in meine Seele , denn ich sah wohl , wie alle Umstände sich vereinigen mußten , um jene unheilbringende Verwechslung mit Viktorin herbeizuführen . Sehr wichtig schien mir des furchtsamen Nachbars wunderbare Vision , und ich sah mit Zuversicht noch deutlicherer Aufklärung entgegen , ohne zu ahnen , wo und wie ich sie erhalten würde . Endlich , nach rastloser Wanderung mehrere Wochen hindurch , nahte ich mich der Heimat ; mit klopfendem Herzen sah ich die Türme des Zisterzienser Nonnenklosters vor mir aufsteigen . Ich kam in das Dorf , auf den freien Platz vor der Klosterkirche . Ein Hymnus , von Männerstimmen gesungen , klang aus der Ferne herüber . - Ein Kreuz wurde sichtbar - Mönche , paarweise wie in Prozession fortschreitend , hinter ihm . - Ach - ich erkannte meine Ordensbrüder , den greisen Leonardus , von einem jungen , mir unbekannten Bruder geführt , an ihrer Spitze . - Ohne mich zu bemerken , schritten sie singend bei mir vorüber und hinein durch die geöffnete Klosterpforte . Bald darauf zogen auf gleiche Weise die Dominikaner und Franziskaner aus B. herbei , fest verschlossene Kutschen fuhren hinein in den Klosterhof , es waren die Klaren Nonnen aus B. Alles ließ mich wahrnehmen , daß irgend ein außerordentliches Fest gefeiert werden solle . Die Kirchentüren standen weit offen , ich trat hinein und bemerkte , wie alles sorgfältig gekehrt und gesäubert wurde . - Man schmückte den Hochaltar und die Nebenaltäre mit Blumengewinden , und ein Kirchendiener sprach viel von frisch aufgeblühten Rosen , die durchaus morgen in aller Frühe herbeigeschafft werden müßten , weil die Frau Äbtissin ausdrücklich befohlen habe , daß mit Rosen der Hochaltar verziert werden solle . - Entschlossen , nun gleich zu den Brüdern zu treten , ging ich , nachdem ich mich durch kräftiges Gebet gestärkt , in das Kloster und frug nach dem Prior Leonardus ; die Pförtnerin führte mich in einen Saal , Leonardus saß im Lehnstuhl , von den Brüdern umgeben ; laut weinend , im Innersten zerknirscht , keines Wortes mächtig , stürzte ich zu seinen Füßen . » Medardus ! « - schrie er auf , und ein dumpfes Gemurmel lief durch die Reihe der Brüder : » Medardus - Bruder Medardus ist endlich wieder da ! « - Man hob mich auf , - die Brüder drückten mich an ihre Brust : » Dank den himmlischen Mächten , daß du errettet bist aus den Schlingen der arglistigen Welt - aber erzähle - erzähle , mein Bruder « - so riefen die Mönche durcheinander . Der Prior erhob sich , und auf seinen Wink folgte ich ihm in das Zimmer , welches ihm gewöhnlich bei dem Besuch des Klosters zum Aufenthalt diente . » Medardus , « fing er an , » du hast auf frevelige Weise dein Gelübde gebrochen ; du hast , indem du , anstatt die dir gegebenen Aufträge auszurichten , schändlich entflohst , das Kloster auf die unwürdigste Weise betrogen . - Einmauern könnte ich dich lassen , wollte ich verfahren nach der Strenge des Klostergesetzes ! « - » Richtet mich , mein ehrwürdiger Vater , « erwiderte ich , » richtet mich , wie das Gesetz es will ; ach ! mit Freuden werfe ich die Bürde eines elenden qualvollen Lebens ab ! - Ich fühl ' es wohl , daß die strengste Buße , der ich mich unterwarf , mir keinen Trost hienieden geben konnte ! « - » Ermanne dich , « fuhr Leonardus fort , » der Prior hat mit dir gesprochen , jetzt kann der Freund , der Vater mit dir reden ! - Auf wunderbare Weise bist du errettet worden vom Tode , der dir in Rom drohte . - Nur Cyrillus fiel als Opfer ... « - » Ihr wißt also ? « frug ich voll Staunen . » Alles , « erwiderte der Prior , » ich weiß , daß du dem Armen beistandest in der letzten Todesnot , und daß man dich mit dem vergifteten Wein , den man dir zum Labetrunk darbot , zu ermorden gedachte . Wahrscheinlich hast du , bewacht von den Argusaugen der Mönche , doch Gelegenheit gefunden , den Wein ganz zu verschütten , denn trankst du nur einen Tropfen , so warst du hin in Zeit von zehn Minuten . « - » O , schaut her , « rief ich und zeigte , den Ärmel der Kutte aufstreifend , dem Prior meinen bis auf den Knochen eingeschrumpften Arm , indem ich erzählte , wie ich , Böses ahnend , den Wein in den Ärmel gegossen . Leonardus schauerte zurück vor dem häßlichen Anblick des mumienartigen Gliedes und sprach dumpf in sich hinein : » Gebüßt hast du , der du freveltest auf jedigliche Weise ; aber Cyrillus - du frommer Greis ! « - Ich sagte dem Prior , daß mir die eigentliche Ursache der heimlichen Hinrichtung des armen Cyrillus unbekannt geblieben . » Vielleicht « , sprach der Prior , » hattest du dasselbe Schicksal , wenn du wie Cyrillus als Bevollmächtigter unseres Klosters auftratst . Du weißt , daß die Ansprüche unsers Klosters Einkünfte des Kardinals * * * , die er auf unrechtmäßige Weise zieht , vernichten ; dies war die Ursache , warum der Kardinal mit des Papstes Beichtvater , den er bis jetzt angefeindet , plötzlich Freundschaft schloß und so sich in dem Dominikaner einen kräftigen Gegner gewann , den er dem Cyrillus entgegenstellen konnte . Der schlaue Mönch fand bald die Art aus , wie Cyrill gestürzt werden konnte . Er führte ihn selbst ein bei dem Papst und wußte diesem den fremden Kapuziner so darzustellen , daß der Papst ihn wie eine merkwürdige Erscheinung bei sich aufnahm , und Cyrillus in die Reihe der Geistlichen trat , von denen er umgeben . Cyrillus mußte nun bald gewahr werden , wie der Statthalter des Herrn nur zu sehr sein Reich in dieser Welt und ihren Lüsten suche und