, sie habe sich über ihren Mann zu beklagen , so fragt sich ' s oft , ob nicht sie den ersten Anlaß gegeben hat . Die Hoffart , sagt das Sprichwort , muß etwas leiden . Man mag von ihm sagen , was man will , er hat etwas , das ihn von vielen anderen großen Herren unterscheidet : er neigt sich zur Landesart , hat etwas Populäres in seinen Manieren und schämt sich nicht , mit dem Untertan auf einer espèce von gleichem Fuß zu stehen . Gerade das geht aber ihr völlig ab , sie hält es für gemein und wird sich nie dareinfinden . Da ist ' s nun kein Wunder : wenn sich die Köpfe nicht ineinander fügen , so bleibt auch zwischen den Herzen eine Kluft . Dann hat sie an ihrem Bayreuther Hof sich an den hohen Ton , den feinen Gout , an Oper und Ballett gewöhnt , und er hat , ihrem Geschmack zulieb , Hofdamen , Sänger und Sängerinnen aus Italien , Tänzer und Tänzerinnen aus Paris , alles hat er ihr angeschafft . Nun haben wir die Bescherung . Die Damen und Demoisellen sind hübsch , sie ist vornehm , er leutselig und nicht von Stein - da hat man leicht prophezeien können , wie es kommen wird . « » Jetzt seh ich erst « , sagte die Sonnenwirtin listig lächelnd , » welch ein groß Zutrauen die Frau Amtmännin zu ihrem Herrn haben muß , denn die Kathrine wär doch kein ganz übler Bissen . « Die Amtmännin lachte aus vollem Halse . » Ich bin nicht eifersüchtig « , rief sie . » Mein Mann ist ein großer Jäger vor dem Herrn , ein Nimrod , der hat ein Herz von Marmor und geht lieber auf was Wildes als auf was Zahmes aus . « Dem Amtmann kam die Wendung des Gespräches gleichfalls höchst spaßhaft vor , und unter lautem Gelächter wurde die Sonnenwirtin entlassen . Am Sonntagmorgen berief der Amtmann , innerlich vergnügt über diese gute Gelegenheit , die Predigt seines geistlichen Mitbeamten zu schwänzen , seine beiden Skabinen oder Gerichtsbeisitzer , welche als amtliche Zeugen bei dem Untersuchungsverfahren , das sie bewachen sollten , aber häufiger beschliefen , den faulsten Überrest der alten Volksgerichtsbarkeit bildeten . Er befahl dem Schützen , den er als Diener der Gemeindebehörde benutzte , den Gefangenen vorzuführen . Der Schütz fand denselben auf einer Bank ruhig schlafend und mußte ihn mit einigen Stößen wecken . - » Er hat , scheint ' s , alles vergessen , was gestern vorkommen ist « , brummte er ihn an . - » Nein « , sagte Friedrich , die Augen ausreibend , » es fällt mir alles wieder ein , auch daß Ihr mich losgebunden habt und ich Euch mein Wort gegeben hab , über Nacht nicht durchzugehen . « - » Sein Wort hat Er gehalten , das muß ich Ihm lassen « , versetzte der Schütz , » jetzt muß ich Ihn aber wieder handfest machen , damit ' s der Herr nicht merkt , daß Er über Nacht frei gewesen ist , sonst bin ich um den Dienst . « - Friedrich streckte gutwillig die Hände hin , und der Schütz legte ihm Fesseln an , worauf er ihn nach dem Amtszimmer führte . » Er ist von dar ganzen Burgerschaft wie auch von Seiner eigenen Familie wegen gemeingefährlicher Aufführung , dann auch wegen mörderischen Attentats gegen einen Seiner Nebenmenschen und wegen Diebstahls an Seinem leiblichen Vater angeklagt und hat sich allhier zu verantworten « , begann der Amtmann , nachdem er den Eingang des Protokolls geschrieben hatte . Friedrich blickte auf seine Ketten und schwieg . Der Amtmann , der ihn eine Weile aufmerksam betrachtet hatte , hielt ihm in Kürze die Hauptpunkte der Anklage vor und fragte : » Was hat Er hierauf zu erwidern ? « Der Gefangene verharrte in seinem störrischen Schweigen . » Muß ich Ihn durch Prügel zum Geständnis bringen ? « fuhr der Amtmann auf . Ein Zucken lief über den Körper des Gefangenen , so daß seine Kette klirrte , aber er tat den Mund nicht auf . » Dich sollt man im Mörser zerstoßen ! « rief Friedrichs unvermeidlicher Vormund , der neben einem kleinen Spezereigeschäft allerlei mehr oder minder einträgliche Ämtchen bei der Gemeinde und darunter auch das eines Gerichtsbeisitzers versah . Friedrich blickte ihn verächtlich an . » Laß Er mich nur machen « , sagte der Amtmann verweisend zu der eifrigen Urkundsperson . Dann hielt er eine eindringliche Rede an den Gefangenen . Er fragte ihn , wie er es vor seinem Vater , vor seiner Mutter , die sich im Grab umkehren müsse , vor seiner ehrbaren Verwandtschaft , ja vor ihm selbst , dem Nachfolger seines Paten , verantworten könne , so viel Unruhe über die Gemeinde zu bringen und noch obendrein dem Gerichte durch seine Halsstarrigkeit zu schaffen zu machen . » Und was soll ich Seiner hochfürstlichen Durchlaucht antworten « , fuhr er fort , » wenn Hochselbige sich herabläßt , sich nach dem jungen Menschen zu erkundigen , der vor den höchsten Augen eine unleugbare Bravour bewiesen hat ? Wenn die Antwort lautet , er habe Verbrechen auf Verbrechen gehäuft , endlich sogar seinem Richter die schuldige Ehrerbietung verweigert und durch bösartigen Trotz sich selbst noch tiefer in Schaden gestürzt , muß dann nicht der Herr , der sonsten das Verdienst zu belohnen geneigt ist , sich beeilen , einen solchen Namen wieder aus dem fürstlichen Gedächtnis auszulöschen ? « » Ich hab kein ' Lohn begehrt « , erwiderte der Gefangene trotzig . Es waren die ersten Worte , die er sprach . » Nun , so vergrößere Er wenigstens Seine Strafe nicht « , sagte der Amtmann , der das Eis gebrochen sah und rasch auf der gewonnenen Bahn fortfuhr . » Er hat es in der Hand , vielleicht schwerere Bezichte von sich abzuwälzen . Mir geschieht es