antwortete der Diener auf meines Vaters Weisung . » Weh ... mir wird übel ! « kam es jetzt von Lilli , welche bis in die Lippen erbleichte und sich an eine Sessellehne anklammerte . Wir sprangen ihr bei : » Was hast Du ? ... Sei nicht thöricht ... das ist die Angst ... « Aber es war nicht die Angst , es war - kein Zweifel : wir mußten die Unglückliche auf ihr Zimmer bringen , wo sie sogleich von heftigen Erbrechungen und den übrigen Symptomen ergriffen wurde - es war an diesem Tage der zweite Cholera-Fall im Schlosse . Entsetzlich war es anzuseher , was die arme Schwester litt . Und kein Doktor da ! Friedrich war der Einzige , der , so gut es ging , das Amt eines Solchen versah . Er ordnete das Nötige an : warme Umschläge , Senfteig auf den Magen und an die Beine - Eisstückchen - Champagner . Nichts half . Diese für leichte Choleraanfälle ausreichenden Mittel , hier konnten sie nicht retten . Wenigstens gaben sie der Kranken und den Umstehenden den Trost , daß etwas geschah . Nachdem die Anfälle nachgelassen , kamen die Krämpfe an die Reihe - ein Zucken und Zerren der ganzen Gestalt , daß die Knochen krachten . Die Unselige wollte jammern : sie konnte nicht , - denn die Stimme versagte ... die Haut wurde bläulich und kalt - der Atem stockte - - Mein Vater rannte händeringend auf und nieder . Einmal stellte ich mich ihm in den Weg : » Das ist der Krieg , Vater ! « sagte ich . » Willst Du den Krieg nicht verfluchen ? « Er schüttelte mich ab und gab keine Antwort . Nach zehn Stunden war Lilli tot . - Netti , das Stubenmädchen war schon früher gestorben - allein auf ihrem Zimmer ; wir Alle waren um Lilli beschäftigt gewesen und von der Dienerschaft hatte sich Niemand in die Nähe der » schon ganz Schwarzen « gewagt ... - - - - - - - - - - - - - - - Mittlerweile war Doktor Bresser angekommen . Die telegraphisch verlangten Medikamente brachte er selber . Ich hätte ihm die Hand küssen mögen , als er unerwartet in unsere Mitte trat , um den alten Freunden seine aufopfernden Dienste zu weihen . Er übernahm sofort den Oberbefehl des Hauses . Die zwei Leichen ließ er in eine entfernte Kammer schaffen , sperrte die Zimmer ab , in welchen die Armen gestorben und unterzog uns Alle einer kräftigen desinfizierenden Prozedur . Ein intensiver Karbolgeruch erfüllte nunmehr alle Räume , und heute noch , wenn mir dieser Geruch entgegenweht , steigen jene Cholera-Schreckenstage vor meinem Geiste auf . Die geplante Flucht mußte ein zweites Mal unterbleiben . Schon stand am Tage nach Lillis Tode der Wagen bereit , welcher Tante Marie , Rosa , Otto und meinen Kleinen fortführen sollte , als der Kutscher - von dem unsichtbaren Würger erfaßt , wieder vom Kutschbock absteigen mußte . » Also will ich euch fahren , « sagte mein Vater , als ihm diese Nachricht gebracht wurde . » Schnell - ist Alles bereit ? « ... Rosa trat vor : » Fahret , « sagte sie - » ich muß bleiben ... ich ... folge der Lilli - - « Und sie sprach wahr . Bei Tagesanbruch wurde auch diese zweite junge Braut in die - Leichenkammer gebracht . Natürlich war in dem Schrecken dieses neuen Unglücksfalles die Abreise der Anderen nicht ausgeführt worden . Mitten in meinem Schmerze meiner tobenden Angst , ergriff mich auch wieder der tiefste Zorn gegen jene Riesenthorheit , welche solches Übel freiwillig heraufbeschwört . Mein Vater war , als sie Rosas Leichnam hinausgetragen , in die Knie gefallen , den Kopf an die Mauer ... Ich trat hin und packte ihn beim Arme : » Vater , « sagte ich - » das ist der Krieg . « Keine Antwort . » Hörst Du , Vater ? - Jetzt oder nie : willst Du jetzt den Krieg verfluchen ? « Er aber raffte sich auf : » Du erinnerst mich daran ... dieses Unglück will mit Soldatenmut getragen werden ... Nicht ich allein ! das ganze Vaterland hat Blut- und Thränenopfer bringen müssen - « » Was hat denn dem Vaterland Dein und Deiner Brüder Leid gefrommt ? Was frommen ihm die verlorenen Schlachten , was diese beiden geknickten Mädchenleben ? - Vater - o thue mir die Liebe : fluche dem Krieg ! Sieh her , « ich zog ihn zum Fenster hin - eben wurde auf einem Karren ein schwarzer Sarg in den Hof gerollt : » sieh her - das ist für unsere Lilli - und morgen ein gleicher für unsere Rosa ... und übermorgen vielleicht ein dritter - und warum , warum ? ! « » Weil Gott es so gewollt , mein Kind - « » Gott - immer Gott ! ... Daß sich doch alle Thorheit , alle Wildheit , alle Gewaltthätigkeit der Menschen stets hinter diesem Schilde birgt : Gottes Wille . « » Lästere nicht , Martha , jetzt läst ' re nicht , da Gottes strafende Hand so sichtbar - « Ein Diener kam hereingerannt : » Ex ' lenz - der Tischler will den Sarg nicht in die Kammer tragen , wo die Komtessen liegen - und Niemand traut sich hinein - « » Auch Du nicht , Feigling ? « » Ich kann nicht allein - « » So werde ich Dir helfen - ich will meine Tochter selber ... « Und er schritt zur Thür . » Zurück ! « schrie er mich an , da ich ihm folgen wollte . » Du darfst nicht mit - Du darfst mir nicht auch noch sterben ... und denke an Dein Kind ! « Was thun ? Ich schwankte ... Das ist das quälendste in solchen Lagen ; nicht einmal zu wissen , wo die Pflicht liegt . Leistet