sich die feurige Jugendkraft gebrochen und in auswärtigen Händeln abgenutzt . Fast ist er fremd geworden im Reich , und es liegt ihm weniger am Herzen als das flandrische Erbe seiner Kinder . Nun hat er schon in die Politik des Vaters sich finden und fügen lernen , und Habsburgs Hausmacht ist auch seine Loosung . Ich fürchte , nun wird es zu spät , daß er die Hoffnungen rechtfertige , die man auf ihn setzen durfte . « Hieronymus stimmte bei , aber fügte doch hinzu : » So lang ' er wenigstens die Kunst beschützt und ein rechtes Mitglied der freien Maurer bleibt , dürfen wir noch nicht an ihm verzweifeln . Vielleicht , « lächelte er etwas hämisch , » hat auch die Scheurlin ihn wieder mehr für deutsche Art begeistert . « » Du scheinst jetzt immer mehr die Ansicht Deiner Mutter über die edle Frau zu theilen , « sagte Ulrich , » obwohl Du einst der Erste warst , der sie mir als die schönste und gelehrteste Nürnbergerin zeigte . Doch , da wir einmal auf Deine Mutter kommen - grüße sie von mir und sage ihr , wie ich ihr danke für alle Güte und Liebe , die sie mir erzeigt , so lange ich bei ihr wohnte , aber - « » Du denkst doch nicht mehr daran , von mir zu ziehen ? « sagte Hieronymus bestürzt , da inzwischen dieser Punkt gar nicht berührt worden war . » Die Judengeschichte hat sich indeß ja auch erledigt . « Ulrich hatte nämlich im Kloster die Begegnung mit Ezechiel ihm erzählt , der gekommen sei , den Ring wieder zu fordern , den er auf diese Weise los geworden , ohne darum Rachel oder Elisabeth mit in diese Erzählung zu verflechten , wie er auch Hieronymus nichts von Amadeus und seinen Beziehungen zu ihm vertraut . Hieronymus hatte nur etwas eifersüchtig gesehen , daß Ulrich und Konrad in einem vertraulichen Verkehr zusammen gekommen waren , aber er hatte keine Ahnung von der Grundlage desselben und auch weiter kein Interesse danach zu forschen . Seit aber Ulrich bei ihm auf hartnäckig bewahrte Vorurtheile gestoßen war , wollte er ihn um keinen Preis zum Vertrauten des Geheimnisses seiner Geburt machen , noch überhaupt dieses dadurch , daß er es noch einem Menschen mehr wissen ließ , um so eher dem Verrath eines Zufalls , wenn nicht einer Absicht aussetzen . Aber beides war auch um so eher möglich , wenn er mit Hieronymus und seiner Mutter wohnen blieb - einmal sträubte sich sein Stolz dagegen , dann die Furcht vor Entdeckung und vor allem der Vorsatz , in die Gefahren und die Beschimpfungen , die ihm drohen konnten , auf keinen Fall seinen vertrautesten Freund mit zu verwickeln . Er blieb daher jetzt fest bei seiner Erklärung , sich eine Wohnung für sich allein zu suchen , wie sehr auch Hieronymus in ihn drang bei ihm zu bleiben . Er mußte sich endlich darein ergeben und mit Ulrich ' s Versicherung begnügen : daß diese äußere Trennung ja keine innere sei , daß sie auch außer der Bauhütte sich täglich sehen und ihre Sonntage und Freistunden nach wie vor zusammen zubringen würden . - In jener Nacht , wo Ulrich Amadeus aus seiner Gruft befreit und dann dieselbe wieder zugemauert hatte , war er dabei bis zu Konrad ' s Rückkehr aus dem unterirdischen Gange beschäftigt gewesen . Dieser meldete ihm dann , daß er Amadeus glücklich bis in die Kapelle gebracht , hinter deren Altar die Fallthür sich öffnete . Dort aber hatte er nicht bleiben dürfen , weil so schon die äußerste Gefahr war , daß ein rückkehrender Mönch da ihn fände . Er hatte ihn heißen in den Wald fliehen und dann weiter in der Flucht sein Heil versuchen , so erschöpft und elend er auch war . Die andern Sachen schützten ihn wenigstens von Weitem vor Entdeckung ; Lebensmittel auf ein paar Tage hatte er mit bekommen - weiter etwas für ihn zu thun , lag für seine Retter außerhalb der Grenzen der Möglichkeit . Im Kloster verlautete nichts über ihn . Ein paar Tage später sagte Konrad , man spreche davon , daß Amadeus in seinem Kerker verschieden , und habe das Loch , darin er sich befunden , einfach zugemauert . Die Baubrüder hatten nach Vollendung ihres Werkes ihren ausbedungenen Lohn bekommen , und Ulrich erhielt von dem Abt einen Brief zur Uebergabe an den Propst Kreß . Er hätte auch fragen mögen , wie bei jenem Brief , welchen der Propst ihm mit in das Kloster gab : » Ist ' s ein Uriasbrief ? « - aber er widerstand der Versuchung , das Wachssiegel , das sich ohne sichtbare Beschädigung hätte lösen und wieder befestigen lassen , zu heben und einen Blick in die Schrift zu thun . Wie verhängnißvoll sie auch sein mochte - er beeilte sich , sie abzugeben gleich am Tage seiner Ankunft . Der Propst ward bleich vor Schrecken , da er das gelesen , und warf verzweiflungsvolle Blicke tiefsten Mitleids auf Ulrich . Der Abt meldete ihm , daß es ihm leid thue , den einst von dem Propst in ' s Kloster als frühern Freund aufgefundenen Amadeus , der sein Schützling geblieben sei , nicht vor einer verdienten Strafe schützen zu können . Er sei verdächtigt worden , das Tabernakel zertrümmert zu haben - der Abt habe die Sache unterdrücken wollen , da jedoch die fremden Baubrüder , besonders Ulrich von Straßburg , auf strenge Untersuchung gedrungen , sei die Sache durch Amadeus eigenes Geständniß offenkundig geworden , und er habe ihn verurtheilen müssen , als wahnsinnig eingemauert zu werden ; seit ein paar Tagen sei er todt . Der Propst gab Ulrich den Brief zum Lesen und sagte : » Gestehe mir Alles . « Ulrich kniete nieder und neigte demüthig sein Haupt . » Ihr werdet mich eines Verbrechens zeihen , « sagte er , » und mich