Jungfrau und dem stummen Abendtraume , womit sie auf den goldnen Inseln ruhte , mit tausend Wünschen zusah , es mög ' ihr doch noch besser ergehen , und himmlisch , und darauf noch herrlicher . Von weitem wars ihm , als wenn die Rosana flösse und die Fähre schiffte und die Wellen rauschten , und als wenn die waagrecht einströmende Abendsonne Hunde und Menschen mit Jugendfarben überzöge und jeden Bettler und Bettelstab vergoldete , desgleichen das Silber der Jahre und Haare . Aber er gab nicht besonders acht darauf . Denn die Sonne schmückte Wina mit betenden Entzückungen und die Rosen der Wangen mit den Rosen des Himmels ; - und die Fähre war ihm ein auf Tönen sich wiegender Sangboden des Lebens , ein durch Abendlicht schiffendes Morgenland , ein Charons-Nachen , der das Elysium trug zum Tartarus des Ufers . Walt sah unkenntlich aus , fremd , überirdisch , denn Winas Verklärung warf den Widerschein auf ihn . Ein Krüppel wollte ihm in der Nähe etwas von seiner Not vorlegen , aber er faßte nicht , sondern hassete es , wenn ein Mensch an einem solchen Abend nicht selig war , wo sich die bisher betrübte Jungfrau erheiterte und sich die Sonne gleichsam wie eine liebe warme Schwester-Hand an das Herz drückte , das bisher oft in mancher kalten dunkeln Stunde schwer geschlagen . » Hätt ' er nur kein Ende , der Abend « , wünschte Walt , » und keine Breite die Rosana - oder man beschiffte wenigstens ihre Länge , fort und fort , bis man mit ihr ins Meer verschwämme und darin unterginge mit der Sonne . « Eben war die Sonne über dem Strome untergegangen . Langsam wandte Wina das Auge ab und nach der Erde , es fiel zufällig auf den Notar . Er wollte einen Gruß voll Verehrungen spät in den Wagen werfen , aber die Fähre schoß heftig vom Ufer zurück und zerstieß das wenige , was er zusammengebauet . Der Wagen fuhr bedächtlich ans Land . Walt gab an 4 Groschen Fährgeld ; » für wen noch ? « fragten die Fährleute . » Für wer will « , versetzte Walt ; darauf sprangen , ohne zu fragen und zu zahlen , mehr als zu viele ans Land . Der General wollte zu Fuß in die schöne Garten-Stadt , Walt blieb neben ihm . Jener fragte , ob ihm gestern keine Komödianten begegnet . Er berichtete , daß sie diesen Abend in Rosenhof spielten . » Gut ! « sagte Zablocki - » so essen Sie abends bei mir im Granatapfel- Sie übernachten doch ? - und morgens sieht man in Sozietät die ganze splendide Felsen-Gruppe , die Sie droben über der Stadt bemerken . « Die Entzückung über diese Gabe des Geschicks spricht Walt in seinem Tagebuch kurz so aus : » Wie ich vor ihm darüber meine Freude aussprach , lieber Bruder , das kannst du dir vielleicht besser denken als ich jetzt . « Nr. 47. Titanium Kartause der Phantasie - Bonmots Es gibt schwerlich etwas Erquicklicheres , als abends mit dem General Zablocki hinter dem Wagen seiner Tochter zwischen den Gärten voll Rosensträuche in die schöne Stadt Rosenhof einzugehen - ohne alle Sorge und voll Ausmalungen des Abendessens zu sein - und den schönen Eß-Rauch über der Stadt ordentlich für die Zauberwolke zu halten , womit der gute Genius in Vults Briefe sie überzogen - und von den wirtlichen reinen breiten Gassen und den leichten vergänglichen Spielen und Zwecken des Lebens immer gerade zu den draußen über der Vorstadt stehenden finstern Gebirgshäuptern aufzusehen , die so nahe aus ihrer kalten Höhe auf die Häuser und die Türme herunterschauen . Besonders nahm den Notar die grünende Gasse ein , wo der Granatapfel logierte : » Mir ist ordentlich « , sagte er begeistert und redselig zum General , » als ging ' ich in Chalcis in Euböa38oder auch einer andern griechischen Stadt , wo so viele Bäume in den Gassen standen , daß man die Stadt kaum sah . Gibt es eine schönere Vermischung von Stadt und Land als hier , Exzellenz ? Und ist Ihnen nicht auch der Gedanke süß , daß hier zu einer gewissen Zeit , so wie in Montpellier , alles in Rosen und von Rosen lebt , wenn man auch gleich jetzt nichts davon sieht als die Dornen , Herr General ? « Dieser , der nicht darauf gehorcht hatte , rief seinem Kutscher einen derben Fluch zu , weil er mit seinem Wagen fast an dem Fränzelschen geentert hätte . Walt sagte , das seien die Akteurs ; und forderte vom Wirt ein vortreffliches Zimmer , das man ihm leicht zugestand , weil man ihn für einen Sekretär Zablockis ansah , was noch dazu richtig war in Rücksicht der erotischen Memoiren . Da er dareingeführet wurde , erstaunte er schon vorläufig über den Prunk des Prunkzimmers und wurde gerührt von seinem Glücksschwung , was zunahm , als er den Bettelstab , dem er seinen Hut aufsetzte , an den Spiegeltisch stellte . Da er aber in höchster Bequemlichkeit und Seelen-Ruhe auf und ab ging , die Papiertapeten statt des ihm gewöhnlichern Tapetenpapiers - die drei Spiegel - die Kommode-Beschläge mit Messing-Masken die Fenster-Rouleaus - und vollends die Bedientenklingel ausfand : so läutete er diese zum erstenmal in seinem Leben , um sogleich ein Herr zu sein und , wenn er eine Flasche Wein sich bringen lassen , nun die süßquellende Gegenwart gehend auszuschlürfen und überhaupt einen Abend zu erleben , wie irgendein Troubadour ihn genossen . » Troubadours « , sagt ' er sich , indem er trank , » übernachteten oft in sehr vergoldeten Zimmern der Höfe - den Tag vorher vielleicht in einer Moos- und Strohhütte - wie Töne durchdrangen sie hohe und dicke Mauern - und dann pflegten sie sich darin noch die schönste Dame von Stand zu aufrichtiger Liebe auszulesen und , gleich Petrarca , solche in ewiger Dichtung und Treue gar nie selber zu