Stande käme , und daß der Vater , voll Mißtrauen gegen seinen Verwandten , alle Hoffnung aufgegeben habe , da der Sohn nicht zur versprochenen Zeit eingetroffen sei , und nun krank , mit Verzweiflung im Herzen , eben mit den Beiden herum fahre , um ihnen alle Vortheile des Gutes zu zeigen , das ihnen noch diesen Abend übergeben werden sollte . O , Mutter ! rief der junge Graf schmerzlich bewegt , hätte mein Vater sich mit offenem , redlichem Vertrauen an seinen edeln Verwandten gewendet , niemals wäre unsere Lage so drückend geworden , daß sie ihn so tief erniedrigt hätte , mir Rathschläge zu geben , die mein Gefühl mir verbietet zu wiederholen . Du hast Recht , sagte die trauernde Mutter , ja hätte Dein unglücklicher Vater nur die Hälfte des Scharfsinns daran gewendet , auf rechtlichen Wegen seine Umstände zu verbessern , den er darauf gerichtet hat , sein Schicksal durch Mittel zu bezwingen , die ich beweinen muß , so glaube ich , wir würden ohne Kummer unsere Lage betrachten ; aber dennoch , geliebter Sohn , beurtheile den armen Mann nicht zu hart , denn er ist mir ein treuer Freund und Euch ein liebender Vater , und der Kummer nagt ja eben an seinem Leben und bringt ihn vor der Zeit in ' s Grab , daß er nichts für uns alle thun kann . Wenn uns der Vater liebt , sagte der junge Graf finster , so sollte er nicht Handlungen begehen oder fordern , die uns zwingen , für ihn zu erröthen . O ! still mein Kind , erwiederte die sanfte Mutter , Dein Herz schlägt noch mit Jugendkraft , Du kannst es noch nicht wissen , wohin ein feindliches Geschick den Menschen bringen kann . Dein Vater hat in der Jugend mit aller Gluth und Kraft des Herzens geliebt , ihm wurde Erwiederung geheuchelt , indeß seine Empfindung verspottet und er mit dem schnödesten Eigennutz betrogen wurde , und zwar durch einen Freund , dem er sich mit ganzer Seele vertraute . Seine einzige Schwester , bedeutend älter als er , war längst verheirathet , als die ältern starben , und der Schwager benutzte als Vormund das Vermögen , indeß Dein Vater seine Jugend in Dürftigkeit hinbrachte , sich in Schulden verwickelte , die , als er mündig wurde , sich so drückend zeigten , daß er die Einsicht gewann , er sei genußlos verarmt , denn was ihm nach der Theilung mit seinem Schwager blieb , hatte er in immerwährender durch Dürftigkeit und Noth erregter Herzensangst schon im Voraus ausgegeben , und wenn seine Schulden bezahlt werden sollten , behielt er nichts übrig . Wo er sich hinwendete um Unterstützung , wurde er mit Kälte , als ein Verschwender , dem man nicht vertrauen könne , zurückgewiesen und seine Schulden , denen seine Verwandten mit Eifer nachspürten , als Beweise gegen ihn gebraucht . In dieser Bedrängniß wendete er seine Augen auf mich und wählte , nicht aus Liebe , sondern aus Noth , mich zur Gefährtin seines Lebens , und hoffte durch die einzige Tochter eines reichen Handelsherren seine gesunkenen Vermögensumstände wieder zu heben . Meinem Vater schmeichelte vielleicht der Gedanke , daß eine Gräfin aus seinem einzigen Kinde werden solle , und da er nicht gewohnt war , die Ansichten Anderer zu vernehmen , so befahl er mir , Deinen Vater als meinen Bräutigam zu betrachten , und bestimmte den Tag der Vermählung . In der That fiel es mir auch nicht ein , daß ich befugt sei , Einwendungen zu machen , und der Tag unserer Verbindung erschien und wurde auf ' s Glänzendste gefeiert . Es schien , als ob Wohlstand und Glanz mit mir in unser Haus gezogen wären ; mein Vater gab die nöthigsten Summen bei unserer Vermählung sogleich und verlangte , Dein Vater sollte nach drei Monaten ein Verzeichniß einliefern von allen Schulden und allen Bedürfnissen , dann wolle er Alles berichtigen und unsere Haushaltung , wie er sagte , auf einem solideren Fuße einrichten . Jetzt erschienen dieselben Freunde und Verwandten , die Deinen Vater in seiner Bedrängniß mit Kälte abgewiesen hatten , und wünschten ihm Glück , sie wurden unsere täglichen Gäste , und erschöpften sich in Herzlichkeit und zuvorkommender Liebe ; man fand mich höchst liebenswürdig , man lobte es , daß ich bei dem großen Reichthume meines Vaters doch gar keine Ansprüche mache , kurz , Dein Vater wurde noch ein Mal mit allen Menschen versöhnt und überredete sich , er habe sich geirrt und in seiner bittern , durch die Noth erzeugten Stimmung die Menschen mit zu feindlichen Blicken betrachtet . Aber ach ! wie bald brach dieß scheinbare Glück zusammen . Ein großes Handlungshaus in England fiel , und sein Sturz zog den eines Amerikanischen und mehrerer Hamburger nach sich , mit denen mein Vater in Verbindung stand , und er war schon zu Grunde gerichtet , ohne es zu ahnen , als er meine Hochzeit so glänzend feierte . Er konnte den Schreck nicht überwinden und wurde vom Schlage getroffen , als er die Nachricht seines Unglücks erhielt . Acht Wochen nach meiner Verheirathung wurde er begraben . Jetzt wurde Alles gerichtlich bei meinen Eltern versiegelt , und die Armuth übte dort ihre furchtbare Gewalt , wo eben noch Glanz und Ueberfluß geherrscht hatten . Mein Vater hatte von mehreren Verwandten meiner Mutter Gelder in seiner Handlung , und diese waren so vorsichtig gewesen , sie mit unterschreiben zu lassen , und jetzt so schamlos , die Kleider und Wäsche meiner unglücklichen Mutter verkaufen zu lassen , um sich bezahlt zu machen , und die arme Frau wäre ohne Obdach gewesen , wenn nicht Dein Vater , der die Verbindung mit mir nur geschlossen hatte , um Vermögen zu erlangen , ihr sein Haus und seine Unterstützung angeboten hätte . Ach , mein Sohn ! wie schnell verloren sich alle die Freunde , die Dein Vater während seines kurzen Glückes besessen hatte