trug , und seine Zärtlichkeit , seine Sorgfalt für sie , trug den Karakter der Hingebung , womit wir den lieben , den wir von einem harten Schicksal bedroht wissen . Ganz im Gegentheil von ihrer Schwester war der Lord hier einzig bemüht , die vorlaute Gewalt ihres Herzens zu mäßigen und ihren Verstand vor einer Unterdrückung zu behüten , zu der die Gelegenheit sich stets geschäftig zeigte . Er betrieb selbst ihren Unterricht ; nur aus seinen Händen empfing sie ihre Lektüre , ihre Noten , ihre Vorbilder zum Zeichnen . Ihre Zeiteintheilung , Arbeit und Belustigung , Alles war von ihm angeordnet , und er liebte dies endlich in ihm nur lebende Wesen mit einer Innigkeit , von welcher der eigene Vater keine Ahnung in sich fühlte . Jetzt war Ollonie fünfzehn Jahr , in großer Schönheit erblüht , und wenn auch stets noch phantastisch und überwallend , und einer gleichmäßigern Entwickelung ihrer Natur nach vielleicht nicht fähig , doch gerade um so interessanter in dieser bewegten , geistvollen Abschweifung von dem Gewöhnlichen . Ormond behielt den holden Zögling stets im Auge , ihre Zukunft erfüllte ihn noch immer mit Sorge , und er kannte nur einen Mann , dem er sie gönnte , nur einen , welchem er den so von ihm gehegten Schatz übergeben mochte , und dies war , sein Liebling eben so sehr als Mann , wie Ollonie als Weib , kein anderer , als Lord Richmond . Graf Archimbald hatte ebenfalls für seinen Neffen und dereinstigen Erben diese Wahl getroffen , und es hatte Ormond seinen ganzen Einfluß gekostet , der beabsichtigten Abschließung dieser Angelegenheit die nähere Bekanntschaft der jungen Leute vorausgehen zu lassen . Die Anwesenheit Aller in Burtonhall , wohin auch er mit Erlaubniß des Königs , der ihn gern zu jener Sendung an die Familie Nottingham beurlaubt hatte , sich begeben durfte , sicherte ihm die Hoffnung , selbst die Herzen seiner jungen Freunde beobachten zu können , da Graf Archimbald sich sehr bereit zeigte , seinen Neffen im Auftrage dahin zu senden , und Ormond zweifelte nicht an dem Gelingen dieser so wünschenswerthen Angelegenheit . In diese Gedanken vertieft , sehen wir ihn seinen jungen Freund erwartend umher wandeln , als plötzlich die Thüren sich öffneten und die junge schöne Marquise Danville eintrat , die , begleitet von einem Pagen , der ihr vorleuchtete , durch diesen zur Verbindung mehrerer Gemächer dienenden Saal eilte , um sich nach ihren Zimmern zu begeben . Sie gab ein mächtiges Erschrecken vor , hier dem einsam wandelnden Lord zu begegnen , aber die Bewegungen des Erstaunens kleideten sie so ungemein gut , daß sie dieselben über Gebühr verlängerte , und es sei uns der Zweifel an ihrer Wahrhaftigkeit um so eher vergeben , da Lord Ormond vornehm , reich und mit allen persönlichen Vorzügen geschmückt war , die von dieser geschickten Frau nicht übersehen werden konnten . Auch hatte das Schicksal die Lady bisher schlecht bedacht . Im vierzehnten Jahre war sie bereits dem alten Marquis Danville vermählt , und obgleich jetzt Witwe und Besitzerin eines bedeutenden Vermögens , wünschte die junge Leidtragende doch in aller Billigkeit die Vernachlässigung , die ihre Jugend erfahren , durch den Besitz eines Mannes nach ihrem Sinne auszugleichen . Wenn nun auch Lord Membrocke sich fast bereit zeigte , durch Darreichung seiner Hand sich in Besitz ihrer Reichthümer zu setzen , und wenn sie es auch nicht aufgeben mochte , ihn als ihren Bewunderer gelten zu lassen , hatte sie doch Verstand genug , Lord Ormond für eine bessere Partie anzusehn . Sie war daher während ihres Beisammenseins mit ihm schon alle mögliche Versuche , ihn zu fesseln , durchgegangen , ohne ihrem Ziele näher gerückt zu sein . Ha , rief sie , Lord Ormond , Ihr seid böse , mich arme , erschütterte Frau so zu erschrecken , wie konnte ich Euch hier ahnen ! Ich bin bekümmert , Mylady , rief der Lord , ihr höflich entgegen tretend , und gebe zu , daß meine Gegenwart unerwartet ist ; aber erlaubt mir nun , Euch meinen Arm zu geben , um Euch nach Euern Gemächern zu geleiten . Der Lady war dies zwar ganz recht , daß der Lord sie aber nun wirklich ohne Weiteres mit aller Höflichkeit und unaufhaltsamen Schrittes durch den Saal zu führen begann , zertrümmerte alle ihre Hoffnungen , die auf ein so interessantes Zusammentreffen gestützt waren , welches bisher gefehlt hatte und jetzt unbenutzt vorübergehen sollte . Die kühlen , höflichen Worte Ormonds ließen nämlich nicht die kleinste Scene einleiten , und so hatten die in so getheiltem Interesse Wandelnden die Gallerie erreicht , woran die Zimmer der Dame stießen , als Beider Gedanken abgelenkt wurden , durch eine vor ihren Augen sich begebende Scene . Sie sahen nämlich deutlich eine Dame die Gallerie hinabeilen , an ihrer Seite im lebhaften Gespräch einen Mann , den sie Beide augenblicklich für Lord Membrocke erkannten . Jetzt blieb die Dame stehen , sie wendete sich und schien ihren Begleiter entfernen zu wollen ; Lord Membrocke kniete nieder und schien flehend ihre Theilnahme zu fordern . Die Dame beugte sich , ob zum Abwehren oder Erhören seiner Bitten , blieb unentschieden , da Beide jetzt erschreckt auffuhren , indem Lord Richmond , der sich zu Lord Ormond begeben wollte , sie fast erreicht hatte und durch seine absichtlich lauten Schritte sich jetzt kund gab . Die Dame verschwand rasch in einer Thür , und Membrocke eilte grüßend an Richmond vorüber . Die Heuchlerin ! rief die Marquise , dieser Hochmuth vor den Augen der Welt , und doch eine Intrigue mit diesem sittenlosen Lord ! Wen meint Ihr , rief Ormond heftig bewegt ; wie könnt Ihr entscheiden , wer diese Dame war , da das Mondlicht allein die Gallerie erleuchtet und wir uns irren können , sicher irren . Irren ? rief die Lady stolz und kalt , indem sie ihren Arm aus dem seinigen zog , irren ? Wo