. S. deutsche Sprachlehre in Briefen , 4te Aufl . S. 200 fg . 17. Brief . 88 In dem bei Br . 14 angeführten Sokratischen Dialog erklärt sich Aristipp gegen Sokrates für einen Weltbürger . Wieland bemerkt dabei über des Sokrates Antwort : » Ich weiß nicht , ob man einem Menschen , der etwas besser als der unterste unter allen ist , etwas Härteres und zugleich Gröberes sagen kann , als was Xenophon den Sokrates hier dem armen Aristipp ins Gesicht sagen läßt ; und Aristipp erscheint , durch die gute Art , wie er diese Attische Urbanität , aus Ehrerbietung vor dem alten Sokrates , erträgt ( vermuthlich gegen Xenophons Absicht ) , in einem vortheilhaften Lichte . - So viel kann doch wohl Sokrates sich über Aristipp , der nicht etwa ein armer Schlucker , sondern ein Fremder von gutem Hause und Vermögen war , nicht herausgenommen haben , wenn er ihn im Ernste gewinnen wollte . « - Es könnte hiebei leicht von drei Seiten gefehlt seyn . Aristipp kündigt seinen Kosmopolitismus durch die Erklärung an , daß er sich an keinen Staat binden , sondern überall wie ein Fremder leben wolle , was denn freilich die eigennützigste Art von Weltbürgerschaft wäre ; Sokrates hatte in Beziehung auf Menschenrechte und Bürgerpflichten etwas beschränkte Grundsätze ; und Xenophon stellt überall den Aristipp in Schatten , und kann nur nicht vermeiden , ihn doch als den - selbstständigsten Schüler des Sokrates darzustellen , da er sich auf Platon nicht einläßt . 19. Brief . 89 Wortkargheit , wie sie den Lacedämoniern eigen war . 90 Aufseher , obrigkeitliche Würde in Sparta . 91 Ein ziemlich beißende Anspielung auf ein eben so ungerechtes als unkluges Unternehmen der Athener , welches noch in frischem Andenken war . 20. Brief . 92 In der Attischen Stadt Eleusis , wo Ceres den Triptolemos zuerst im Ackerbau unterrichtet hatte , wurde zum Andenken an diese für die fortschreitende Bildung so wichtige Begebenheit alle fünf Jahre ein Fest gefeiert , das Eleusische Fest , die Eleusinien genannt , welches mit besondern Mysterien verbunden war . Zu den Feierlichkeiten dieses neun Tage dauernden Festes gehörte auch eine Procession , welche dn heiligen Korb ( Kalathus ) nach dem Tempel führte . Erlesene Jungfrauen , in Körbchen auf dem Haupte die Heiligthümer tragend , folgten . sie hießen davon Kanephoren oder Korbträgerinnen . 93 Wenn es Grund hätte , daß eine Venus des Skopas den Beinamen Pothos ( Begierde , Sehnsucht ) geführt hätte , wie Caylus in seiner Abhandlung de la sculpture et des sculpteurs anciens selon Pline sagt , so könnte man glauben , dieser Scherz der schönen Lais hätte zu jenem Beinamen Anlaß gegeben . Aber Aphrodite konnte ohne einen Barbarism , den die Griechische Sprache nicht erträgt , keinen männlichen Beinamen , wie potos ist , führen . Auch sagt Plinius nicht , daß die Venus des Skopas Pothos geheißen habe ; er nennt bloß , indem er eine ziemliche Anzahl der vorzüglichsten Werke dieses Künstlers aufzählt , eine Venus , einen Pothos und einen Phaëthon , vor allen übrigen : is ( Scopas ) fecit Venerem et Pothon et Phaëthontem , qui Samothraciae sanctissimis ceremoniis coluntur . ( H.N. XXXVI . 5. ) Wie dieser Pothos aber eigentlich gebildet gewesen , und vornehmlich wie er nebst dem Phaëthon zu der Ehre gekommen , die ihm auf jener durch die Kabirischen oder Orphischen Mysterien berühmt gewordenen Insel mit hochheiligen Ceremonien erzeigt worden seyn soll , gehört ( meines Wissens ) unter die noch unaufgelösten antiquarischen Probleme . In den alten Genealogien der Götter und Götterkinder findet sich kein Pothos ; dem Homer ist er , als ein dämonisches Wesen , eben so unbekannt wie Eros ; und wenn Plato in seinem ( von wenigen recht verstandenen ) Kratylus , den Sokrates einen spitzfindigen Unterschied zwischen Himeros , Pothos und Eros machen läßt , so spricht er von ihnen nicht als von Dämonen oder Genien , sondern betrachtet sie bloß als eine dreifache Modification des Tymos , d.i. der leidenschaftlichen Bewegung des Gemüths zu einem begehrten Gegenstand : so daß Pothos die Begierde nach einem abwesenden bezeichnet , Himeros und Eros hingegen sich auf ein gegenwärtiges Object beziehen , aber unter sich wieder darin verschieden sind , daß die Begier , womit Himeros die Seele wie durch einen heftigen Strom zu dem Begehrten hinreißt , sich aus ihm selbst ergießt , da sie hingegen im Eros erst durch den Gegenstand entzündet wird und von außenher durch die Augen in die Seele strömt ( eisree exoten , kai oyk oikeia estin h roh ayth to exonti , allA epeisaktos dia ton ommaton . ) So viel scheint indessen gewiß , daß der Pothos des Skopas eine allegorische Person , vermuthlich ein vom Eros und Himeros hinlänglich unterschiedener und die Sehnsucht nach einem abwesenden Geliebten symbolisierender Genius gewesen seyn müsse . Vielleicht war Skopas der erste Künstler , der diese Personification unternahm ; wenigstens scheint er sich darin gefallen zu haben , da , nach dem Berichte des Pausanias ( Libr . 1. c. 43. § . 7. pag . 167. edit . Facii ) , auch in einem Tempel der Venus zu Megara neben den Bildsäulen des Eros und Himeros , auch eine des Pothos zu sehen war . W. 94 Eine Silbermünze , an Werth ungefähr einem Kopfstücke von 20 Kr . gleich , deren hundert eine Mine ausmachten . 95 Einige Leser werden sich vielleicht bei dieser Stelle des Non cuivis homini contingit adire Corinthum aus Horazens Epistel an Scäva , und des Ad cujus jacuit Graecia tota fores des Properz ( L. II. El . 6. ) erinnern . Aristipp konnte sie freilich nicht im Sinne gehabt haben ; aber das erste ist auch bloß die Uebersetzung des Griechischen Sprüchworts , oy pantos andros eis Korinton estin o ploys , welches älter als Lais und Aristipp war ; und das andere könnte , möglicher Weise , für eine Anspielung des