den Morgentrank und wenn die Königin des Tages hinter die Berge sinke , sollte den Dichter einlullen die Harmonie ihrer Silberstimmen . Dies Glas leere er auf Berlins schönere Hälfte . « Unter dem Gläserklang der Herren , unter den Verzückungen der Damen war Adelheid aufgestanden . Den Wink der Geheimräthin hatte sie nicht bemerkt . Ihre Augen gegen den Plafond gerichtet , tönte ihre metallreiche Stimme durch den Saal : » Aber die Sterne oben sind nicht stumm , sie tönen , im Festsaal des Ewigen kreisend , die Sphärensprache der Harmonie , und der Geweihte versteht sie . Der blasse Geweihte , der am Schmerzenslager überwindet , der Geweihte , dessen Stirn die Freude des Sieges röthet , und er der Geweihte , der der Aeolsharfe ihre Klagetöne abgelauscht , den Vögeln ihren Gesang , er , der die summenden Stimmen der Völker versteht , Phöbus geweihter Priester hört den Gesang der Sterne - « » Mamsell , der Salat ! « flüsterte Johanns zitternde Stimme , aber er getraute sich nicht mehr den Napf zu tragen . Die Geheimräthin war beim Anfang der Tafel wieder umgestimmt worden , denn die Stimmung der Gesellschaft war entschieden für den Dichter , und die Lupinus theilte nicht die Besorgniß des Generals . Im Gegentheil schien ihr eine derartige Manifestation jetzt ein Ehrenpunkt . Aber Jean Paul hatte ihr bei der Tafel gar keine Aufmerksamkeit erwiesen . Er schwärmte in eigenen Gefühlen , seine Komplimente waren nur an ihre Tochter gerichtet . Sie wollte es ihn empfinden lassen , und ihre Lippen hatten sich zu einigen spitzen Worten gespitzt , die mit dem Stichwort schließen sollten , auf welches Adelheid einzufallen hätte , als diese unerwartet , gegen die Verabredung , von einem Impuls sich hinreißen ließ . Unglücklich fügte sich auch hier alles , der kranke Johann stotterte zur Linken die Worte , während einer der sogenannten » Ausgestopften « , das heißt der gemietheten Lakaien , ihr zur Rechten den Salatnapf überreichte . Es war derselbe Lakai , dessen funkelnde Augen sie vorhin erschreckt . Adelheid ergriff in ihrer Extase den Napf und statt ihn niederzustellen , hob sie ihn wie eine Opfervase empor - » und er der geweihte Priester hebt die Schale den Göttern entgegen « fuhr sie in der Rolle fort , entnommen aus irgend einer Dithyrambe der Jean Paul ' schen Poesie , die wir wieder vergessen haben , vielleicht auch aus denen , die von der Geheimräthin zu diesem Zweck komponirt waren , als der » Ausgestopfte « ihr etwas zuflüsterte . Die Worte hörte man nicht , aber die Gesellschaft konnte nicht anders denken , als daß der Sinn von dem , was der Lohnlakai sprach , nichts anderes sei , als was der kranke Bediente ziemlich vernehmlich zur selben Zeit sprach : » Auf den Tisch , Mamsell , ' s ist ja der Salatnapf ! « Adelheids Stimme stockte plötzlich . Als sie nach der Seite blickte , stieß sie einen Schrei aus . Darüber entfiel ihr der Napf . Viele Arme wollten helfen . Ein Armleuchter war umgestoßen . Die Kerzen fielen auf das Tischtuch ; eine streifte an den Fruchtkorb , der mit künstlichen Papierblättern ausstaffirt war . Das Papier brannte , das Tischtuch brannte . Man schlug ungeschickt zu . Man riß am Tischtuch und noch ein Leuchter fiel . Es flammte und floß , man schrie : Hülfe ! Feuer ! Die Stühle schlugen um , die Damen in den leichten , feuerfangenden Kleidern schrien am lautesten und stürzten fort , Herren und Bediente rissen am Tischtuch . Es brannte schon lichterloh , die Kerzen vom Kronleuchter träuften , als einige entschlossene Arme die Tischtuchenden über die gesamme Verwüstung zusammenschlugen . Der Brand war so erstickt , aber auch das Porzellan , Glaswerk , Torten und alles was zerbrechlich war , in dem Chaos zusammengeschüttet und vernichtet . So konnte man vermuthen , daß es hergegangen , denn der Brand war gelöscht , ehe die Nachtwächter Berlin in Alarm versetzten . Im Uebrigen wusste Niemand später über den Hergang klare Auskunft zu geben . Es lag auch in Mancher Interesse , es im Dunkeln zu belassen . Die Entschlossensten hatten schnell ihre Damen fortgerissen , um den Abschied unbekümmert , nur Garderobe und Straße galt es zu erreichen . Wenn sie dein Feuerschaden auswichen , entgingen einige Damen dem des andern Elements nicht . Die Wassereimer , mit denen die Diener ihnen entgegenstürzten , verdarben manche Toilette . Das Gedränge kam einer Verstopfung nahe . Man sprach von Ohnmachten . Die ohnmächtig Gesagten leugneten es . Am Boden gelegen wollte Niemand haben , nur vielleicht auf einem Stuhl . Viele ließen es sich nicht nehmen , daß die Wirthin wirklich im Gedränge ohnmächtig geworden . Nach ihren eigenen Aeußerungen später konnte man es glauben ; sie sprach von einem Schleier , der über sie gekommen , eine wohlthätige Macht hätte die Schreckensscene vor ihr verhüllt . Es wäre allerdings eine doppelte Schreckensscene für sie gewesen , wenn sie alle Urtheile wirklich hätte hören müssen , welche in der Aufregung über sie und ihr Fest laut wurden . Der Lärm hatte auch den Geheimrath aus seiner Studirstube gelockt . Als er im Schlafrock und Pantoffeln in die Vorzimmer drang , war die Gesellschaft schon entflohen . Nur ein branstiger Qualm drang noch durch die Thüren , Wasserrinnen ergossen sich über die Dielen , und Wirrwarr , Gedränge und Getreibe überall . Aus der Thür des Speisesaals trug ein Lakai Adelheid und legte die Ohnmächtige auf ein Sopha . Brust und Schultern waren in ein nasses Tuch eingeschlagen . Ihr Musselinkleid war von den Flammen ergriffen worden . Sie hätte mit einem Druck der Hand die Flamme löschen können , aber sie hatte wie eine Bildsäule dagestanden , regungslos . Der Bediente Johann hatte eine Serviette ergriffen , aber seine Hände zitterten , die Serviette gerieth selbst in Brand . Da hatte einer der fremden Lakaien ihn fortgestoßen ,