Du wieder einlenkst . - Ach , Glück ! Du läßt dich nicht meistern und nicht bilden , wo du erscheinst , da bist du immer eigentümlich und vernichtest durch deine Unschuld alles Planmäßige , alle Berechnung auf die Zukunft . Unglück ist vielleicht die geheime Organisation des Glückes , ein flüssiger Demant , der zum Kristall anschließt , eine Krankheit der Sehnsucht , die zur Perle wird . O schreib mir bald . Am 12. Januar 1810 Bettine Goethe an Bettine Das ist ein liebes , feines Kind , listig wie ein Füchschen , mit einer Glücksbombe fährst Du mir ins Haus , in der Du Deine Ansprüche und gerechte Klage versteckst . Das schmettert einem denn auch so nieder , daß man gar nicht daran denkt , sich zu rechtfertigen . - Die Weste , innen von weichem Samt , außen glatte Seide , ist nun mein Bußgewand , je behaglicher mir unter diesem wohlgeeigneten Brustlatz wird , je bedrängter ist mein Gewissen , und wie ich gar nach zwei Tagen zufällig in die Westentasche fahre und da das Register meiner Sünden herausziehe , so bin ich denn auch gleich entschlossen , keine Entschuldigungen für mein langes Schweigen aufzusuchen . Dir selbst aber mache ich es zur Aufgabe , mein Schweigen bei Deinen so überraschenden Mitteilungen auf eine gefällige Weise auszulegen , die Deiner nie versiegenden Liebe , Deiner Treue für Gegenwärtiges und Vergangenes auf verwandte Weise entspricht . Über die Wahlverwandtschaften nur dies : der Dichter war bei der Entwickelung dieser herben Geschicke tief bewegt , er hat seinen Teil Schmerzen getragen , schmäle daher nicht mit ihm , daß er auch die Freunde zur Teilnahme auffordert . Da nun so manches Traurige unbeklagt den Tod der Vergangenheit stirbt , so hat sich der Dichter hier die Aufgabe gemacht , in diesem einen erfundnen Geschick wie in einer Grabesurne die Tränen für manches Versäumte zu sammeln . Deine tiefen , aus dem Geist und der Wahrheit entspringende Ansichten gehören jedoch zu den schönsten Opfern , die mich erfreuen , aber niemals stören können , ich bitte daher recht sehr , mit gewissenhafter Treue dergleichen dem Papier zu vertrauen und nicht allenfalls in Wind zu schlagen , wie bei Deinem geistigen Kommers und Überfluß an Gedanken leichtlich zu befahren ist . Lebe wohl und lasse bald wieder von Dir hören . Goethe Weimar , den 5. Februar 1810 Meine Frau mag Dir selbst schreiben , wie verlegen sie um ein Maskenkleid gewesen und wie erfreut sie bei Eröffnung der Schachtel war , es hat seinen herrlichen Effekt getan . Über der lieben Meline Heirat sage ich nichts , es macht einem nie wohl , wenn ein so schönes Kind sich weggibt , und der Glückwunsch , den man da anbringt , drückt einem nur auf dem Herzen . An Goethe Fahre fort , so liebreich mit mir zu sein , packe selbst zusammen , was Du mir schickst , mache selbst die Adresse aufs Paket , das alles freut mich , und Dein Brief , der allen Schaden vergütet , ja meine eignen Schwächen so sanft stützt , mich mir selbst wiedergibt , indem er sich meiner annimmt . Nun , ich bin angeblasen von allen Launen , ich drücke die Augen zu und brumme , um nichts zu sehen und zu hören , keine Welt , keine Einsamkeit , keinen Freund , keinen Feind , keinen Gott und endlich auch keinen Himmel . Den Hofer haben sie in einer Sennhütte auf den Passeirer Bergen gefangen , diese ganze Zeit bin ich diesem Helden mit Gebet heimlich nachgegangen , gestern erhalt ich einen Brief mit einem gedruckten Tiroler Klagelied : » Der Kommandant der Heldenschar , auf hoher Alp gefangen gar , findet viel Tränen in unseren Herzen . « Ach , dieser ist nicht unbeweint von mir , aber die Zeit ist eisern und macht jede Klage zu Schanden , so muß man auch das Ärgste fürchten , obschon es unmöglich ist . Nein , es ist nicht möglich , daß sie diesem sanften Helden ein Haar krümmen , der da für alle Aufopferung , die er und sein Land umsonst gemacht hatten , keine andre Rache nahm , als daß er in einem Brief an Speckbacher schrieb : » Deine glorreichen Siege sind alle umsonst , Österreich hat mit Frankreich Friede geschlossen und Tirol - vergessen . « In meinem Ofen saust und braust der Wind und treibt die Glut in Flammen und brennt die alten bayrischen Tannen recht zu Asche zusammen , dabei hab ich denn meine Unterhaltung , wie es kracht und rumpelt und studiere zugleich Marpurgs Fugen , dabei tut mir denn gar wohl , daß das Warum nie beantwortet werden kann , daß man unmittelbare Herrschaft des Führers ( Dux ) annehmen muß , und daß der Gefährte sich anschmiegt , ach , wie ich mich gern an Dich anschmiegen möchte ; wesentlich möchte ich ebenso Dir sein , ohne viel Lärm zu machen , alle Lebenswege sollten aus Dir hervorgehen und sich wieder in Dir schließen , und das wäre eine echte , strenge Fuge , wo dem Gefühl keine Forderung unbeantwortet bleibt , und wo sich der Philosoph nicht hineinmischen kann . Ich will Dir beichten , will Dir alle meine Sünden aufrichtig gestehen , erst die , an welchen Du zum Teil schuld hast und die Du auch mitbüßen mußt , dann die , so mich am meisten drücken , und endlich jene , an denen ich sogar Freude habe . Erstens : sage ich Dir zu oft , daß ich Dich liebe , ja , ich weiß gar nichts anders , wenn ich ' s hin- und herwende , es kömmt sonst nichts heraus . Zweitens : beneide ich alle Deine Freunde , die Gespielen Deiner Jugend und die Sonne , die in Dein Zimmer scheint und Deine Diener , vorab Deinen Gärtner , der unter Deinem Kommando Spargelbeete anlegt . Drittens : gönne ich Dir keine Lust