, da : es liegt im Interesse der Aktionäre , nicht nur die Produktionssteigerung nicht höher zu treiben , sondern auch der Finanziierung auswärtiger Brauereigeschäfte auf dem hiesigen Markte entgegenzuarbeiten . Nach letzter Richtung müssen dem Weiler die Hände gebunden werden . Er will uns mit einer österreichischen Brauerei auf den Buckel steigen und sucht überall nach kapitalkräftigen Dummköpfen , die ihm die Leiter halten sollen . Details nächstens . Übrigens soll er sich tief mit der Diskonto-Gesellschaft eingelassen haben , deren Wirtschaften mit den gewagtesten , ja , zweifellos unerlaubten Mitteln im finanziellen Verkehr einen baldigen Zusammenbruch wahrscheinlich macht . Gott gebe , daß er dabei den Hals bricht . Wie unsinnig hat mich der Kerl damals mit seinen faulen Aktien beschwindelt ! ... Lieber Nachbar Schmerold , du kannst auf mich rechnen ... Jetzt wär ' mir aber eine kleine Erholung doch willkommen ... « Gähnend öffnete er einen anderen Brief . » Aus der Hölle ! Ja , das ist noch eine lustige altmünchnerische Gesellschaft und eine vornehme obendrein . Das verdank ' ich meinem Kunstmäzenatentum , daß die Herren bei feierlichen Veranlassungen mich niemals übersehen . Was ist ' s diesmal ? Eine Einladung zum Frühlings Diner , oder wie sie es nennen : zum Höllenfraß ! Nun ja , da hab ' ich ja gleich meine Erholung - leider nur in Gedanken einstweilen . Hier das Menn in ihrer Geheimsprache : Höllenfraß . Teufelsbrühe . Kleine Drachen mit Nachtschatten-Knollen Hexenlenden mit Zubehör . Pech und Schwefel . Mephistoschweif mit feurigen Kohlen Lasciate ogni Speranza-Pudding . Großmutterkäse . Früh-Obst aus Sodom und Gomorrah . Gesöffe : Satansblut M. 2. - Grüneberger Auslese M. 2. - Fünfmalhundertausend Teufel-Wein M. 5. - Ditto M. 10.50 . Das verspricht einen höllisch fidelen Abend . Schade , daß man keine Satansweiber einführen darf . Da würde mein Leo Augen machen , wenn ich sie mit mir in diese Unterwelt schleppte ... Aber so gut geht mir ' s auf keinen Fall mehr in diesem Leben - Leo ' s Sinn ist nicht mehr umzustimmen ; alles Gesellschaftliche ist ihr verhaßt . Wie einsiedlerisch hat sie mich gemacht ! Oft kenn ' ich mich selbst nicht mehr ... Das lustige Vereinsleben in meiner Jugend ... « Er saß einen Augenblick nachdenklich und seufzte . Der rot und schwarz gedrückte , mit allerlei Teufeleien zeichnerisch verschnörkelte Höllenspeisezettel zitterte in seiner Hand . » Und nun rasch den Rest der Korrespondenz erledigt , damit ich endlich an die Luft komme , « fuhr er ärgerlich auf ... » Eine umfangreiche Denkschrift über die Bebauung der Isarufer , Ausbau der Quaistraße vom Lehel bis zu den Isarauen u.s.w. von einem gewissen Joseph Zwerger , begutachtet vom Architekten-und Ingenieurverein . Das soll ich doch nicht lesen ? Nein , lieber Schmerold , das hättest du behalten können . Und was sagt mein Biswanger dazu ? Verfrüht , kann erst in Erwägung gezogen werden , wenn der geschäftliche Teil erledigt ist ; überdies scheinen Zwergers Pläne für Münchener Verhältnisse viel zu großartig und zu spezifisch künstlerisch . Wir müssen erst Praktiker von bewährtem Rufe hören , bevor wir mit Künstlern und Theoretikern ohne Namen uns einlassen . Ich begreife den Schmerold nicht , daß er mir so etwas schickt ... Wir wollen doch nicht bauen , um den Künstlern einen Spaß zu machen ? Was architektonische Phantasieen losten , das zeigt uns das Beispiel des Königs . Das kleine Stückchen Quaistraße , das wir jetzt haben , ist doch wahrhaftig nicht übel . Wenn wir so fort bauen , wird die neue Isarstadt schön genug und wir kommen auf unsere Rente ... « Ein anderes Schreiben überfliegend : » Hab ' ich ' s nicht gesagt , die Zeitungsschreiberei ist nur Wasser auf die Mühle der Sozialdemokraten ? Jetzt marschiert das Lehel bereits gegen die Quaistraße an und verlangt Paläste für die Arbeiter ! Dieses Schriftstück sollte ich eigentlich dem Xaver Schwarz , dem ewigen Vorstande des Hausbesitzervereins , vorlegen , der während der Gemeinde-und Landtagswahlzeit nicht müde geworden ist , als frommer Ultramontaner ein sozialistisches Mäntelchen umzuhängen , und den Noten um den Bart zu gehen . Jetzt sitzt er in der Kammer und im Reichstag und dünkt sich wunder was . Schwarz heißt er und schwarz ist er wie ein Schlotfeger - und er segt und scharrt auch fleißig , für seinen Sack wenigstens . Warum wenden sich die roten Lehelbrüder nicht an dieses Volksvertretungsmuster ? Was wollen sie von mir , der ich weder Stadtvater noch Land- und Reichsbote bin , sondern einfacher Geschäftsmann ? Meinen diese roten Lehelbrüder , in meinen Geschaftsbüchern hätte ich eine Rubrik für ihre Wünsche und Hirngespinnste ? Warum belästigen sie mich , da ich niemals etwas mit ihnen zu schaffen hatte ? Und dieses Zeug soll ich lesen ? « Er wog den dicken Brief , aus dem er flüchtig einige Stichproben gelesen , in der Hand . » Wie unverschämt diese Leute gleich ins Zeug gehen ! Unser Volksverein hat vernommen , daß nächstens der Ausbau der Quaistraße , d.h. die vollständige Umgestaltung und Neubebauung des linken Isarufers in München , in großem Stile durchgeführt werden soll ; das halbe Lehel , die Ländstraße , die Wasser-und Auenstraße werden diesem Plane zum Opfer fallen . Hunderte von armen Familien , die seit undenklichen Zeiten still und zufrieden da gewohnt , werden von den , Isarufern vertrieben oder in ungesunde Kellerwohnungen oder in entlegenere Pesthöhlen des Proletariats gedrängt werden . Der Grund und Boden , an den uns so viele Familienerinnerungen knüpfen , der uns gewissermaßen heilig ist , wird uns von der Bauspekulation entrissen , um ihn mit glänzenden Straßen , mit Villen und Zinspalästen zu bedecken . Uns einen Ersatz dafür zu bieten durch die Anlage von gesunden und billigen Arbeiterwohnungen in nicht zu großer Entfernung von dem Weichbilde der Stadt und dem uns liebgewordenen Flusse , daran scheint keiner der Herren Spekulanten , die doch auch unsere Mitbürger sind , zu denken . Dabei