spricht davon – es war wenigstens gestern Abend in der Stadt das Gerücht verbreitet , Excellenz beabsichtigten Ihren Posten zu verlassen . Ist das wahr ? Wollen Sie wirklich gehen ? “ „ Ja , ich gehe , “ sagte Raven mit ruhiger Bestimmtheit , „ und zwar bald . “ Der Hofrath senkte traurig den Kopf . „ Dann werde auch ich wohl nicht mehr lange bleiben , “ entgegnete er leise . „ Ich habe längst daran gedacht , mein Abschiedsgesuch einzureichen . “ Der Freiherr blickte ihn schweigend an . Die Anhänglichkeit des alten Mannes rührte ihn ; Moser allein hatte stets treu und fest zu ihm gehalten und war der Einzige gewesen , der sich durch keine gegen Raven ausgesprengte Verleumdungen beirren ließ . „ Gehen Sie in das Haus zurück , lieber Moser ! “ sagte Raven freundlich . „ Sie werden sich erkälten in der scharfen Morgenluft und in Ihrem leichten Hausanzuge . Nochmals – Adieu ! “ Er reichte ihm noch einmal die Hand , diesmal mit einem kurzen herzlichen Drucke , und ging dann . Der Hofrath blieb stehen und sah ihm nach . Er , der sonst so ängstlich jede Erkältung scheute , vergaß jetzt völlig , daß er ohne Ueberrock und Kopfbedeckung war . Der Händedruck hatte ihn ganz verwirrt gemacht und das „ Adieu ! “ hatte ihm so seltsam geklungen . Es war ihm , als müsse er seinem Chef nacheilen und noch irgend eine Frage an ihn richten , nur um noch einmal sein Gesicht zu sehen und seine Stimme zu hören , und nur der Gedanke an das Unpassende eines solchen Benehmens hielt ihn zurück . Erst als Jener verschwunden war , ging er wieder nach seiner Wohnung , aber ein schwerer Seufzer entwand sich seiner Brust , als er die Treppe hinaufstieg . Es war also doch geschehen . Der Gouverneur hatte seine Entlassung genommen . Raven schritt inzwischen langsam durch den Schloßgarten . Er hatte dem Wunsche nicht widerstehen können , ihn noch einmal zu betreten , und eine Verzögerung war das kaum . Der Garten stand durch eine kleine Mauerpforte in directer Verbindung mit dem Schloßberge . Von dort führte ein Fußpfad in wenigen Minuten nach der Stadt . Der Gouverneur hatte stets diesen Weg benutzt , wenn er irgendwo durch sein Kommen überraschen , und nicht erst das Hauptportal und die Militärposten passiren [ 584 ] wollte . Er kam wahrscheinlich gleichzeitig mit dem Wagen an , der einen Umweg machen mußte . Am Nixenbrunnen verweilte der Freiherr einige Minuten lang . Was war aus dem mondbeglänzten Eden von gestern Abend geworden ! Die Morgennebel hielten alles dicht umzogen . Der Rasen schimmerte weiß unter der Reifdecke , die sich darauf gelagert hatte , die mächtigen Linden , mit ihrem spärlichen Laub , standen dunkel und unheimlich in dem feuchten Dunst , und die fallenden Blätter deckten welk und naß den Boden . Der Nixenbrunnen rauschte noch , aber seine Wasserstrahlen waren jetzt nur ein trüber und farbloser Regen , der sich über graue , halbverwitterte Steinfiguren ergoß , und sein Nieseln klang so unsagbar traurig . Das verklärende Licht , das die ganze Umgebung in seinen Glanz getaucht hatte , war geschwunden , und nur die Wirklichkeit blieb zurück – der Herbst in seiner ganzen trostlosen Oede . Raven zog den Mantel fester um die Schultern , der Morgenwind strich eisig an ihm vorüber . Er wandte sich nach der Mauerbrüstung , wo sich sonst die weite Landschaft öffnete . Gestern lag das Thal dort , so zauberhaft schön im duftigen Schleier der Mondnacht ; heute war alles erfüllt von unruhig wogenden Nebelmassen . Nur einzelne Thürme der Stadt tauchten undeutlich daraus hervor ; das Thal , die Berge und die Ferne waren völlig verhüllt . Der Blick des Freiherrn streifte über die Stadt hin , die er so lange beherrscht hatte , und verlor sich dann in jenem gährenden Nebelmeer . Was mochte sich dahinter bergen ? Ein goldener Sonnentag oder düsteres Nebelgrauen ? Noch ein letzter Blick flog hinaus zu den Mauern des Schlosses , aber er blieb nicht dort haften . Gabrielens Zimmer lagen nach der anderen Seite hinaus , man konnte von hier aus ihre Fenster nicht sehen . Raven öffnete die Mauerpforte und trat in ’ s Freie . Er kam fast gleichzeitig mit dem Wagen unten an ; in der nächsten Minute saß er an der Seite des Oberst Wilten und bald lag die Stadt hinter ihnen . Die Fahrt ging rasch vorwärts , an dampfenden Wiesen vorüber , an dem brausenden Flusse entlang , dem Gebirge zu . Nach einer halben Stunde war das Ziel erreicht , die Waldungen , welche hier begannen . Der Freiherr und sein Begleiter verließen den Wagen und gingen zu Fuß weiter nach dem Orte der Zusammenkunft , der in ewiger Entfernung am Rande des Waldes lag . Die Gegenpartei war schon dort eingetroffen , Doctor Brunnow , mit seinem Secundanten und seinem Sohne , welcher der Verabredung gemäß den ärztlichen Beistand leisten sollte . Die Herren grüßten sich schweigend , nur die beiden Secundanten hatten eine kurze Besprechung mit einander und schritten dann sofort zu den Vorbereitungen . Textdaten zum vorherigen Teil < < < > > > zum nächsten Teil zum Anfang Autor : W. Heimburg Titel : Um hohen Preis aus : Die Gartenlaube 1878 , Heft 36 , S. 595 – 600 Fortsetzungsroman – Teil 28 [ 595 ] Max stand neben seinem Vater , dessen bleiches Antlitz und brennende Augen eine durchwachte Nacht verrieten und der sich vergebens bemühte , seine fieberhafte Erregung zu verbergen . Seine Lippen waren fest zusammengepreßt , und durch seine Hand , die in der des Sohnes lag , flog bisweilen ein nervöses Zucken . „ Fassung , Papa ! “ flüsterte Max ihm zu . „ Deine Hand ist so unsicher ; Du wirst kaum abdrücken können . “ „ Sei ruhig ! Ich werde es können ,