eine Güte , daß es ihn entzückte , als er das Wort Beschützerin hörte . Er wagte aufzublicken , um sie den vollen Ausdruck von Begeisterung sehen zu lassen , von dem er sein Gesicht strahlen fühlte . Sie wendete sich mit einem huldvollen Lächeln von ihm , Andere zu begrüßen , und jetzt erst erblickte er Mademoiselle de Lesdiguères , die hinter dem Stuhle der Königin , wie eine schöne Statue von cararischem Marmor , aufgerichtet stand und ihr Leben nur durch die Blicke ihrer großen , glänzenden Augen verrieth , die jede Erscheinung mit scharfer Wägung aufzufassen schienen . Auch ihn trafen sie - und eine augenblickliche Unruhe , die ihre schönen Augenlieder schneller sinken und steigen ließ , zeigte , daß sie ihn nicht ohne Beziehung wiedersah . In ihrer Nähe stand Fenelon , und als sich Leonin zurückzog , gewahrte er , wie Jener , auf ihn blickend , ihr einige Worte sagte , die sie , ohne Miene oder Stellung zu verändern , erwiederte , worauf Fenelon zurück trat . Als Leonin schon anfing von der Dauer der Vorstellungen zu ermüden , da Alle ihre Plätze in steifer Haltung behaupten mußten , und ihn eine übellaunige Neigung befiel , dies Alles unnatürlich und übertrieben zu finden , ward er plötzlich durch die schöne , ruhige Stimme Fenelon ' s unterbrochen , der , an seine Seite gelangt , ihn begrüßte . » Sie sehen den Hof unserer guten Königin heute zuerst ? « fuhr er fort ; » wenn ich nicht irre , genießen Sie den Vorzug , ohne Ceremonien aufgenommen worden zu sein . « » Seine Majestät wollte dadurch meinen Vater ehren , « erwiederte Leonin - » ich höre , man hält dies für einen Vorzug . Man muß erst etwas älter bei Hofe werden , um für diese Feinheiten die rechte Würdigung zu lernen . - Es schien mir das Einfachste , daß meinem Vater das Recht zustehe , mich zu beglaubigen . « » So scheint es allerdings , « lächelte Fenelon . » Es entwickeln sich leicht kleine Unnatürlichkeiten in einem Verhältnisse , welches uns lehrt , unsere Gefühle in eine Schranke zu verweisen , die sie kaum merklich hervortreten läßt ; aber ich denke , die Selbstbeherrschung , die nothwendig dadurch bedingt wird , muß sich zuweilen höchst heilsam bezeigen . Ich sehe hier so Manchen , dessen früheres Leben und Treiben wohl wenig von Mäßigung irgend einer Neigung wußte , jetzt um den Preis , seine Vorrechte am Hofe behaupten zu dürfen , die ungewohnte Mühe übernehmen , sich einen kurzen Gehorsam gegen fremden Willen aufzuerlegen . Ein Solcher , « fuhr er lächelnd fort , » bekommt doch eine kleine Ahnung von der allernöthigsten Tugend - der Selbstbeherrschung . « » Doch Sie , « sagte Leonin , » der Sie eine so einfache und großartige Idee vom Leben erfaßt haben , der Sie eilen , in der schwersten Berufsthätigkeit Ihrer Entwickelung als Mensch und Geistlicher zu leben - welche edle Verachtung muß Sie , diesen Zeit tödtenden Ceremonien gegenüber , befallen - wie begreife ich in diesen Sälen Ihren Entschluß , sie zu verlassen ! « » Machen Ihnen die Dinge vor uns diesen Eindruck ? « erwiederte der junge Geistliche , mit einem leisen Anfluge von Erstaunen . - » Ich erwartete das nicht , « setzte er nachdenkend hinzu , » und kann diese Empfindung nicht theilen . Mir scheint , Alles erhält dadurch seinen Werth , daß es die Absicht erreicht , die ihm zum Grunde liegt . Indem dies glänzende Schauspiel vor uns in Wahrheit die Würde und den Glanz eines so wichtigen und erhabenen Standpunktes , wie ihn der Thron in der menschlichen Gesellschaft einnimmt , ausdrückt - in so fern es selbst die Geister der Menschen in eine Form fügt , die diese Wirkung bestätigen hilft , scheint es mir eine erfüllte Idee , die der Würde nicht entbehrt . « » Aber , « sagte Leonin , » können Sie deshalb es von sich abhalten , mit Bedauern sich als Individuum in eine solche Wirkung der Massen verflochten zu sehen - ohne Möglichkeit , Ihren unbeschäftigten Geist vor Ermüdung zu schützen und , durch Ihre Erziehung von der Bezähmung roher Neigungen abgelöst , die Anderen noch eine geistige Beschäftigung zu gewähren vermag , zu einer wahren Maschine herab zu sinken ? « » Ich empfinde diese Ermüdung nicht « , erwiederte Fenelon ruhig ; » ich finde hier Genuß und bin weder gelangweilt , noch unzufrieden . Diese schören , glänzend erleuchteten Räume , deren Ausstattung an alle die großen künstlerischen und industriellen Fortschritte meines Vaterlandes erinnert , erheitern mein Herz und beschäftigen meinen Verstand . Ich kehre dann immer mit doppelter Liebe zu dem Anblick unseres großen Königs zurück , dessen Geist und edles Bedürfniß diese Dinge ins Leben rief ; und sehe ich diesen schönen und noch so jungen Monarchen dann in der Mitte der Repräsentanten alter , berühmter Namen und kann auf Aller Gesicht in der verschiedensten Art die Verehrung lesen , die die Herrschaft eines großen Geistes auf die Gemüther ausübt - so freue ich mich der hohen Befähigung der menschlichen Natur und fühle mich selbst zu größerer Thätigkeit angeregt . « » O , Fenelon , « rief Leonin , » wie schäme ich mich meiner schülerhaften übeln Laune , mit der ich mir den rechten Anblick der Dinge selbst verweigerte . Sie haben wieder Recht ! Es ist mir , als sähe ich jetzt erst den Hof glänzend vor mir auftauchen - alle diese Kerzen haben Sie erst angezündet ! O , wenn Sie so vom Hofe denken , warum verlassen Sie ihn ? « » Aus denselben Gründen , « erwiederte Fenelon , » aus denen ich ihn bewundere . Ich will auf meinem Platze auch Etwas sein und werden , und dazu taugt nicht Jedem derselbe Boden . Wenn mich der König in der vollen Erfüllung seines Berufes , bis