ist , und bei dem sich seit der Zerstörung der Kirchen einige dieser Fanatiker versammeln , um ihre Ceremonien und Opfer zu halten . Ich wartete eine Weile vor dem Thore , es kamen nach und nach Menschen von allerlei Alter und Stand , die alle geheimnißvoll eingelassen wurden , und ich schloß daraus , daß eben jetzt eine solche Versammlung gehalten würde , bei welcher die andächtige Theophania zu erscheinen nicht versäumen konnte . Alles schien sich natürlich und höchst wahrscheinlich an einander zu reihen , und ich beschäftigte mich in meinem Hinterhalte bereits mit Entwerfung verschiedener Plane , wie ich die gesetzwidrige Versammlung auseinander stäuben , und Theophanien zugleich in meine Gewalt bekommen könnte . Unterdessen war es spät geworden , es kam Niemand mehr , ich hörte das Thor von innen verschließen , und da ich nicht so lange warten wollte , bis die andächtige Gemeinde auseinander gehen würde , verließ ich meinen Posten mit einem süßen Gefühl naher Rache , und mit einem Kopf voll Anschläge und Plane . Meine Ungeduld ließ mich kaum den folgenden Abend erwarten . Ich war entschlossen , Theophanien geradezu anzureden , und mich ihrer ersten Bestürzung zu bedienen , um zu erfahren , was ich vermuthete . Nicht weit vom Hause begegnete sie mir , von zwei Sclaven begleitet , vermuthlich weil sie bemerkt hatte , daß man ihr auflauerte . Sie ging sehr schnell . Ich betrachtete ihre Gestalt aufmerksam , und je mehr ich sie betrachtete , je mehr überzeugte ich mich , daß dieser vermeinte Jüngling ein verkleidetes Weib sey . Daß sie etwas kleiner als Theophania schien , irrte mich nicht , denn ich maß es der männlichen Kleidung bei , und so trat ich bei einem Gebüsche , weit von den Häusern , wo es ganz einsam war , plötzlich auf sie zu , faßte sie bei der Hand , und redete sie als Larissa an ; denn ich glaubte meiner Sache ganz gewiß zu seyn . Ich weiß nicht mehr , was ich gesagt habe , aber bei dem Namen Larissa fuhr mein schöner Knabe plötzlich empor , vergaß seine Verkleidung , sah mir starr in ' s Gesicht , und - stelle dir meine Verwunderung , mein Erstaunen vor - es war die reizende Calpurnia ! Sie schien eben so betroffen über meinen Anblick und ihre Entdeckung , als ich . Sie wollte stolz und verächtlich thun , aber es gelang ihr nicht gegen einen Mann , der sie in dieser Kleidung , und auf diesem Wege getroffen hatte . Sie fühlte die Blöße , die sie mir gegeben hatte , und wurde artiger . Daß Larissa lebte , und hier in Nikomedien , und wahrscheinlich in der Nähe ihres Jugendfreundes wäre , war ihr sehr unerwartet . Es erschreckte sie , das sah ich deutlich , und ich benützte diesen Schrecken . Ich erzählte ihr Manches , das wenigstens so hätte seyn können - von Agathokles Treue zu Larissen , von manchem Schritt , den er gethan haben könnte , und - vielleicht auch gethan hat . Sie wurde zusehens stiller , nachdenklicher . An ihrem Hause beurlaubte ich mich von ihr , und erhielt mit vieler Artigkeit die Erlaubniß , unsere langst abgebrochene Bekanntschaft wieder zu erneuern , und sie zu besuchen . Was wollte sie auch Anders ? Sie ist in meiner Macht , ich weiß ein Geheimniß von ihr , das sie nicht gern laut werden lassen wird , sie muß mich scheuen . So knüpfen sich leise Fäden an , und wir wollen sehen , wohin sie führen . Zwei Tage später erfuhr ich denn auch , daß meine Vermuthungen nicht ganz ungegründet gewesen waren , und Theophania in dem Wittwenhause lebte , wohin man Agathokles nach seiner Verwundung gebracht hatte . Natürlich hatten sie sich erkannt , und alle alten Verhältnisse waren wieder hergestellt . Ich hätte nicht geglaubt , daß die Bestätigung einer Sache , die ich als längst geschehen oder wenigstens als nächstens geschehend , betrachten mußte , mich so tief reizen könnte . Ich wurde ärgerlich , ich fühlte , daß Theophania , vielleicht ihrer Sonderbarkeit wegen , mir mehr war , als die schöne Calpurnia , und ich entwarf meinen Plan . Er darf sie nicht besitzen - dies zu verhindern soll meine Sorge seyn . Indessen auch Calpurnia ist schön , ihr Vater Proconsul , und von mächtigem Einfluß , und ich werde vorsichtig genug seyn , um über Theophaniens ungewissen Besitz ein so nahes reizendes Glück nicht zu verscherzen . Ich denke immer , es sollen sich Beide vereinigen lassen . Nächstens hörst du mehr und bedeutenderes von mir . Leb ' wohl ! 77. Calpurnia an Sulpicien . Nikomedien , im März 303 . Hat ein Gott dir mein Geschick geoffenbaret ? Ist dir , als du nahe an der Pforte der Unterwelt warst , die Gabe der Weissagung verliehen worden ? Ja , meine Hoffnungen sind zernichtet , und die schwarze Gestalt ist mein böser Dämon - sie ist - das Aergste , was für mich auf Erden lebte ! Dein Brief hat mich sehr traurig gemacht . - So waren auch meine trüben Ahnungen über dein Schicksal wahr ! Du standest am Rande des Grabes , und ich bin getrennt von dir , und viele Tage vergehen , bis ich Nachricht von dir erhalten kann ! Längst kann ein unglücklicher Zufall die günstige Kunde Lügen gestraft haben , die ich vielleicht in diesem Augenblicke mit Freuden lese , und indem ich mit Vergnügen an deine Besserung glaube , hat ein neuer Anfall dich in Gefahr gesetzt . Du sprichst von meinem Verhältniß zu Agathokles mit düsterm , aber nur allzu wahrem Tone . Ja , es ist entschieden - für immer , und unwiderruflich ! Wenn ich hier noch zweifeln oder hoffen könnte , würde ich dem Wahnsinnigen gleichen , der sich einbilden könnte , das Schiff , das er in diesem Augenblick vom Sturm an den Felsen