und mit Scherz und Ernst so viel als möglich alles abzuschneiden , was den pflichttreuen Freund etwa zu weiteren Fragen und Untersuchungen zwingen mußte . Wohl war das ein sehr gewagtes Spiel , aber der Schwärzer fand kein anderes Mittel , sich und diejenigen , an die sein Schicksal nun einmal gekettet war , zu retten . Der Krämer aber legte den Eifer ganz anders aus , mit welchem Hansjörg sich dem Grenzjäger nach dem Berichte des Rößlewirtes dienstbar zu zeigen suchte . Wenn er sein eigener Angeber wurde , so suchte er sich doch jedenfalls noch einen vielleicht mächtigen Fürsprecher zu gewinnen . Das erklärte alles , oder besser , der Krämer glaubte , daß er an Hansjörgs Platze so handeln würde . An seinem Platz ! Es war das erstemal , daß der Krämer sich in die Lage eines Menschen dachte , der ein Opfer seiner Geldgier wurde . Jetzt aber tat er das , gedachte schaudernd der großen Rechnung , welche gestern nicht ausgeglichen ward , und glaubte nun zu wissen , was er zu erwarten habe . Und was Hansjörg , dem er vielleicht zweimal sein Lebensglück zerstörte , gegen ihn auch unternehmen mochte , er konnte ihm nicht unrecht geben . Ja , das war noch beinahe das quälendste , daß bei allem dem ein herzliches Mitleid mit dem Armen sich in ihm zu regen begann . Es litt ihn nicht lange bei seinem Schoppen . Auf mußte er , fort , hinaus in Nacht und Sturm , wo er wenigstens ungestört sinnen konnte . Mit zitternder Hand legte er zwei Sechser neben den kaum berührten Schoppen und ging . Jetzt schien ihm der verschneite Weg nicht mehr gar so schlecht zu sein , auch peitschte der Sturm einem den Schnee nicht mehr gar so arg ins Gesicht als nachmittags . Nur sehen konnte man auch jetzt nicht weit , das war womöglich schlimmer geworden ; und doch hätte er es vermeiden mögen , unversehens jemandem zu begegnen , da man ja leicht Verdacht schöpfen konnte , wenn man ihn auf dem Wege sah , während ein Grenzjäger im Dorfe verweilte . Unwillkürlich verließ er den durchs Dorf hinein zu der Wohnung des Andreas führenden Weg und merkte nun , daß ihn der alte Schnee ganz vortrefflich trug . Er lief also gerade so bequem oder unbequem ob dem Dorfe hinein als durch die verschneite und überdies unter der glatten Decke des neugefallenen Schnees recht holperige Gasse , mußte nicht zwischen Häusern hindurch und war sicher , daß ihm kein Mensch begegne . Schon eilte er hinauf , als ob es das Leben gelte . Schon mußte er jedem , der im Dorfe war , in der Schneewolke verschwunden sein , und doch eilte er immer noch weiter hinauf , bis er sich endlich ein wenig stillzustehen und zu verschnaufen gezwungen fühlte . Bitter lachend sank er zusammen . Es wurde ihm jetzt nicht so schnell zu kalt auf dem neugefallenen Schnee . Er saß und sann , während es im Tale dunkler und dunkler ward . Zum Teil war es ihm doch noch lieb , daß Hansjörg sich zu solchem verräterischem Spitzbubenstreich fähig zeigte . Nun hatte man wenigstens die Beruhigung , ihn an und für sich schon für einen grundschlechten Kerl halten zu dürfen , an dem wohl nicht viel mehr zu verderben gewesen war . Die tausend Gulden , oder was der Spaß allenfalls kostete , konnte er den Kindern ohne Sorge noch wegnehmen , und mithin war dann alles wieder aus . Alles ? Wahrhaftig nicht . Es blieb noch der heillose Spott und die frömmelnde Schadenfreude aller der Einfaltspinsel zu überstehen , die in den elenden Nestern ihrer Väter gewissenhaft am Hungertuche nagten und schon längst gerne sehen wollten , wie lang er es treiben könne , bis ihm endlich das Wasser in die Schuhe rinnen werde . Nicht überstanden und sicher kaum zum Überstehen war das Gejammer der alten Stigerin , die mit frommem Augenverdrehen jedes Abweichen von Gesetz und Ordnung zu verdammen pflegte . Ängstlich malte der Krämer sich die traurigen Folgen dieses verwünschten Zwischenfalles aus , alles Mögliche , ja noch viel Unmögliches fiel ihm ein , nur das nicht , daß Hansjörg ihn so gut als möglich aus der Geschichte zu wickeln bemüht sei . Wäre er nur sicher gewesen , daß die beiden jetzt noch nicht im Stadel herumschnüffelten , so würde er gleich hinabgegangen sein und wenigstens soviel als irgend möglich zu retten versucht haben . Vielleicht noch das meiste ! Ja , und dann wäre Hansjörg vergebens sein eigener Verräter geworden ! Es war zum Rasendwerden , ruhig hier sitzen zu sollen , während da drunten weiß Gott was geschehen oder versäumt werden konnte . Traurig blickte er über das Dorf , welches wie ein schwarzer Strich unter ihm sich hinzog , wenn das Schneegestöber einmal für eine Minute freie Aussicht ließ . Alles war dann ruhig und still , die meisten Häuser mußten des Unwetters wegen schon von allen Seiten geschlossen sein , denn nur hier und da sah man den Schimmer eines Lichtes . Jetzt saßen sie beim Nachtessen oder beim Abendrosenkranz still und behaglich , wie er es früher daheim hatte , da die Eltern noch lebten und alles im Frieden beisammen war . Welch ein unruhiges Leben hatte er durchlebt seit damals , wieviel sich versagt und wie oft gegen die eigene Überzeugung reden und handeln müssen , um schließlich hier zu stehen wie ein Ausgestoßener , während der Sturm jeden heimtrieb und auch des elendesten Nestes froh machte . - Regierte denn nicht Geld die Welt ? Oder fehlte ihm das ? Nein , er war einer der Wohlhabendsten - und sollte nicht mehr in sein Heimatsdorf , etwa zu seiner armen Angelika und ihrem holden Kinde gehen dürfen ? Jetzt gleich wollte er es zeigen , und mochte daraus entstehen , was wollte , er konnte schon zahlen . Nebenbei ließ sich dann wohl erhorchen , wie