wir jetzt die Fastnachtsfeuer brennen , und das unsrige flammte bereits in großem Umfange ; wir standen in einem Kreise hundertweise darum , und Tell , der Schütz , zeigte sich jetzt auch als einen guten Sänger , sogar als einen Propheten , indem er ein kräftiges Volkslied von der Sempacherschlacht vorsang , dessen Chorzeilen von allen wiederholt wurden . Wein war in Menge vorhanden ; es bildeten sich mehrere Liederkreise , schlichte , einstimmige , welche alte Lieder sangen , wie vierstimmige Männerchöre mit neuen Liedern , gemischte Singschulen von Mädchen und Jünglingen , Kinderscharen , alles sang , klang und wogte durcheinander auf der Allmende , über welche das Feuer einen rötlichen Schein verbreitete . Vom Gebirge herüber wehte immer stärker und wärmer der Föhn und wälzte große Wolkenzüge über den Himmel ; je dunkler die Luft wurde , desto lauter ward die Freude , die zunächst um Burgtrümmer und Feuer in einem großen Körper lagerte , dann die Halde hinab sich in viele Gruppen und einzelne auflöste , die hier noch im rötlichen Scheine streiften , dort in der Dunkelheit jauchzten . Noch weiterhin summte die Lust aus den dunklen Gefilden und glänzte zuletzt wieder sichtbar in den zahlreichen Flammen am Horizonte . Der uralte gewaltige Frühlingshauch dieses Landes , obschon er Gefahr und Not bringen konnte , weckte ein altes , trotzig frohes Naturgefühl , und indem er in die Gesichter und in die heißen Flammen wehte , ging die Ahnung zurück vom Feuerzeichen des politischen Bewußtseins über die Christenfeuer des Mittelalters zu dem Frühlingsfeuer der Heidenzeit , das vielleicht zur selben Stunde , auf derselben Stelle gebrannt . In den dunklen Wolkenlagern schienen Heerzüge verschwundener Geschlechter vorüberzuziehen , manchmal anzuhalten über dem nächtlich singenden und tönenden Volkshaufen , als ob sie Lust hätten , herabzusteigen und sich unter die zu mischen , welche ihre Spanne Zeit am Feuer vergaßen . Es war aber auch eine köstliche Stelle , diese Allmende ; der bräunliche Boden , vom ersten Anflug des ergrünenden wilden Grases überschossen , dünkte uns weicher und elastischer als Sammetpolster , und vor der fränkischen Zeit schon war er für die Bewohner der Gegend dasselbe gewesen , was heute . Die Stimmen der Weiber waren mit der Nacht lauter geworden ; während die älteren schon fortgegangen und die verheirateten Männer sich zusammentaten , um vertraute Zechstuben aufzusuchen , begannen die Mädchen ihre Herrschaft unbefangener auszuüben , erst in lachenden Kreisen , bis zuletzt alles beieinander war , was zusammengehörte , und jedes Paar auf seine Weise sich zeigte oder verbarg . Doch als das Feuer zusammenfiel , lösten sich die verschlungenen Menschenkränze und begannen in großen und kleinen Gruppen dem Städtchen zuzuziehen , wo auf dem Rathause sowie in einigen Gasthäusern Trompeten und Geigen sie erwarteten . Ich hatte mich in dem Gedränge unstet herumgetrieben und vergnügte mich nun an der verlöschenden Glut , um welche außer einigen Knaben nur noch jene Fratzgestalten herumtanzten , weil der Spaß sie nichts kostete . Sie sahen in den flatternden Hemden und mit den hohen Papiermützen aus wie Gespenster , die dem grauen Gemäuer entstiegen Einige zählten auch die Münzen , welche sie etwa erhascht , andere suchten aus dem Feuer noch ein verkohltes Holzscheit zu ziehen , und besonders einen sah ich , welcher sich zu den tollsten Sprüngen angestrengt und den ich für einen jungen Taugenichts gehalten , nunmehr nach der Entlarvung als ein eisgraues Männchen zum Vorschein kommen und sich hastig mit einem rauchenden Fichtenklotze abquälen . Ich wandte mich endlich hinweg und ging langsam davon , unschlüssig , ob ich nach Hause kehren oder dem Städtchen zusteuern solle . Mein Mantel , der Degen und die Armbrust waren mir längst hinderlich ; ich nahm alles zusammen unter den Arm , und als ich rascher von der Allmende hinunterschritt , fühlte ich mich so munter und lebenslustig wie am frühen Morgen , und je länger ich ging , desto stärker erwachte mir das kühne Verlangen , einmal die Nacht zu durchschwärmen , und zugleich die Reue , daß ich Anna so leichten Kaufes entlassen . Ich bildete mir ein , ganz der Mann dazu zu sein ein Liebchen eine festliche Nacht entlangzuführen , unter Tanz , Becherklang und Scherz . Ich machte mir die bittersten Vorwürfe , den einzigen Tag so ungeschickt und schwachmütig verpfuscht zu haben , und stellte mir zugleich voll Eitelkeit vor , daß es Anna ebenso ergehe und sie vielleicht schlaflos sich nach mir sehne ; denn es mochte schon neun Uhr vorüber sein . Unversehens war ich in dem Flecken angelangt , welcher von Musik ertönte , und als ich in einen übervollen Saal trat , in welchem die blühenden Paare sich drehten , da klopfte mein Blut immer unwilliger und heißer ; ich bedachte nicht , daß wir die einzigen sechszehnjährigen Leutchen gewesen wären , die sich im offenkundigen Vereine zeigten , noch weniger , daß unsere heutigen Erlebnisse zehnmal schöner waren als alles , was diese lärmende Jugend hier genießen konnte , und daß ich mich in der Erinnerung derselben reich und glücklich genug hätte fühlen sollen . Ich sah nur die Freude der Volljährigen , der Verlobten und Selbständigen , und maßte mir ihr Recht an , ohne im mindesten zu merken , daß mein prahlerisches Blut , sobald ich Anna wirklich zur Seite gehabt hätte , augenblicklich wieder zahm geworden wäre . Es gereicht mir auch nicht zur Ehre , daß es ihrer leibhaften Gegenwart bedurfte , mich zur Bescheidenheit zurückzuführen . Doch als ich von meinen Vettern und Bekannten als ein verloren Geglaubter tapfer begrüßt und in den Strudel gezogen wurde , blendete mich das Licht der Freude , daß ich mich und meinen Ärger vergaß und der Reihe nach mit den drei Basen tanzte . Ich erhitzte mich immer mehr , ohne zufrieden zu sein ; die Lust , welche im ganzen soviel Geräusch machte , ging mir im einzelnen viel zu langsam und nüchtern vor sich . So freudestrahlend alle die jungen