Töchter , und noch immer keine Aussicht dazu ! Das ist verdrießlich und muß aufhören . Nicht umsonst hat es sich so fügen müssen , daß Du Herr auf Stamberg wurdest und so früh eine glänzende selbständige Stellung bekamst . Es ist augenscheinlich der Wille Gottes - um mit Regina zu sprechen ! - daß Du Dich als der Stammhalter der Windecker gerierst , und da das törichte Mädchen davon nichts wissen will , so wollen denn auch wir sie nicht weiter bitten und uns Corona erwählen . Was sagst Du dazu ? « Uriel war so tief in seine eigenen Gedanken versunken , daß er des Grafen Betrachtungen gar nicht gehört hatte . Jetzt weckte ihn dessen Frage und er rief : » Ja ! Corona ! « » Also Du willigst ein ? « fragte der Graf erfreut . » Bravissimo ! - Bei der Kleinen machen wir die Sache kürzer und vernünftniger . Sie wird weiter nicht gefragt , sondern ich kündige ihr an , sie sei Uriels glückliche Braut und in vier Wochen seine Frau ; - nicht wahr ? « Uriel rief lebhaft : » Meine Frau ? Corona ? .... lieber Onkel , ich muß Zeit haben und mich besinnen . Vorderhand kann von dem allen gar keine Rede sein ; aber sei fest überzeugt , daß ich alles tun werde , was Deinen Wünschen entspricht . - Bist Du mit den Zigarren zufrieden ? « » Mehr als mit Euch allen zusammen ! « murrte der Graf kopfschüttelnd . » Welche Nöten steht man doch mit seinen Kindern aus ! Wahrhaftig , ich sehe nicht ein , weshalb ich mit meinen miserablen Erfahrungen sie noch durch Enkel zu vervollständigen wünsche ! aber das ist die Verpflichtung , welche der alte Name und das Ansehen der Familie aufbürdet . Wäre man von gestern , ohne Ahnen und ohne Erbgut , so würde man kein besonderes Verlangen nach Enkeln haben . « - Es vergingen noch einige Tage recht angenehm , denn Regina war wieder ganz in ihrer unbefangenen Haltung und Uriel beherrschte sich meisterhaft . Nur als der Graf von der nahen Abreise sprach , zuckte ein gräßlicher Schmerz , wie ein Todesstich durch Uriels Herz , weil er wußte - Regina kommt nicht wieder her . Jetzt ist sie noch hier , noch einen Tag , noch ein paar Stunden , noch einige Augenblicke ; dann ist ' s aus und vorbei ! sie kommt nicht wieder . Am letzten Morgen , als sich alle zur Abreise rüsteten , ging Regina schon reisefertig auf den großen Balkon und blickte auf das wogende Nebelmeer , welches die Landschaft bedeckte , Himmel und Erde mit farblosem Grau verhüllte und einzelne kalte Tropfen , wie schwere Tränen , fallen ließ . Es war so recht ein trüber Herbstmorgen , dem zuweilen ein schöner Tag folgt . Ein Bild des Lebens ! dachte Regina ; wir wandeln in Wolken , so lange wir hienieden wandeln ; der ungetrübte Sonnenschein bricht erst mit der Ewigkeit an . - Uriel folgte ihr auf den Balkon . » Regina ! « sagte er und seine sonst so klingende Stimme sank durch die Übermacht der Herzensbewegung zu einem Flüstern herab ; - » wirst Du wiederkommen ? « Sie verneinte schweigend und ohne ihn anzusehen . » Besinne Dich wohl ! « fuhr er fort ; » dieser Augenblick entscheidet über Deine und meine Zukunft - und wer weiß über welches Schicksal ! Es liegt in Deiner Macht , das schönste , edelste Glück hier einzuführen , hier auf dieser Stätte heimisch zu machen - ein Glück , worauf Gottes Wohlgefallen und Segen ruht , ein Glück , das die Seelen adelt und die Herzen verklärt , ein Glück , woran sich eine Kette von Gnaden knüpft und das in weite und ferne Lebenskreise wohltätig hineinwirkt . Sieh Dich um , sieh Dir diese Stätte genau an , sieh mich an , sieh mir in ' s Herz hinein - - dann sprich ! und bedenk ' es wohl : was Du jetzt sagst , mußt Du verantworten in der Ewigkeit . « Regina blickte geradeaus und leise bewegten sich ihre Lippen , dann sah sie Uriel an und eine übernatürliche Zärtlichkeit verschmolz mit tiefer Trauer in ihrem unergründlich schönen Auge und sie sagte : » Solo Dios basta . « Es glitt ein solcher Schmerz über Uriels Züge , daß sie ihre gefalteten Hände lebhaft an die Brust drückte und ausrief : » O mein Gott ! wandle du diesen Schmerz in Gnade um , und diesen Dorn der Erde in himmlische Rosen . « Der Graf , die Baronin Isabelle , Corona und Hyazinth traten soeben alle reisefertig in den Salon und gingen auch auf den Balkon , und der Graf fragte Regina : » Du nimmst wohl Abschied von Stamberg ? « » Nein , lieber Vater , von Uriel , « sagte sie ruhig . Hyazinth ging rasch auf den todesbleichen Uriel zu , legte zärtlich den Arm auf dessen Schulter und sagte : » Auf Wiedersehen zu meiner Primiz , Uriel . « » Ja , auf Wiedersehen ! « entgegnete Uriel gedankenlos . Der Wagen fuhr vor - und fuhr dahin ! Uriel sah ihm nach , horchte ihm nach - und als er nichts mehr von ihm sah und hörte , war ihm zu Mut , als habe er die ganze Welt besessen - und verloren . Die Versuchung Der Winter mit seinen Freuden der Geselligkeit hatte den Grafen wieder nach Frankfurt geführt . Diesmal sollte auch Corona in der Welt erscheinen . Die schauerliche Katastrophe , durch die vor vier Jahren der Fasching unterbrochen wurde , war so ziemlich seinem Gedächtnis entschwunden : ein übergrastes Grab , wie es deren so zahllose und mannigfache hienieden gibt . Die Welt mit ihrem unverbesserlichen Leichtsinn und Heißhunger nach berauschenden und blendenden Genüssen und materiellem Wohlbehagen machte es genau , wie Graf Windeck , ließ sich