! Und ich sage dir : Nur kurze Zeit , so wirst du mich auf deinen Knieen bitten , die Beichte anzuhören , welche du mir jetzt verweigerst . Für hier und jetzt bin ich mit dir fertig ! « Kara hatte ihn derart gefesselt , daß an einen Fluchtversuch gar nicht zu denken war . Dieser Verführer unserer strahlenden » Festjungfrau « versuchte zwar noch immer , uns zu einem andern Verhalten gegen ihn zu bereden , doch vergeblich . Er wurde zwischen die hier liegenden , hohen Steinhaufen gesteckt , und dann gingen wir . Als wir dann draußen im Freien standen , sagte Schakara , indem sie mich fast ängstlich anschaute : » Wie streng du sein kannst , Effendi , wie unerbittlich kalt und streng ! Das wußte ich noch nicht . « » Meine Freundin , es handelt sich hier nicht um mich , sondern um das Wohl und Wehe vieler , vieler Menschenkinder , « antwortete ich . » Da hat etwas ganz Anderes zu sprechen , als das , was man das Herz zu nennen pflegt . Auch ist das Schicksal dieses Mannes ja noch nicht fest bestimmt . Es steht in seiner Hand . Er kann sich retten , wenn er Reue zeigt . Und grad das , was ich mit ihm vorhabe , ist geeignet , ihn am schnellsten zu dieser Reue zu führen . « » Was wird das sein ? « » Ich gebe ihm ein Gefängnis , wo er sich zu entscheiden hat : Wahnsinn oder Reue . Weiter gibt es dort nichts . « » Wo ? « » Unten im Bassin , im finstern Bergesinnern , ein kalter , nasser Sitz auf jenem Stein , auf dem wir das Skelett gefunden haben . In solcher Art Gesellschaft wird man mürbe ! « » Entsetzlich , entsetzlich ! Effendi , bist du ein Mensch ? « » Schakara , Schakara ! Ich will ihn retten . Und wer den Ausweg aus der innern Hölle nur durch die äußre Hölle finden kann , dem muß man diese öffnen . Mit Baklawa53 das Raubtier zähmen wollen , ist Unsinn und bringt doppelte Gefahr . Wir lassen ihn bis nachts im Turme liegen und schaffen ihn sodann an Ort und Stelle . Ich wette , daß es gar nicht lange dauert , so tut er das , was ich ihm voraussagte : Er bittet mich um die Genehmigung , mir seine ganze Schuld gestehn zu dürfen . - - - Was sehe ich da unten im Duar ? Ist etwa Pferdemarkt ? « » Nicht Markt , doch aber Schau , und zwar für unser Rennen . Der Chodj-y-Dschuna hat sie anbefohlen . Ein jeder Dschamiki , der sich beteiligen will , muß sich mit seinem Pferde bei ihm melden . Hierauf wird dann die Rennbahn abgesteckt , und Jeder kann sich üben nach Gefallen . « » So gehen wir hinab ! Ich möchte sehn , was sich für Kräfte stellen . « » Wird dich das nicht zu sehr anstrengen ? « fragte Schakara . » Keinesfalls . Ich fühle , daß ich neues Blut besitze , und neues Blut bringt immer neue Kraft , im Körper wie im Geiste . Ich fand noch nie bei einem andern Kranken , daß die Genesung sich so wunderbar beeilte , wie sie bei mir es tut . Was ich noch vor drei Tagen für ganz unmöglich hielt , das kommt mir jetzt , wo ich die Fläche überblicke , die vielen Pferde unten stehen sehe und rechts da drüben meinen Assil schaue , in meiner Stimmung recht gut möglich vor - - - ihn gegen unsre Feinde selbst zu reiten . « » Effendi , welch ein Gedanke ! « rief Kara aus , indem seine Augen leuchteten . » Wenn das mein Vater hört , läßt es ihn schnell genesen ! « » Nur nicht sogleich entzückt ! Ich bin noch viel zu schwach , kann höchstens daran denken , jedoch bestimmen nichts . Trotzdem , trotzdem , trotzdem ! Nimm die Begeisterung , die Euch beseelen wird ; denk auch ans Andere : daß wir geschlagen werden , von Ritt zu Ritt besiegt von solchen Gegnern , und stelle dich dann vor die letzte Tour , die das Verlorne wiederbringen kann , so werfe ich mich auf den schlimmsten Gaul und reite mit , daß alle Knochen fliegen , die seinen und die meinen , bis miteinander wir zusammenbrechen , wir beide tot , jedoch am Ziel - - - als Sieger ! « Wir kehrten nicht erst nach dem hohen Hause zurück , sondern gingen in entgegengesetzter Richtung hinüber nach den Steinbrüchen und den dortigen , breiten Weg hinunter in den Duar . Das war ein Jubel , als man uns bemerkte ! Die Begeisterung , von welcher ich gesprochen hatte , schien sich schon heute eingestellt zu haben . Es gab so viele , fernwohnende Dschamikun , die mich noch nicht gesehen hatten . Die drängten sich alle , alle herbei , und jeder von ihnen hatte es ganz besonders darauf abgesehen , uns zu versichern , daß wir das Rennen unbedingt gewinnen würden . Wir gingen mit dem Chodj von Pferd zu Pferd . Ein jeder Besitzer war bemüht , uns von den Vorzügen des seinigen zu überzeugen . Darum freute es mich , daß der Chodj sich als vortrefflicher Kenner zeigte . Er ließ sich nicht durch Worte enthusiasmieren , blieb kalt , bedächtig , überlegen und wies Alles zurück , was keinen Erfolg versprach . Aber grad dadurch erreichte er , daß unser Vertrauen stetig wuchs , und als wir zu Ende waren und er uns nach unserm Urteile fragte , konnte ich ihm zu seiner wie auch meiner Freude sagen : » Das Material ist gut . Nicht nur im gewöhnlichen Sinne , sondern sogar in Beziehung auf den ungewöhnlichen Zweck . Nachdem ich diese Pferde gesehen habe , bin ich unbesorgt