und jubelte ; der Graf wurde gekrönt und für den Augenblick war er wirklich der anerkannteste König der ganzen Welt . Nachdem er die Krone abgelegt und den Ehrentrunk getan hatte , trat er zu seiner Frau , die ihren Beifall in ihrer Art zu erkennen gab , indem sie ihm trotzig versicherte : » Hätte ich mitschießen dürfen , du wärst sicher nicht König geworden , aber so laßt ihr Herren uns nicht dazu . « - Der Graf antwortete neckend : » Ich glaube , du hast nicht den Mut ein Gewehr loszudrücken , wenn es auch nicht geladen . « - » Das möchte ich versuchen « , sagte sie ganz keck . - » Du hast noch keine altdeutsche Büchse abgedrückt « , sagte er . - Er nahm seine zweite Büchse , die dort liegen geblieben ungebraucht , spannte den Hahn , stach sie und gab sie seiner Frau zum Losdrücken in die Hände , während er vorne die Schwere der Büchse mit Hand und Brust unterstützte . Lachend hielt er die Büchse , lachend drückte sie ab ; krachend blitzte der Schuß auf , daß ihr das Gewehr zur Erde entsank , der Graf stürzte zu Boden . Im ersten Augenblick war es nur der Schreck des Knalles , der sie und die Umstehenden betäubt hatte ; als sie aber den Grafen in seinem Blute erblickte , stürzte sie nieder und wurde sinnlos nach Hause getragen . Vierte Abteilung Buße Erstes Kapitel Des Grafen Genesung . Wallfahrt Wenn ein heiterer Erzähler zur Unterhaltung seiner Zuhörer schauerliche Geschichten leichtsinnig noch schauerlicher auszubilden sucht , indem er alle dem Tode opfert , mit deren Fortleben er nichts anzufangen weiß , so übt er zwar darin das Recht der Zeit , die ihre Welt , welche sie geboren , zu höherer Umwandlung wieder vernichtet , aber nicht ihre mütterliche Liebe , und nie erreicht er ihren hohen Sinn , mit welchem die wahren Begebenheiten die meisten Dichtungen überragen . Der kühne Mensch , in welchem sich die Ruhe noch nicht entwickelt hat , ist oft jenem leichtsinnigen Erzähler im eigenen Leben gleich , er entzückt sich mit einem Gedanken und verliert sich daran ; vergebens warnt ihn seine gute Mutter , die Zeit , daß er sich selbst nicht gehöre , sondern ihr , so lange er noch unmündig sei . Der Kühne möchte sich und ihr voreilen und sie muß ihn gehen lassen mit abgewendetem Gesichte auf dem eigenen Wege ; leider fällt er bald und kann sich nicht helfen und jammert ; noch gibt sie ihn nicht auf , sie steht ihm bei und betrachtet ernst , ob ihn die Reue noch bessern könne , da es die Liebe nicht vermochte . Gewiß , die reuige Buße kann viel , sie ist die wirksamste Kraft in den großen Begebenheiten wie in den kleineren des häuslichen Kreises ; ihre Wiedererzeugung , bald unbewußt , hat seit dem Gedenken der Welt alle Krankheiten der Zeitalter geheilt , so verschieden sie immer erscheinen mochte . Bald war die Buße ein zerknirschendes Betrachten , ein Selbstquälen , bald ein tätiges Vernichten des eignen falschen Strebens , in einem Handeln nach entgegengesetzter Richtung ; keine Buße darf die andre verachten , jene scheint mehr der geistigen Sünde geeignet , diese geziemt der tätigen ausgeführten Lastertat . Die eine Buße ist die höchste Kraft und Auszeichnung des Menschen . Die Natur hat es ihm versagt wie ein Baum seine abgehauenen Glieder wieder zu ergänzen , aber sie gab ihm dafür diese Kraft geistiger Wiederergänzung , und selbst die Tiere , wie sie sich ihm nähern , verlieren jene Eigenschaft ihres Körpers , um dieser geistigen sich zu nähern ; die vom Menschen gezähmten mächtigsten Tiere wünschen und erfreuen sich der Buße , wo sie ein Unrecht getan , sie wissen es weder schön noch gut , noch heilig zu machen , sie wollen Strafe . Auch der Mensch unterziehe sich willig der Strafe , wo die Buße ihn nicht ganz erneuen kann : die Strafe ist die Ergänzung der Buße . Nicht alle Zuschauer waren von dem schreckenvollen Ereignisse so gewaltsam ergriffen als die Gräfin ; doch waren die meisten allzusehr in ihren trägen Betrachtungen gestört , um dem niedergesunkenen Grafen wesentlich Hülfe zu leisten ; vielmehr verdarb die Menge der durch Türen und Fenster eindringenden Menschen die Luft so schnell , daß der alte Invalide sich mit Gewalt Luft machte , mit seinem Sohne den blutigen Körper des Grafen ergriff und nicht ohne heftigen Widerstand in ein nahes verschlossenes Zimmer trug , ihn dem leeren Mitleid und der widrigen Neugierde zu entziehen . Hier konnte ihm der Stadtwundarzt , der auch Mitglied der Schützengilde war , ungestört die Kleider öffnen und die Wunde untersuchen . Gegen seine Erwartung fand er , daß die Kugel an einer Ribbe , die sie streifend zerschlagen , abgegleitet sei und nicht das Herz durchdrungen habe , auch fanden jetzt die Schützen die Kugel in der Wand des Schießsaales eingeschlagen , welches im ersten Schrecken übersehen worden ; die weibliche Furchtsamkeit der Gräfin hatte wahrscheinlich vor dem Losdrücken den Lauf von der geraden Richtung gegen das Herz des Grafen abgewendet . Sobald diese gebrochene Ribbe ausgebogen und einige Stärkungsmittel ihm eingeflößt waren , atmete der Graf wieder auf , er dachte in einem anderen Leben , und sah sich wieder in dem verhaßten bekannten Kreise , in demselben Leben , das ihm schon unerträglich gewesen , noch mit der Last einer schweren Wunde auf das Krankenlager gestreckt . Der Wundarzt wollte es nicht wagen , ihn noch den Abend nach dem Schlosse bringen zu lassen , und so mußte er über sich den ununterbrochenem Jubel der tanzenden Menge hören , die gleich befriedigt , als er am Leben gefunden , seiner Leiden uneingedenk die Nacht durchschwärmte . Die Nachricht von seinem Leben , von der wahrscheinlichen Gefahrenlosigkeit seiner Wunde gab der Gräfin das Leben wieder ; erschöpft wie sie war , ließ sie es doch