, - das sprach die irrende , einsame Stimme . Stirb , du begehrendes Ich , stirb und werde - ein anderes . Auf , du entbehrende Seele - auf zur heldischen Tat : zur Tat der Freude darüber , daß die Art , die du als die höchste kennst , unter dem Herzen einer Frau geborgen liegt . Auf zur Freiheit , du Ringende , zur höchsten Freiheit . Stirb und werde . - - - Hier war eine glückliche Mutter : Eva . Aber auch eine verlassene Mutter - die vom Elend spricht , welch ein Hohn , welch eine Lüge . War nicht jede Verlassene , eine kaiserlich Besitzende , die vom Geliebten das Kind empfangen ? Verlassen , - das war nur jene , die so stand - wie sie stand . Und wußte sie denn , wohin sie noch mußte ? Auf welche fremde , öde Straßen mochte sie ihr Weg noch führen , - - ehe sie an einem Punkt , der fern in der Ewigkeit lag - den Geliebten wiedersah . Wie ? Verirrten sich ihre Träume ? War die Seele so geschwächt , daß sie sich dennoch an das Märchen klammerte , an das Märchen vom ewigen Begegnen , vom ewigen Wiedersehen , bis es , im Stadium der Vollendung , Vereinigung wurde ? Sie wollte fort . Stanislaus und Lore hatten ihr zugesprochen , eine Italienreise zu machen . Auch Manfred hatte ja gesagt , daß sie dieses nachholen müßte . Ihre Korrespondenz warf ihren Lebensunterhalt ab ; sie konnte wohl ihr kleines Vermögen jetzt angreifen und das Blatt , mit Lores Hilfe , eine Zeitlang auch von ferne leiten . Fluchtgedanken trieben sie nach Italien , aber es war keine Lust und keine Sehnsucht dabei . Auch fürchtete sie sich , im geheimen , vor dieser geplanten Reise . Die Worte des Antonius , die er zu Tasso spricht , kamen ihr in den Sinn : » Schmerz , Verwirrung , Trübsinn harrt in Rom auf dich ... « Sollte sie fort ? War es geboten , war es erlaubt ? War es Feigheit , daß sie fliehen wollte , oder war es Feigheit , daß sie blieb , - weil sie nicht fort wollte , ohne - ihn - noch einmal gesehen zu haben ? Sie konnte ihn jetzt nicht sehen . Manfred war auf einer Reise nach London . Dorthin hatte er einen internationalen Kongreß einberufen . Abend- und morgenländische Gelehrte , vorwiegend Physiologen und Staatsmänner , sollten auf diesem Kongreß über jene Probleme beraten , welche eine internationale Intellektspolitik forderten , und deren Verwirklichung durch die Verschiedenheit der Rassen verhindert war ; ohne die überragende biologische Position der weißen Rasse durch Mischung zu gefährden , mußte doch eine verbindende Brücke über diese verschiedenen Völker geschlagen werden . Sollte sie fort ? Trübsinn harrt in Rom auf dich ... War es Feigheit , wenn sie reiste , Mut , wenn sie blieb , - oder umgekehrt ? Sie war beirrt und sah den Weg nicht klar . - - - Im Unwetter eilt Olga über die Straßen . Große Wassermengen bedecken die Wege . Der Regen strömt im Wolkenbruch . Die Blitze , diese flinken , funkelnden , zornigen Gesellen , stürmen im Zickzack über das Firmament . Jeder tritt , angekündigt von einem Donnerschlag , einen Augenblick lang , zackig und glühend , in Erscheinung und verschwindet wieder , als stürme er durch den Weltenraum . Diese Regenmassen der letzten Tage hatten einen Damm unterwaschen , - einen Damm , auf dem ein Eisenbahnzug - von Vlissingen nach Berlin fuhr . Der Damm war zusammengebrochen und jener Zug entgleist ... Sie jagt über die Wege , sie watet durch das Wasser . Die tiefer gelegenen Plätze in Friedenau sind überschwemmt . Sie wird naß bis zu den Knieen hinauf , sie schürzt das Kleid , so hoch sie kann , und watet weiter , um nur den Bahnhof zu erreichen . Endlich ist sie im Zug . Am Bahnhof Grunewald angelangt , sieht sie sich vergebens nach einem Wagen um . Es ist keiner da . Im Unwetter verfolgt sie die Spuren des verwüsteten Weges durch den Wald . Und dann , dann steht sie endlich am Hause . In ihren nassen , triefenden Kleidern eilt sie hinauf . Frau Wallentin kommt ihr entgegen , - gebeugt - eine alte , alte Frau . Sie zieht sie in die Arme , und das Mädchen läßt hier ihre Tränen fließen . Dann nimmt sie die Mutter an der Hand und führt sie hin , bis an die Tür jenes Zimmers , - in dem Manfred den Tod erwartet ... Der Zug , der einige Teilnehmer des Kongresses von Vlissingen nach Berlin bringen sollte , war entgleist . Als man Manfred nach Hause brachte , war er ein verlorener Mann . Äußerlich unverwundet , hatte er innere tödliche Verletzungen davongetragen . » Hoffnungslos « , sagten die Ärzte . Die Mutter hat leise die Tür geöffnet , aber Olga tritt nicht ein . Sie bleibt im Nebenzimmer , hinter der Portiere , die sie behutsam beiseite schiebt . Sie will sich nicht an sein Lager drängen , dort ist nicht ihr Platz . An seinem Bett sitzt Eva . Sie will nur noch einmal die geliebten Züge schauen . Und zum zweitenmal sieht sie einen Menschen sterben . Sie sieht , wie er die Augen aufschlägt und wie ein letzter , goldener Strahl daraus zu Eva gleitet . Sie sieht , wie Eva sich über ihn beugt , wie er seine Hände hebt , - wie sie auf ihrem Leibe ruhen ... So steht sie an der Tür , so blickt sie , zum letztenmal , in das Antlitz , - über das sich die Schatten lagern , die bald für immer bedecken , was sie geliebt . - - - Manfreds sterbliche Reste wurden in das Krematorium von Gotha überführt und dort verbrannt . Dann wurde die Urne