, sahen sie es doch , daß er den Bruder geliebt hatte . » Bringt die Leiche hinüber ins Schloß ! « befahl er . » Ich gehe voraus – zu meiner Mutter . « Es war Frühling geworden , zum zweitenmal seit dem Beginne des Aufstandes , der im Anfange so mächtig emporloderte , und der jetzt erdrückt , vernichtet am Boden lag . Jene winterlichen Märztage des vergangenen Jahres hatten nicht bloß Unheil über die Bewohner von Wilicza gebracht , sie waren auch für die ganze Insurrektion verhängnisvoll geworden , die mit der Niederlage des Morynskischen Corps eine ihrer Hauptstützen verlor , Graf Morynski hatte sich bei jenem Ueberfalle , der ihn und die Seinigen so gänzlich unvorbereitet traf , während sie sich durch die Deckung des Fürsten Baratowski gesichert glaubten , mit der Kraft der Verzweiflung gewehrt , und selbst da , als er sich umringt und verloren sah , noch das Aeußerste daran gesetzt , um Leben und Freiheit so teuer wie möglich zu verkaufen . Solange er an der Spitze stand , hielt sein Beispiel noch die Wankenden , aber als der Führer blutend und bewußtlos am Boden lag , war es vorbei mit jedem Widerstande . Was nicht fliehen konnte , wurde niedergemacht , oder fiel gefangen in die Hände der Sieger . Die Niederlage kam einer Vernichtung gleich , und wenn sie auch noch nicht das Schicksal der Revolution entschied , so bezeichnete sie doch einen Wendepunkt darin . Von da an ging es abwärts , unaufhaltsam abwärts . Der Verlust Morynskis , der unter den Führern des Aufstandes weitaus der bedeutendste und energischste gewesen war , der Tod Leo Baratowskis , den Namen und Traditionen seiner Familie , trotz seiner Jugend , zum Hauptaugenmerke der Partei für die Zukunft gemacht hatten , waren schwere Schläge für diese Partei , die , längst unter sich uneins und gespalten , jetzt noch mehr auseinanderfiel . Zwar blitzte der schon im Sinken begriffene Stern hie und da noch einmal auf ; es gab noch Kämpfe und Gefechte voll Verzweiflung und Heldenmut , aber es trat immer deutlicher hervor , daß die Sache , für die man kämpfte , eine verlorene war . Die Insurrektion , die sich anfangs über das ganze Land verbreitet hatte , wurde immer mehr zurückgedrängt , in immer engere Grenzen eingeschlossen ; ein Posten nach dem andern fiel , eine Schar nach der andern wurde zersprengt oder löste sich auf und das Ende des Jahres , mit dessen Beginne der Aufstand so drohend aufflammte , sah ihn erlöschen bis auf den letzten Funken . Nur Schutt und Trümmer zeugten noch von dem letzten verzweifelten Todeskampfe eines Volkes , über das die Geschichte längst das Urteil gesprochen hatte . Es dauerte lange , ehe das Schicksal des Grafen Morynski entschieden wurde . Er erwachte erst im Kerker wieder zum Bewußtsein , und seine schwere , anfangs für tödlich gehaltene Verwundung machte in der ersten Zeit jedes Verfahren gegen ihn unmöglich . Er schwebte monatelang zwischen Leben und Tod , und als er endlich genas , war das erste , was ihn an der Schwelle des Lebens erwartete – das Todesurteil . Für einen Führer der Revolution , der im Kampfe , mit den Waffen in der Hand , in die Gewalt des Siegers gefallen war , konnte der Spruch nicht anders lauten . Das Todesurteil wurde über ihn ausgesprochen , und es wäre sicher vollzogen worden , wie so viele andre , ohne die lange schwere Krankheit . Gegen den vermeintlich Sterbenden wollte man den Spruch doch nicht zur Ausführung bringen , und als seine Vollziehung möglich wurde , war der Aufstand bereits bewältigt , die drohende Gefahr für das Land beseitigt , und damit ließ auch die eiserne Strenge des Siegers nach . Graf Bronislaw Morynski wurde zu lebenslänglicher Deportation begnadigt , allerdings zur Deportation in ihrer schärfsten Form , nach einem der entlegensten Orte Sibiriens – eine furchtbare Gnade für den Mann , dessen ganzes Leben nur ein einziger Freiheitstraum gewesen war , der selbst während der ersten jahrelangen Verbannung in Frankreich keine Beschränkung seiner persönlichen Freiheit gekannt hatte . Er hatte die Seinigen nicht wiedergesehen seit jenem Abende , wo er in Wilicza von ihnen Abschied nahm , um in den Kampf zu gehen . Weder der Schwester noch selbst seiner Tochter wurde es erlaubt , ihn zu sehen . Was sie auch unternahmen , um bis zu ihm zu dringen , es scheiterte alles an der Strenge , mit der man den Gefangenen von der Außenwelt und dem Verkehre mit seinen Anverwandten abschloß . Diese hatten freilich die Strenge selbst verschuldet , denn sie versuchten es mehr als einmal , ihn seiner Haft zu entreißen . Sobald der Graf nur einigermaßen genesen war , wurde von seiten der Fürstin und Wandas alles nur mögliche aufgeboten , ihm zur Flucht zu verhelfen , aber die sämtlichen Befreiungspläne mißlangen , und der letzte hatte Pawlick , dem alten treuen Diener des Hauses Baratowski , das Leben gekostet . Er hatte sich freiwillig zu dem gefährlichen Dienst erboten , und es glückte ihm auch wirklich , sich mit dem Grafen in Verbindung zu setzen ; dieser war benachrichtigt , der Fluchtplan verabredet , aber bei den Vorbereitungen dazu wurde Pawlick entdeckt und , als er in der ersten Bestürzung die Flucht nahm , von den Festungswachen niedergeschossen . Die Folge dieser Entdeckung war eine nur noch strengere Bewachung des Gefangenen und die schärfste Beobachtung seiner Angehörigen ; sie konnten keinen Schritt mehr thun , ohne sich neuem Verdachte auszusetzen , ohne die Haft des Vaters und Bruders noch härter zu machen ; sie mußten endlich der Unmöglichkeit weichen . Die Fürstin hatte unmittelbar nach dem Tode ihres jüngsten Sohnes Wilicza verlassen und war gänzlich nach Rakowicz übergesiedelt . Die Welt fand es sehr natürlich , daß sie ihre verwaiste Nichte jetzt nicht allein ließ , Waldemar verstand besser , was seine Mutter forttrieb . Er hatte es schweigend hingenommen , als