gewesen wären ! Nun , wir dachten die deutschen Bücher sind ja immer so ziemlich unschädlich gemacht - wir fürchten diese guten Deutschen nicht , die theils aus Schwärmerei , theils aus Speculation der Buchhändler so viel abscheuliche Bücher zur Welt bringen ! Wir ließen sie schreiben und phantasieren . Aber wer hätte das diesem Büchervolke zugetraut ? Die Franzosen hatten nur ein Buch gegen uns gehabt - die Deutschen hatten diesmal gar eine That . Es war entsetzlich - an allen Ecken und Enden brannte es plötzlich lichterloh . - - Das wenigstens weißt Du - die Kunde von diesem plötzlichen Unheil ist auch bis in Deine glückliche Abgeschiedenheit gedrungen , wiewohl das schöne Land , in dem Du lebst , von ihren traurigen Folgen unberührt geblieben ist . Ich wiederhole Dir nicht erst das allgemein Bekannte . Wär ' es ein Ketzer gewesen , der sich so gegen uns empört hätte ! Man ist ihr Zetergeschrei schon gewohnt , es macht keinen Eindruck auf das Herz der heiligen Mutterkirche ! Aber es war ein Priester unsers Glaubens , ein Priester von Rom geweiht , ein Kind und Diener unsrer Kirche , der das Herz der Mutter und Herrin mit dem weitreichenden Speer seines Wortes traf . Das war ' s. Das Kind entlief der Amme und sagte , es sei mündig . Wie dies Alles geschah , sahen wir nur eine Aussicht , die uns reizte und lockte - es gab Gährung in den Gemüthern - der Bruder fing schon an wider den Bruder zu murren - das Volk blickte mit ängstlicher Spannung zu seinen Fürsten . - Das war das Einzige , was wir bei all ' dem , was geschehen war , mit Jubel sahen . Vielleicht - riefen wir - vielleicht kann das zu Etwas führen . Bürgerkrieg ! Religionskrieg ! Worte , vor denen die andern Menschen schaudern - unsern Ohren haben sie immer wie Musik geklungen ! Ja , das war immer unser Element ; wenn es jetzt über die Lande hereinbräche , so würden wir uns dabei wohl befinden und bei der allgemeinen Verwirrung wieder im Trüben fischen können - vielleicht in blutiger Weise beides : Seelen und Geld . Die Hauptsache ist , auf alle Dinge gefaßt zu sein . Betrachtet man die Gegenwart mit klarem , ruhigem Blick , so kann man sich eigentlich keine Aussicht auf einen Bürgerkrieg und Religionskrieg machen - die Civilisation und die Begriffe der Menschenwürde sind dazu zu weit vorgeschritten . Man liebt den Frieden . Man glaubt an die friedliche Entwicklung aller Dinge . Auch sogar diejenigen Regierungen , welche dem Zeitgeist nur die allergeringsten Concessionen machen , suchen wenigstens immer den Schein zu bewahren , als wären sie dem Fortschritt hold - und überall geht es so , wenn auch ziemlich unmerklich , gleich dem Wachsthum der Eiche allmählich vorwärts . An diese friedliche Erfüllung ihrer Wünsche , einer Entfaltung segensreicher Zustände gleichsam von innen heraus glauben die meisten politischen Parteien in Deutschland - und von ihrem Standpunkt aus die Sache besehen , muß man es mit glauben - und so sind , wie gesagt , gar keine Aussichten zu blutigen Kriegesscenen im deutschen Lande , wie man sie früher erlebt hat . So scheint für uns denn die Zeit gekommen , wo wir auch in unsrer Macht uns bedroht sehen , wo diese zu wanken scheint , wie die ganze alte Zeit selbst , auf welche wir sie gründen . So müssen wir uns denn neue Stützen suchen für unsre Macht , da die alten morsch werden und zu zerfallen drohen , trotz all ' unsrer Bemühungen ihnen eine ewige Dauer zu sichern . Wir wollen zusehen , wie weit wir mit unserm alten Systeme noch kommen - mit dem Systeme , wonach wir durch Krummstäbe , Kronen , Thronen und Scepter die Welt regierten . Aber daneben wollen wir noch ein neues System verfolgen , das wir sofort in Bereitschaft haben , wenn das alte uns keine guten Dienste mehr thun will . Diesem Systeme gemäß wollen wir es mit dem Volke halten . Jenes alte System gründet sich auf die alte Zeit - unser neues System wird sich auf die neue Zeit gründen . Wenn dann der Tag käme , wo die Freunde des Fortschrittes und Lichtes in Deutschland meinten , gesiegt zu haben , und nun jubelnd die alte Zeit zu Grabe trügen , so würden wir doch der allgemeinen Vernichtung entgangen sein - wir würden unerkannt der Siegesfahne der neuen Zeit folgen - wir würden unerkannt hinter dem Sarge der alten Zeit hergehen - und nicht etwa als Leidtragende , sondern als lachende Erben . Und wenn man uns jetzt vertreiben will als Wölfe , so werden wir uns dennoch wieder einschleichen wie Lämmer und verjüngt wiederkommen wie Adler . Es war von jeher eine unsrer bewährtesten Ordensregeln : divide et impera . Halten wir daran fest . Es könnte doch sein , daß die neue Zeit , von welcher jetzt die Radicalen nur so viel in fieberhafter Aufregung träumen und schwärmen , einst doch vielleicht von diesen Radicalen heraufgeführt und zur Wirklichkeit werden könnte . Nun denn , wohlan ! Wir wollen gemeinschaftliche Sache mit diesen Radicalen machen ! Ich sehe meine Brüder erschrocken zurückfahren . - Gemeinschaftliche Sache mit dieser Partei , welche mit ihrer verwegnen Leuchte all ' unser Thun der Welt gezeigt hat , durch deren Bestrebungen es so hell geworden ist , daß wir - wenn dieses Licht noch heller und strahlender brennt , kaum noch einen dunklen Schlupfwinkel finden werden , in den wir uns verkriechen können und aus dem wir uns doch niemals wieder werden heraus wagen dürfen , um in unserm eignen Interesse zu wirken ? Ihr Kurzsichtigen , ihr Kleinmüthigen ! . Wißt Ihr denn nicht , daß man aus einer Leuchte eine Brandfackel machen kann , die mit rother , unheimlicher Gluth Alles niederbrennt und verwüstet ? Und solche zerstörende Gluth , wobei es viel schwarzen Rauch ,