten konnten sie von seinem Lager entfernen , wenige Viertelstunden Schlafs schienen ihr zu genügen . Sie scheute keinen beschwerlichen Dienst , selbst den Anblick der weit und blutig aufgerissenen Seite lernte sie ertragen ; - noch wußte sie nicht , daß ihre Schuld ihm diese Wunde geschlagen , aber schon die bloße zufällige Ursache derselben gewesen zu sein , war ihr unerträglich . Die dauerhafte Gesundheit des Grafen füllte den wilden Riß in seinem schön vollendeten Bau schneller , als der Wundarzt erwartete ; wenige Tage nach Abnahme des ersten Verbandes konnte er schon auf sein Schloß getragen werden ; hier gab der Graf den Brief Kleliens seiner Frau . Mühsam versteckte sie ihm den fürchterlichen Eindruck , den Abscheu gegen den Herzog , der mit so überlegter Bosheit sich zu einem doppelten Laster angeschickt und es durch ihre eitle Torheit so ganz vollendet hatte ; wäre der Graf nicht krank gewesen , sie hätte ihm alles bekannt und sich einen stillen Aufenthalt in abgeschiedner Gegend von ihm erfleht . Dem Grafen war aber diese Zeit seines Siechtums nicht ohne Wirkung vorüber gegangen ; die Pflege seines Körpers machte ihn aufmerksam auf dessen wunderbaren Bau , dessen wunderbares Mitleben mit aller Welt , wie die Schmerzen mit den Stunden kamen , und dem Einflusse ferner Kräuter wichen . Es war ihm , als hätte er eine ungeheure Schandtat getan , und frevelnd , um eine Schickung Gottes abzulenken , statt sie in Tugend und Kraft zu bestehen , dieses heilige Werk Gottes , sein Ebenbild zerstört . In der Fieberhitze glaubte er sich der schändliche Judas , der sich selbst umgebracht , nachdem er den Herren verraten , und der Wundarzt konnte nicht begreifen , wie sein Zustand sich wieder so plötzlich verschlimmerte , besonders was er mit dem roten Barte sagen wolle , von dem er immer spreche . Auch diesen Kampf überstand er ; er trug zwar noch einen Verband und durfte nicht von seinem Lager , aber er war schon so gut wie hergestellt : da saß seine Frau am Bette , als er einen Brief erhielt , den er rasch öffnete und nachdenklich las ; er schwieg den ganzen übrigen Tag . Die Gräfin , vor sich selbst neben ihm sinnend , befestigte sich immer mehr in dem Entschlusse , ihm ihre Schuld ganz zu bekennen ; sie glaubte ihn jetzt stark genug , diesen Schmerz zu ertragen . Nach einigen Schaudern warf sie sich plötzlich neben seinem Sopha auf die Kniee nieder , verhüllte ihr Gesicht und schluchzte : » Ach weh mir armen Sünderin , es schnürt mir den Hals zu , ich kann nicht sprechen . « - » Was ist dir ? « fragte der Graf erschrocken . - » Tue mit mir , wie du willst « , schluchzte sie , » ich habe mich schwer an dir versündigt « ; weiter konnte sie nichts vorbringen . Der Graf fuhr mit einer Hand über ihre Wangen , und bemühte sich an einem Arme sie aufzurichten , aber vergebens ; endlich sagte er ihr gefaßt : » Hör mich wenigstens jetzt an , bemühe dich , mich zu hören . Auch ich habe dir zu beichten ; was du gesündigt , weiß ich , was ich getan , sollst du hören . Du hast die Treue gegen mich gebrochen ; ich wollte dich zu meiner Mörderin machen ; es war kein Zufall , daß meine Büchse geladen war , Gott weiß es allein und ich , es sollte meine Rache sein , daß ich durch dich so wie für meine Ehre gestorben ; ich dachte verblendet mir etwas Großes darin und der Frevel verbarg sich meinem Verstande . Des Himmels Gnade hat die Kugel von meinem Herzen abgeleitet , aber stark angeklopft , daß es sich bessere ; der Herr vergibt mir meine Schuld , wie ich vergebe meinen Schuldnern , tue desgleichen . Nicht unsre Rache , aber die Strafe des Verbrechers ist dem Himmel heimgefallen , der den Verbrecher uns durch die engsten Bande des Bluts und der Freundschaft verbunden . Lies diesen Brief deiner Schwester , welch ein frommes Glück ihr der Verruchte gestattet , in ihrer Nähe wird alles gut , - wir dürfen diese Ruhe nicht stören . Nur eins fehlt ihrem Glücke , Kinder ; sieh , du bekommst ein Kind , das uns zum Fluch geworden wäre , laß es ihr Segen sein ; sie fleht mich an , ich hatte ihr deine neue gute Hoffnung in der Freude meines Herzens verkündet , sie fleht um eins meiner Kinder , daß sie ihm ihren Reichtum und ihre Liebe in guter Erziehung schenke , - laß dieses Kind , das noch unter deinem Herzen sich regt , zu seinem rechten Vater kehren , deine Schwester wird es schützen gegen ihn . Wir aber wollen vor den Augen der Welt ruhig beisammen leben , das fordert dein guter Name , - wir wollen zusammen leben , als trennten verschiedne Zeitalter unsre Liebe , oder Verwandtschaft allzunahe des Blutes , in Freundschaft , in gegenseitigen Wohltaten und Diensten - ohne Reue , so vergnügt es sein kann . Uns ist viel Gnade geschehen , wachen wir über uns . « Nach diesen Worten , die er langsam ausgesprochen , hatte sich die Gräfin ihrer niederdrückenden Beschämung ermeistert , daß sie seine Hand küssen und vernehmlich sagen konnte : » Du bist allzu großmütig , du edles Herz , das ich leichtsinnig verspielet ,