zertrümmern sah , werde in wenig Tagen wohlbehalten mit günstigem Winde in dem Hafen einlaufen . Jetzt erst , Sulpicia - jetzt , wo Alles klar und entschieden ist , fühle ich , daß der Eindruck tiefer war , als ich glaubte ! Larissa ist gefunden , sie und Theophania sind eine Person . Nun ist mir ihr ganzes Betragen in Synthium , seine Bewegung , als er ihre Briefe sah , seine Nachforschungen nach der räthselhaften ! Fremden begreiflich , in der sein ahnendes Herz die frühe Geliebte errieth . Sie lebt jetzt mit ihm in einem Hause , sie pflegt seine Wunden , sie ist den ganzen Tag um ihn , er wird sich unauflöslich mit ihr verbinden , er wird sein ganzes Glück in ihren Armen finden , und die übrige Welt wird aus seinen Blicken verschwinden . Beim Jupiter ! Eine seltsame Geschichte ! Und warum muß die Laune des Schicksals mich , gerade mich in das wunderbare Geschick dieser schwärmerischen Menschen verwickeln ? Warum mußte ich ihn kennen lernen ? Ich war so glücklich vor diesem Zeitpunkt . Habe ich ihn nach Rom beschieden , ihn angezogen , daß ich nun so bitter gestraft worden ? Du wirst dich erinnern , daß ich mich belauert glaubte , aus Vorsicht nahm ich das nächste Mal Phädo und seinen Sohn mit mir . Ich fand Agathokles wirklich gebessert , seine Stimme war stärker , sein Blick heiterer , aber mit der Kraft des Körpers schien auch die ganze Strenge seiner Gesinnungen wiederzukehren . Er hatte des Gespräches vom vorigen Abend nicht vergessen , er fing davon an , er drang mit hohem Ernst in mich , dem Höchsten und Heiligsten , wie er die Vorstellungen von unserer Bestimmung , der Zukunft , dem Schicksale nennt , meine ganze Aufmerksamkeit zu widmen . Die Harte in seinen Aeußerungen überhaupt , sein Tadel meines Leichtsinnes , wie er es nannte , hätte mich aufbringen können . Aber die schöne Warme , der innige Antheil an meinem Wohl , der wie ein milder Sonnenstrahl aus dieser Strenge hervorbrach , sein Blick , der bald strafend , bald freundlich auf mir ruhte , bewegte mich wunderbar . Es erhob sich ein unruhiger Kampf in mir , ich wußte nicht , ob ich ihm zürnen , ob ich von seiner Freundschaft gerührt werden sollte . Das allein fühlte ich dunkel , was dein Brief so deutlich ausspricht - so hätte ich nicht von ihm empfangen werden , diese Gespräche hätten in unserer Lage nicht geführt werden sollen , wenn Alles gewesen wäre , wie es sollte ! Der letzte Grund aller meiner Empfindungen war Schaam und gekränkter Stolz , dem es an schicklichem Anlaß zum Ausbruch mangelte . Er deutete das Unentschiedene meines Benehmens falsch , er glaubte , mein Verstand schwanke zwischen meinen und seinen Vorstellungen , indessen Stolz und Zuneigung in meinem Herzen stritten . Er zog mich näher an sich , er beschwor mich um meiner selbst willen , um des Antheils willen , den er , so lange er mich kannte , an meinem wahren Glücke genommen habe , meine Ansichten zu berichtigen , und ernsthaft über so wichtige Gegenstände nachzudenken . Ich wurde gerührt , ich drückte seine Hand - ich weiß nicht , Sulpicia , wozu der Mann mich in diesem Augenblicke hätte bereden können ! Es war ein seltsames Verhältniß von mir zu ihm . Nicht Er - wie ich es sonst gewohnt war zu sehen - Ich war der untergeordnete , der zurechtgewiesene , der nachgebende Theil , und eine Stimme in der innersten Tiefe meines Herzens erhob sich immer lauter und lauter , um mir zuzurufen , daß ich noch nie so glücklich gewesen war , als in diesem Augenblicke . Was war das , Sulpicia ? Welche wunderbare , welche unerhörte Erscheinung ! Ich setzte mich neben ihn , meine Hand ruhte in der seinigen , sein glühendes Auge , die seine Röthe , die beim lebhaften Gespräche sein blasses Gesicht überflog , sein rundlächelnder Mund , unser ganzes Verhältniß - ach , Alles war so anziehend , so gefährlich ! Zur guten Stunde rettete mich Urania ! Man meldete den Prinzen . Ich warf Mantel und Kappe über . » Du kommst doch Morgen wieder ? « rief er mit einem Tone , der mehr als freundlich war . » Gewiß , gewiß , mein theurer Freund ! « Ich drückte seine Hand , und entfloh schnell neben Constantin vorbei , der bereits durch den Porticus herauf kam . Kaum war ich , verloren in tausend süße Vorstellungen , ein Paar hundert Schritte gegangen , als die verhüllte Gestalt , die mir schon zweimal gefolgt war , schnell auf mich zutrat , mich bei der Hand faßte , und mit einer bekannten Stimme sagte : So trifft man die spröde Larissa , in dieser Kleidung , und um diese Zeit ? - Der Name wirkte in diesem Augenblicke schrecklich auf mich - ich vergaß , daß ich verborgen bleiben wollte . - Larissa ! rief ich , fuhr empor , und sah den Fremden erstaunt an . Er warf in eben dem Augenblicke seine Kappe ab - und so gerechte Götter ! Marcius Alpinus stand vor mir , der Mensch , von dem ich unter allen Sterblichen am letzten und unliebsten entdeckt werden wollte ! Auch er schien betroffen , mich zu erblicken , es war deutlich , daß er Jemand andern zu sehen gehofft hatte ! Also Larissen . Also lebte sie - also war sie in der Nähe ! Ich fühlte , daß mir eine Ohnmacht nahe war . Marcius Betroffenheit gab mir Zeit , mich zu sammeln . Ob er die wahre Ursache meiner Verkleidung errieth , weiß ich nicht , aber ich habe Grund es zu glauben , obwohl der schlaue Höfling sein genug war , mir eine vollendete Beschämung zu ersparen . O er war sich nur zu gut bewußt , daß er die Faden des