von Beineck nicht , « die Stimme des jungen Mädchens gewann zusehends an Festigkeit . » Wenn er wirklich beabsichtigt , mir seine Hand zu bieten , so bitte ich , ersparen Sie ihm und mir eine peinliche Stunde . Ich müßte Nein sagen . « Frau Almers sah die Sprechende an , als zweifelte sie an deren Verstände , auf einmal aber kam ihr ein Gedanke , dem sie sofort Worte lieh . » Du liebst einen anderen ? « fragte sie scharf . » Du hast irgend eine heimliche Neigung ? Ich wüßte zwar nicht , wie das möglich wäre , denn du hast seit zwei Jahren ausschließlich an meiner Seite gelebt , allein es ist die einzige Erklärung . Gestehe ! « » Ich habe nichts zu gestehen , « entgegnete Paula mit aufsteigendem Trotz . » Wenn ich eine Neigung hätte , so würde ich es offen bekennen , aber mir ist noch niemand so nahe getreten , daß ich ihn hätte lieben können . « Die Worte trugen so sehr das Gepräge der Aufrichtigkeit , daß die Dame ihren Argwohn fahren ließ , aber sie erhob sich jetzt vollends , in zürnender Majestät : » Nun , dann weiß ich in der That nicht , was ich sagen und denken soll ! Dir wird ein Glück geboten , wie es unter hundert Mädchen kaum einem zu teil wird , und du willst es von dir stoßen ? Was hast du gegen Ulrich ? « » Ich habe nichts gegen Herrn von Berneck , aber ich kann auch kein Herz zu ihm fassen . Er hat mir immer wie ein Fremder gegenübergestanden . « » Das ist kein Grund ! « fiel Frau Almers entrüstet ein . » Für Sie vielleicht nicht , gnädige Frau , aber für mich ! « Es war ein eigentümlich herber Ton , den die Dame gar nicht kannte an ihrer jungen Gesellschafterin . Sie ließ jenen Grund allerdings nicht gelten , denn ihr wie ihrer Schwester war der Gatte von den Eltern zugeführt worden . Man hatte für die ältere Tochter den reichen Gutsherrn Berneck bestimmt und für die jüngere den noch reicheren Industriellen Almers . Das Leben beider Frauen war in all dem Glänze und der Behaglichkeit verlaufen , den Vermögen und Lebensstellung nur geben können . Sie hatten das ganz natürlich gefunden und nichts vermißt . Und nun wagte es solch ein blutjunges und blutarmes Ding , die Hand eines Ulrich von Berneck zurückzuweisen , weil es ihn nicht liebte ! Vielleicht war es der unbewußte Vorwurf in jener Antwort , der Frau Almers verletzte , ihre Stimme konnte eine eisige Schärfe annehmen , wenn sie gereizt war . » Das Blut deiner Mutter scheint sich in dir zu regen , es ist , als ob ich Lena hörte ! Gerade so sprach sie , als man ihr Vernunft predigen wollte , da sie einen reichen , angesehenen Mann zurückwies , um deinen Vater zu heiraten . Aber sie hatte wenigstens die Entschuldigung einer Jugendliebe , der sie dies Opfer brachte . Dein Herz ist noch frei ! Bei dir ist es also nur romantische Ueberspanntheit , Phantasterei eines Mädchenkopfes ! Denkst du , ich werde das so ohne weiteres hinnehmen ? Du hast dir wohl noch gar nicht klar gemacht , daß dein Nein eine direkte Beleidigung für meinen Neffen ist ? « » Herr von Berneck wird mein Nein sehr ruhig hinnehmen , « sagte Paula mit einer tiefen , ihr sonst ganz fremden Bitterkeit . » Er hat sich ja nicht einmal die Mühe gegeben , mir seine Neigung zu zeigen , und er hält es auch nicht der Mühe wert , mich selbst zu fragen , sondern läßt mir einfach ankündigen , daß er mir seine Hand zugedacht hat . Nein , gnädige Frau , für eine solche Werbung habe ich kein Ja und für ihn am wenigsten ! « » Für ihn am wenigsten ? « wiederholte Frau Almers entrüstet . » Was hast du dir denn eigentlich gedacht von der Werbung eines Mannes , der , wie Ulrich , sich seines Wertes und seiner Stellung bewußt ist ? Sollte er vielleicht eine Romanscene mit dir spielen , vor dir auf die Kniee sinken und um deine Liebe flehen ? Dergleichen kommt ja vor bei Männern , die eben nichts weiter zu geben haben als solche wohlfeile Tändeleien . Deine Mutter hat sie kennen gelernt in ihrer Brautzeit , leider lernte sie dann auch die Kehrseite der Medaille kennen – das ist immer das Ende solcher Romanspielereien ! « Dem jungen Mädchen schossen die heißen Thränen in die Augen bei dieser schonungslosen Hindeutung . » Meine Eltern sind tot ! « sagte sie leise . » Sie wissen es ja , daß mein armer Vater mitten in seinem Schaffen und Streben gelähmt wurde durch die schwere , jahrelange Krankheit , die ihm endlich den Tod brachte . Das war ein Unglück – und ich habe es doch so oft von Ihnen hören müssen , daß es ein verdientes Schicksal war . Er und meine Mutter waren ja arm , und sie wollten sich doch angehören . Das war ihre ganze Schuld ! « Es lag ein so bitteres Weh in den Worten , daß selbst die kalte , stolze Frau nicht unempfindlich dagegen blieb . Ihre Stimme milderte sich , als sie antwortete : » Ich habe dir nicht wehe thun wollen , Paula , ich wollte dich nur bewahren vor einem gleichen Schicksal . Du bist noch so jung und hast es doch schon erfahren , wie bitter das Leben sein kann . Du hast schon als Kind Kummer und Sorgen kennen gelernt in deinem Elternhause . Hast du vergessen , wer es war , der dich und deine Mutter vor dem Schlimmsten bewahrte , als die nackte , bittere Not vor euch stand ? « Paula senkte den Kopf , ihre Thränen versiegten , und kaum hörbar erwiderte sie : »