fort : » Ihr habt es gehört . Da steht ein Mensch , ein junger Mensch , der niemals eine Lüge sagt , selbst wenn es ihm das Leben kosten sollte . Was sagt ihr dazu ? « Ein allgemeines Gelächter war die Antwort . » Ich lache ebenso wie ihr , « stimmte er ihnen bei . Dann drehte er sich wieder nach Kara um : » Ihr seid natürlich unsere Gefangenen . Eure Pferde gehören uns ! « » Versuche es , sie dein zu nennen ! « » Ich brauche es nicht zu versuchen , denn ich habe es bereits gethan . Wir bringen hier die größte Beute heim , die jemals gemacht worden ist ! Du , Knabe , bist der allerdümmste Kerl , den es auf Erden giebt ! Dieser deiner Dummheit darf ich beantworten , was du mich vorhin fragtest . Setze dich ! « Er deutete auf einen Stein , der neben Kara lag . Dieser ließ sich auf ihn nieder . Dies schien Gehorsam zu sein . Auch Tifl war von seiner Stute gestiegen . Er trat zu Kara und setzte sich neben ihm auf den Boden nieder . Die Soldaten umringten die Pferde , um ihre bewundernden Bemerkungen über diese ebenso unerwartete wie unschätzbare Beute zu machen . Der Offizier aber sprach zu Kara weiter : » Du hast also den Muhassil Omar Iraki nie gesehen ? « » Nie , « antwortete der Gefragte . » Er war ein Herr , der einen starken Willen hatte . Kein Steuerverweigerer konnte ihm widerstehen . Daher wurde er überall hingesandt , wo Andere vor ihm nichts erreicht hatten . So kam er auch zu den Kalhuran , den räudigen Hunden , welche nicht zahlen wollten . Grad hundert Reiter waren bei ihm , welche von den Verweigerern als teure Gäste aufgenommen und verpflegt werden mußten . Nun waren nicht nur die Steuern , sondern auch unsere Löhne zu bezahlen . Die Schuld wurde von Tag zu Tag größer . Wir nahmen erst nur die Wolle , dann auch die Schafe selbst . Das reichte nicht . Wir griffen natürlich auch nach den anderen Herden . Da rotteten sich die Hunde zusammen , um uns zu widerstehen . Der Muhassil ließ den Scheik Hafis Aram ergreifen und zu sich in das Zelt bringen . Dort wurde er gepackt , niedergeworfen und zu den Füßen des Muhassil festgehalten . Dieser verlangte Geld . Der Scheik behauptete , keines zu haben . Da drohte der Muhassil mit der Peische . Hafis Aram aber leugnete fort . Da begann der Muhassil , ihn zu züchtigen , mit eigener Hand , denn er war ein sehr starker Mann , der die Peitsche zu führen verstand . Der Scheik wollte sich losreißen , aber acht Hände hielten ihn am Boden fest . Da war er still . Er nahm die Hiebe auf sich , ohne eine Klage , einen Laut hören zu lassen . Aber seine Augen waren unheimlich starr auf den Muhassil gerichtet , ohne daß er diesem auf seine bei jedem Schlag wiederholte Frage nach dem Gelde eine Antwort gab . Was sagst du zu solcher Hartnäckigkeit , Kara Ben Hadschi Halef ? « » Wißt ihr , was es heißt , einen freien Beduinen zu peitschen ? Den Scheik eines ganzes Stammes ? « fragte Kara . » Was soll es weiter heißen , als daß er eben Prügel bekommt ? Auch wir alle , die wir jetzt in des Beherrschers Diensten stehen , sind von freien Eltern geboren worden . Haben wir uns etwa dadurch , daß wir den Ungehorsam zwingen , die Gesetze zu erfüllen , in verächtliche Sklaven verwandelt ? Stehen wir nicht im Gegenteile höher als die Widerspenstigen ? Scheik Hafis Aram wäre ganz gewiß von dem Muhassil erschlagen worden , und zwar mit vollstem Rechte , wenn ihm nicht eine so ganz unerwartete Hilfe gebracht worden wäre , daß wir alle vor Ueberraschung versäumten , ihr zu widerstehen . Rate , von wem sie kam ! « » Ich rate nicht . Sage es ! « » Sie wurde dem Scheik von seinem Weibe gebracht , der Dschamikeh , welche Allah verdammen möge ! Sie haßte und fürchtete den Muhassil . Als sie , von einem Gange zurückkehrend , vernahm , daß er ihren Mann habe holen lassen , wurde sie von ihrer Angst herbeigetrieben . Sie lauschte am Zelte , vor dem kein Wächter stand . Sie hörte die Streiche , welche fielen . Da trat sie ein . Sie sah , was geschah , und sprang zum Muhassil hin , um seinen Arm festzuhalten . « » Herr , du schlägst einen freien Moslem ? schrie sie ihn an . Keinen Hieb weiter ! « » Er riß sich von ihrer Hand los , gab ihr selbst einen Schlag und dann dem Scheik einen zweiten . Da sprang sie zum Sufra105 , auf welcher die zwei geladenen Pistolen des Herrn lagen . In der Kürze eines einzigen Augenblickes hatte sie die eine ergriffen , gespannt , auf ihn gerichtet und schoß ihm die Kugel in die Brust . Er war nicht sofort tot , griff , indem er die Peitsche fallen ließ , mit den Händen nach der Wunde und stieß einen Schrei aus . Dann begann er , zu wanken . Wir eilten zu ihm , um ihn zu halten . Die vier Männer , welche den Scheik festhatten , erschraken ebenso wie wir . Sie ließen ihn los und sprangen auf , nur für den Muhassil besorgt . Da schnellte sich Hafis Aram empor , riß die zweite Pistole von der Sufra , jagte dem schon Verwundeten die Kugel in die Stirn und rief : So zahlt man Peitschenhiebe heim ! Hierauf ergriff er die Hand seines Weibes und riß sie mit sich fort , zum Zelt hinaus . Der Muhassil glitt in unsern Händen tot zur Erde nieder . Wir hatten nur Augen für ihn