unterliege , So ehr ich das Duell nur auf Pistolen . Hiacinth : Zum Streiter nicht ? So nehmet mich zum Dichter ! Bin Dichter ich dem Busen , sing in Versen Ein Lied ich Euch bei Skythen und bei Persen Zum Lob des Haares und der Augenlichter . Laura : Mit Poesie geht Armut nur gesellt , Macht Ihr Sonette , macht sie noch so nette , Ihr bleibt ein armer Sohn und so ohn Bette : Gebt Geld statt Versen oder Fersengeld . Hiacinth : Ein Pilger bin ich , suche aller Orten , Das Göttliche im Irdischen zu finden , Doch ists umsonst , denn Euch ist nur geworden , Das Göttliche im Irdschen zu entbinden . Laura : Gott helf Euch ! geht , ich bitte , geht von hinnen , Denn wißt , allhier beherbergt man nur Ungern , Nur Kremnitzer , was sonst woher , muß hungern , Auch für Zechinen ist die Zeche innen . Hiacinth : Ein Graf bin ich , ein Duc , bin mit Souvrainen Verwandt , und habe mehr als sechzehn Ahnen , Auch frönen mir gar viele Untertanen , Und Euer Untertan laßt mich Euch frönen . Laura : Ein Duka ist mir lieb , doch mit Dukaten , Souvrainen pflege ich für Severinen , Baronen ohne Bares nie zu dienen , Und kann mit Ahnen keine Hahnen braten . Hiacinth : Verachtet nicht die Liebe des Getreuen , Vor Eurem Sterne will er ewig knieen , Nach Eurem Lichte wie ein Maulwurf ziehen ; O suchet nicht , Cupiden zu verscheuen . Laura : Auch Ihr seid nackt , drum bleibt nur sein Geselle , Ich brauche Kleider und des wackren Glauben An Eure Treu will ich Euch nicht berauben , Doch nur Reale sind bei mir reelle . Hiacinth : Mit Spotten siehst du , wie ich hier vergehe , Du Weib , goldgierig , fleischfressend wie Raben . Von Ihm ist nichts , Er nur zum Narrn zu haben , Ich stand Sein Narre hier , Er steh , ich gehe . Haber zankte noch ein wenig in Prosa über Husten und Schnupfen ; ich aber ging ins Haus , das Bild Annonciatens und Mariens in zwei Sonetten aufzuschreiben . Mich reute der Scherz mit Habern , denn die stillen Sitten der Mennoniten schienen das mutwillige Lied nicht zu vertragen , und der alte Anton rief während dem Gesange die jungen Burschen und Mädchen weg , welche zuhörten . Die Unschuld ist sich selbst die größte Freiheit und andern Beschränkung . Annonciatens Bild Am Hügel sitzt sie , wo von kühlen Reben Ein Dach sich wölbt durchrankt von bunter Wicke , Im Abendhimmel ruhen ihre Blicke , Wo goldne Pfeile durch die Dämmrung schweben . Orangen sind ihr in den Schoß gegeben Zu zeigen , wie die Glut sie nur entzücke , Und länger weilt die Sonne , sieht zurücke Zum stillen Kinde in das dunkle Leben . Der freien Stirne schwarze Locken kränzet Ihr goldner Pomeranzen süße Blüte , Zur Seite sitzt ein Pfau ; der in den Strahlen Der Sonne , der er sehnend ruft , erglänzet . Mit solchen Farben wollte das Gemüte Von Annonciata fromm ein Künstler malen . Mariens Bild Im kleinen Stübchen , das von ihrer Seele An reiner Zierde uns ein Abbild schenket , Sitzt sie und stickt , den holden Blick gesenket , Daß sich ins reine Werk kein Fehler stehle . Was ihres Busens keuscher Flor verhehle Und ihre Hand in stillem Fleiße lenket , Die Lilie an ihrer Seite denket , Das Täubchen dir in ihrem Schoß erzähle . Durchs Fenster sehen linde Sonnenstrahlen , Die Josephs Bild , das eine Wand bedecket , Mit ihrem frohen Glanze heller malen , Und wär der Schein der Taube zu vereinen , Die sie herabgebückt im Schoß verstecket , Marie würde Mutter Gottes scheinen . Ich ging früh nach der Eremitage an meine Arbeit , und als ich zum Fenster hinausblickte , und die Fische in dem hellen Teiche munter hin und wieder spielen sah zu den Füßen des Marmorbildes , wünschte ich recht herzlich , auch nicht mehr von ihm zu wissen als so ein Hecht oder Karpfe , denn eine Geschichte aus bloßem Respekt gegen den Leser zu schreiben , ist unangenehm ; überhaupt bin ich ein großer Feind von Arbeiten , wenn die anderen Geschöpfe alle zum frohen Müßiggange aufstehen . Die Vögel sangen , die Bäume säuselten , die Fische plätscherten im Wasser , und ich mußte schreiben . Zweiundzwanzigstes Kapitel Fortsetzung der Geschichte der beiden Schwestern Annonciata hatte dem Glücke ihrer Schwester mit Freuden zugehört ; in ihrem Busen aber war Schmerz , sie verbarg vieles , und hatte keinen Freund . Solche Menschen werden nie glücklich , denn das gewöhnliche Leben allein befriedigt die Bedürfnisse , und ist es gleich so schön , wenn eine Seele in reinerm , höherm Umgange der Liebe steht , so sind diese Wesen doch nur arme Kinder , denn vom Himmel kömmt nur Begierde , und zwar die unendliche Begierde , die auf Erden keine Hülfe , keinen Frieden findet . Wer das Haupt im Himmel trägt , dem verwelket das Herz in der drückenden , niederen Sphäre . Annonciata hatte vieles im Herzen , dessen Vertraute sie selbst nicht war . Zwar hatte sie eine Freundin an einer Witwe , die von einem kleinen Vermögen in der nämlichen Stadt lebte ; aber auch diese würde keinen Sinn für ihren Zustand gehabt haben , denn sie erschien bei ihr nur als ein lebhaftes gutes Wesen . Ob sie ihr nicht mehr vertrauete , oder ob diese Freundin sie nicht verstand , weiß ich nicht . Annonciata besuchte sie manchmal abends , wenn der Bruder der Frau Helsing zugegen war , welcher sehr gut vorlas , um ihm zuzuhören . Dieser Bruder war der Hofmeister eines jungen Edelmanns gewesen , der hier in der Gegend lebte . Er sprach oft mit Enthusiasmus von seinem ehemaligen Zöglinge