schwarzer , roter und blauer Dinte in vielen zierlichen Schnörkeln beschrieben war . Der Herzog spielte mit einem großen Sigill , das er in der Hand hielt , er schien mit sich zu kämpfen , er sah bald seinen Kanzler durchdringend an , bald heftete sich sein Blick wieder auf das Sigill . Sie waren beide so vertieft , daß Lichtenstein einige Minuten im Zimmer stand , ohne von ihnen bemerkt zu werden ; er betrachtete mit großer Teilnahme die edlen Züge Ulerichs von Württemberg . Er sah , wie auf seiner Stirne , in seinen sprechenden Augen , so verschiedene Empfindungen wechselten . Bald runzelte sich seine Stirne , seine Augenbrau ' n zuckten , sein Auge rollte , dann glätteten sich diese Falten , aus seinen Blicken strahlte nur ein tiefer Ernst , der in Nachdenken überging , und oft schien ein Anflug von Güte den strengen Ausdruck seiner Züge zu mildern . Aber der im gelben Mäntelein , mit der Schwanenfeder in der Hand , stand wie der Versucher vor ihm ; er wandt ' und drehte sich vor ihm , wie die Schlange im Paradies , und das ewig stehende Lächeln , der Ausdruck von Ehrlichkeit , den er seinen grünen Äuglein zu geben wußte , wenn ihn sein Herr scharf ansah , sollten einladen den Apfel anzubeißen . » Ich kann nicht begreifen « , sprach er mit heiserer feiner Stimme , » warum Ihr es nicht tun möget . Hat wohl Cäsar so lange gezaudert , als er über den Rubikon ging ? Ein großer Mann hat große Mittel nötig , und die Mitwelt und die Nachwelt wird Euch preisen , daß Ihr diese Fesseln von Euch geworfen . « » Weißt du dies so gewiß , Ambrosius Volland ? « entgegnete der Herzog , indem er ihn düster anblickte . » Man wird sagen : Herzog Ulerich war ein Tyrann . Er hat die alte Ordnung umgestoßen , die seinen Vätern heilig war , er hat den Vertrag , den er selbst aufgerichtet , gebrochen , er hat sein Land wie ein fremdes behandelt , er hat die Gesetze nicht gehalten , die - « » Erlaubet « , unterbrach ihn jener , » es kommt nur allein auf die Frage an : Wer ist Herr ? der Herzog oder das Land ? Wenn das Land Herr ist , dann ist ' s was anderes . Dann freilich sind allerlei Pakten , Verträge , Klauseln und dergleichen nötig . Die Ritterschaft , die Prälaten und die Landschaft sind dann Meister , und Euer Durchlaucht - nun , sind dann der , welcher den Namen dazu hergibt . Seid Ihr aber , was man so eigentlich Herr nennt , dann seid Ihr es auch , der Gesetze gibt . Jetzt habt Ihr das Heft in der Hand ; jetzt noch seid Ihr Herr und Meister . Drum fort mit dem alten Recht , hier ist ein neues - da , nehmt in Gottes Namen die Feder , unterzeichnet . « Der Herzog stand noch eine Weile unschlüssig , seine Wangen glühten , seine ganze Gestalt richtete sich höher auf , aber sein Auge haftete noch am Boden . Jetzt schlug er es auf , und es blitzte vom Gefühl seiner Würde . » Ich heiße Württemberg « , sagte er ; » ich bin das Land und das Gesetz - ich unterschreibe . « Er streckte die Rechte aus , die Schwanenfeder aus der Hand seines Kanzlers zu empfangen , aber mit sanfter Gewalt wurde sein Arm von einer fremden Hand ergriffen und weggezogen . Erstaunt sah er sich um , und blickte in die ruhigen aber ernsten Züge des Ritters von Lichtenstein . » Ha ! willkommen « , rief er , » mein getreuer Lichtenstein ; sogleich steh ich Euch Rede , lasset mich nur zuvor dies Pergament unterzeichnen . « » Erlauben Euer Durchlaucht « , sagte der alte Mann , » Ihr habt mir eine Stimme zugesagt in Eurem Rat , darf ich nicht auch wissen um die erste Verordnung , die Ihr an Euer Land ergehen lasset . « » Mit Euer hochedeln Erlaubnis « , fiel Ambrosius Volland hastig ein , » das Ding hat Eile ; die Bürgerschaft von Stuttgart versammelt sich schon auf der Wiese ; diese Schrift muß ihr vorgelesen werden ; es hat wahrhaftig Eile . « » Nun , Ambrosius ! « sagte der Herzog , » So gar eilig ist es nicht , daß wir unserem alten Freund die Sache nicht mitteilen sollten . Wir haben nämlich beschlossen , uns huldigen zu lassen , und zwar nach neuen Verträgen und Gesetzen . Die alten sind null und nichtig . « » Das habt Ihr beschlossen ? um Gottes willen , habt Ihr auch bedacht , zu was dies führt ? Habt Ihr nicht erst vor wenigen Tagen den Tübinger Vertrag beschworen ? « » Tübingen ! « rief der Herzog mit schrecklicher Stimme , indem seine Augen von Zorn glühten . » Tübingen ! nenne dies Wort nicht mehr . Dort hatte ich all meine Hoffnung , dort war mein Land , meine Kinder , ha , und dort haben sie mich verraten und verkauft . Ich bat , ich flehte , sie sollen zu mir halten , ich wolle Gut und Blut mit ihnen teilen - nichts ! man wollte von Ulerich nichts mehr ; das neue Regiment gefiel ihnen besser , im Elend haben sie mich schmachten lassen , haben zugegeben , daß ihr Herzog in Verbannung war , haben geduldet , daß der Name Württemberg ein Hohngelächter wurde in allen Reichen - jetzt bin ich wieder Herr und Meister , habe das Heft in der Hand , und will mir ' s nicht wieder aus der Hand wenden lassen . Haben sie ihren Eid vergessen , bei Sankt Hubertus , so ist mein Gedächtnis auch nicht länger . Tübinger Vertrag ? Ich sag , der Teufel soll alles holen