jetzt über niedergestürzte Bäume hin , deren schon angefaultes Holz unter dem Drucke der Räder zerbricht und in Moderstaub aufwirbelt . Entzückendes Steeple chase ; das Gefühl der Fährlichkeit geht in der Wonne des Hindernisnehmens unter . So still der Wald , und doch erzählt er auf Schritt und Tritt , freilich mehr ernstes als heiteres . Wo der Pascher ein Jahrhundert lang zu Hause war , wo Förster und Wildschütz ihre nicht endende Fehde führen , wo der Sturm die Bäume bricht und die tiefen Waldseen , die sich von uralter Zeit her einen Hang nach Menschenopfern bewahrt haben , ihre Polypenarme phantastisch ausstrecken , da sind immer » Geschichten « zu Haus . Tabellen wären hier anzufertigen mit drei Rubriken nur : erschlagen , erschossen , ertrunken . Eben haben wir eine Stelle passiert , die solche » Geschichte « hat und noch von neuestem Datum dazu . Hier , wo das Unterholz sich durch die Waldrinne zieht , gleich links neben der Weißbuche , da lag er , da fanden sie ihn , den Kopf nach der Tiefe zu , den einen Fuß im Gestrüpp verwickelt und neben ihm die Büchse . Der grüne Aufschlag des einen Ärmels war rot und man sah deutlich , er war mit der Rechten nach der Brust gefahren . Wessen Kugel hatte ihn getroffen ? Einen Augenblick schien es , als sei man dem Geheimnis auf der Spur : in Herz oder Lunge des Toten hatte man das Kugelpflaster gefunden und an eben diesem Pflaster acht scharfmarkierte , schwarze Strichelchen , die es dem Kundigen verrieten , daß die Kugel aus einer Büchse mit acht Rillen gekommen war . Und solche Büchsen gab es am Rande der Menzer Forst hin nicht allzu viele . So wies man denn mit Fingern auf den und den . Aber die Sache kam zu früh in Kurs , und als an den verdächtigsten Stellen gesucht wurde , waren die achtrilligen Büchsen verschwunden . Ein großes Begräbnis gab es , groß wie die Teilnahme , aber das Geheimnis seines Todes hat der Tote mit ins Grab genommen . So ging das Geplauder , als plötzlich , zwischen den Stämmen hin , eine weite Wasserfläche sichtbar wurde , darauf hell und blendend fast die späte Nachmittagssonne flimmerte . » Das ist der Stechlin « hieß es . Und im nächsten Augenblicke sprangen wir ab und schritten auf ihn zu . Da lag er vor uns , der buchtenreiche See , geheimnisvoll , einem Stummen gleich , den es zu sprechen drängt . Aber die ungelöste Zunge weigert ihm den Dienst , und was er sagen will , bleibt ungesagt . Und nun setzten wir uns an den Rand eines Vorsprunges und horchten auf die Stille . Die blieb , wie sie war : kein Boot , kein Vogel ; auch kein Gewölk . Nur Grün und Blau und Sonne . » Wie still er da liegt , der Stechlin « , hob unser Führer und Gastfreund an , » aber die Leute hier herum wissen von ihm zu erzählen . Er ist einer von den Vornehmen , die große Beziehungen unterhalten . Als das Lissaboner Erdbeben war , waren hier Strudel und Trichter und stäubende Wasserhosen tanzten zwischen den Ufern hin . Er geht 400 Fuß tief und an mehr als einer Stelle findet das Senkblei keinen Grund . Und Launen hat er und man muß ihn ausstudieren wie eine Frau . Dies kann er leiden und jenes nicht , und mitunter liegt das , was ihm schmeichelt , und das , was ihn ärgert , keine handbreit auseinander . Die Fischer , selbstverständlich , kennen ihn am besten . Hier dürfen sie das Netz ziehen und an seiner Oberfläche bleibt alles klar und heiter , aber zehn Schritte weiter will er es nicht haben , aus bloßem Eigensinn , und sein Antlitz runzelt und verdunkelt sich und ein Murren klingt herauf . Dann ist es Zeit , ihn zu meiden und das Ufer aufzusuchen . Ist aber ein Waghals im Boot , der es ertrotzen will , so gibt es ein Unglück , und der Hahn steigt herauf , rot und zornig , der Hahn , der unten auf dem Grunde des Stechlin sitzt , und schlägt den See mit seinen Flügeln , bis er schäumt und wogt , und greift das Boot an und kreischt und kräht , daß es die ganze Menzer Forst durchhallt von Dagow bis Roofen und bis Alt-Globsow hin . « Die Sonne war mittlerweile tiefer hinabgestiegen und berührte schon die Wipfel des Waldes . Uns eine Mahnung zur Eile . Der Erdwall , auf dem wir gesessen und geplaudert hatten , lag nach Norden hin , aber ehe zehn Minuten um waren , hatten wir die große Biegung gemacht und fuhren wieder an der entgegengesetzten südlichen Seite . Das Revier , das uns hier aufnahm , war das Revier der Glashütten , die wie Squatteransiedlungen am Waldsaume lagen . Hütte neben Hütte ; sonst nichts sichtbar als der Rauch , der über die Dächer zog . Nur bei der Globsower Glashütte , die ( hart an einer Buchtung des Großen Stechlin gelegen ) einen weitverzweigten Handel treibt mit Retorten und Glaskolben , nur hier herrschte Leben , am meisten in der schattigen Allee , die , von den Wohn- und Arbeitshütten her , zur Ladestelle hinunterführte . Hier spielten Kinder Krieg und fochten ihre Fehde mit Kastanien aus , die zahlreich in halbaufgeplatzten Schalen unter den Bäume lagen . Die einen retirierten eben auf den See zu und suchten Deckung hinter den großen Salzsäureballons , die hier dichtgereiht am Ufer des Stechlin hin standen , aber der Feind gab seinen Angriff nicht auf , und die Kastanien fielen hageldicht auf die gläserne Mauer nieder . Tausend Schritte weiter südwärts , da wo sich ein paar Wege kreuzen und das ansteigende Terrain einen Überblick über eine Lichtung und ein inmitten derselben gelegenes Wasserbecken gestattet , fiel uns eine parkartige , von