Lyon ein Handwerker , kehrte nicht nach Genf zurück , lebte in und mit dem Volke und liebte seine Leiden und seine Freuden . Was mich dahin führte , welcher Irrthum vielleicht oder welche Täuschung oder welche richtige , höhere Bestimmung ... wie ich veranlaßt wurde , die Blouse , die ich auch nur des Staubes wegen in Genf angezogen hatte , in Lyon nicht wieder abzulegen , Das , mein Freund , erzähl ' ich Ihnen ... Egon stockte . Dankmar schien schon jetzt um Mittheilung zu drängen . Nein , sagte Egon , den Ausdruck in Dankmar ' s Mienen wohl verstehend , Das erzähl ' ich Ihnen , wenn Sie einmal Abends in der Residenz auf meinen Polstern und Divans sitzen werden und Ihnen unter dem Schimmer eines kostbaren Kronenleuchters , den mein Vater in ein liebliches Gewächshaus hat hängen lassen , wo hundert Spiegel die Blumen und Flammen widerstrahlen , eine Thräne auffallen wird , die sich mit dem Glockenschlage Elf - in mein - umflortes Auge schleicht . Egon schlug sanft die Arme unter den schönen männlichen Kopf und streckte sich auf das harte Holz , auf dem er saß , fast der Länge nach .... Die Erzählung hatte ihn erschöpft , schon in Dem , was er sagte , und schien ihn noch mehr zu erschüttern in Dem , was er verschwieg . Dankmar wollte , um den schmerzlichen Eindruck zu verwischen und sich selbst von einer ihn drückenden wehmüthigen Stimmung zu befreien , das Wort ergreifen , als sie Schloß und Riegel rasseln hörten . Pfannenstiel , der Wächter des Thurms , brachte ihnen das Essen aus der Krone und mochte bei sich denken , daß ein offenbarer , überwiesener Spitzbube - denn als solchen hatte ihn noch immer mehr draußen der Thatbestand festgestellt - wol noch nie hier so gut und behaglich gespeist hätte . Dem jungen Fürsten waren der Speisen fast zu viel . Er aß nur einige Löffel von der Suppe , Dankmar gestand von sich einen lebendigern Appetit ein , worüber Pfannenstiel , der auf die Überbleibsel rechnete , wol nur wenig Freude empfand . Dennoch schien er dem ganzen und dem halben Gefangenen nicht gerade abgeneigt und ließ sich auf mancherlei Plaudereien über das Schloß , seine ehemaligen und auch gegenwärtigen Bewohner ein . Es wurde dabei nur das uns Bekannte wiederholt und bestätigt . Neues aber lag in folgender Bemerkung : Das Glück ist ungleich vertheilt , sagte Pfannenstiel . Das ist schon so und man muß es sich vom lieben Gott gefallen lassen . Aber schlimm ist ' s , wenn der Hochmuth die Menschen noch weiter auseinanderbringt , als es das Gold schon thut . Ich habe da oben auch auf dem Schloß eine Schwägerin . Die ist reich geworden , weil mein Bruder , der des Fürsten Wirthschaftsinspektor war , zu seinem Vortheil rechnen konnte . O liebe Zeit , sie ist eine simple Wirthstochter hier aus der Gegend und hat eine Zeitlang nicht gewußt , soll sie meinen Bruder nehmen oder den Jäger Heunisch dazumal oder mich , der ich Schreiber war im Amt und den Amtsdienerposten nehmen mußte , weil ich mir beim großen Brand auf dem Gelben Hirsch hier da den Daumen verbrannte ... und nun stolzirt sie wie ein kalekutischer Hahn und weiß nicht , ob sie ihren armen Schwager noch kennen und grüßen soll . Eine Gans war sie schon immer . Ich glaube nicht , daß sie jetzt schon ihren Namen schreiben kann .... Die beiden Freunde erinnerten sich der Erzählung des Försters im Gelben Hirsch . Der junge Fürst wußte aber von diesen Dingen noch mehr , als er auf dem Gelben Hirsch verrathen hatte . War Das bei dem Brande , sagte er , wo das junge Mädchen verunglückte , die Schwester des jetzigen Wirths Drossel ? Vor funfzehn Jahren , ja ! sagte der Wächter verwundert ; die Tochter auf dem Gelben Hirsch , die Braut vom Jäger Heunisch ... Ei , woher weiß Er ... wissen Sie ... woher weiß Er .... Als Egon kopfschüttelnd über seine Lage , die einen solchen Mann zweifelhaft machte , wie er ihn anreden sollte , schwieg , sagte Dankmar seinen Appetit unterbrechend : Mein Freund ist aus hiesiger Gegend . Das sehen Sie doch nun wol , daß Ihr hier keinen Verbrecher vor Euch habt , sondern einen gebildeten jungen Mann , der sich das Schloß und allenfalls auch die Bilder näher besehen hat , weil sie ihm gefielen . Das wird wol auch herauskommen , ja ! ja ! entgegnete Pfannenstiel , den Essenden zusehend . Die Bedienten des Herrn von Harder sind gerade so grob , wie ihr Herr stolz ist . Den alten Gärtner Winkler hat einer so umgerannt , daß er auf den Tod liegt und als die alte Brigitte darüber klagen wollte - sie weiß warum Einer sein Mundwerk hat - drohte man ihr , sie solle sich vor Schlimmerem in Acht nehmen . Solche Bengel ! Ordnung ist oben keine mehr . Die Weiber tanzen und musiciren . Der alte Schleicher , der Bartusch , kriecht herum wie ' s böse Gewissen und möchte mir die Knöpfe von der Livree abschneiden , weil er denkt , es ist noch Silber darin ; so geizig und gierig sind die Menschen , in deren Rachen hinein uns der alte Fürst in Gnaden verkauft und verjubelt hat . Dankmar fürchtete , diese Mittheilungen würden eine Wendung nehmen , die Egon ' s Wunden aufrisse und beschleunigte die Befriedigung seines Appetits , um nur den geschwätzigen Büttel loszuwerden . Egon aber schien an dessen Mittheilungen Gefallen zu finden und sagte , ohne seine Theilnahme verbergen zu können : Also die alte Brigitte lebt noch und der alte Winkler ! Kennen Sie denn Die ? fragte Pfannenstiel erstaunt . Freilich , wer hat Die hier in der Gegend nicht gekannt ! Sie sind wol aus - ? Aus Schönau ! sagte der Fürst . Aus Schönau