allein ... wie verschmäht von einem Wunder , dessen Ruf er ohne Andacht gehört hatte . Von einem nahen Kirchturm schlug es zehn Uhr . Fünf Stunden erst , dachte Georg . Und wie ferne war schon alles . Nun durfte er wieder frei durch die Welt treiben , wie früher einmal ... Durfte er wirklich ? Heinrich kam aus dem Haustor . Hinter ihm fiel das Tor zu . » Nichts « , sagte er . » Ganz ahnungslos ist die Mutter . Ich habe nach der Adresse gefragt , als wenn ich ihr was Wichtiges mitzuteilen hätte . Ich wäre gerade aus dem Prater gekommen , und da fiel mir ein ... na und so weiter . Eine gute , alte Frau . Der Bruder sitzt am Tisch und zeichnet auf einem Reißbrett eine Ritterburg mit unzähligen Türmen aus einer illustrierten Zeitung ab . « » Jetzt seien Sie einmal aufrichtig « , sagte Georg . » Wenn Sie sie auf diese Weise retten könnten , würden Sie ihr auch jetzt nicht verzeihen ? « » Ja Georg , merken Sie denn noch immer nicht , daß es sich gar nicht darum handelt , ob ich verzeihen will oder nicht ? Denken Sie doch , ich hätte einfach aufgehört sie zu lieben , was doch gelegentlich passieren kann , auch ohne daß man verraten worden ist . Denken Sie , eine Frau , die Sie liebt , würde Sie verfolgen , eine Frau , vor deren Berührung Ihnen aus irgendeinem Grunde graut , würde Ihnen schwören , sie bringt sich um , wenn Sie sie verschmähen . Wären Sie verpflichtet ihr nachzugehen ? Könnten Sie sich den leisesten Vorwurf machen , wenn sie wirklich aus sogenannter verschmähter Liebe in den Tod ginge ? Würden Sie sich als ihr Mörder fühlen ? Das ist doch lauter Unsinn , nicht wahr ? Also wenn Sie glauben , daß es das sogenannte Gewissen ist , das mich jetzt peinigt , so irren Sie sich . Es ist einfach die Sorge um das Schicksal eines Wesens , das mir einmal nahestand und gewissermaßen heute noch nahesteht . Die Ungewißheit ... « ... « Plötzlich blickte er starr nach einer Richtung . » Was ist Ihnen ? « fragte Georg . » Sehen Sie nicht ? Ein Telegraphenbote . Er kommt auf das Haustor zu . « Ehe der Mann noch klingeln konnte , war Heinrich bei ihm , und sagte ihm ein paar Worte , die Georg nicht verstehen konnte . Der Bote schien Einwendungen zu machen , Heinrich erwiderte , und Georg , der nähergetreten war , konnte es hören . » Ich habe Sie ja hier vor dem Tor erwartet , weil mich der Arzt dringend darum gebeten hat . Dieses Telegramm enthält ... vielleicht ... eine traurige Nachricht ... und es könnte für meine Mutter der Tod sein ... nun wenn Sie mir nicht glauben , so klingeln Sie doch , ich geh mit Ihnen ins Haus . « Aber schon hatte er auch die Depesche in Händen , öffnete sie hastig und las beim Licht einer Straßenlaterne . Sein Antlitz blieb völlig unbeweglich . Dann faltete er die Depesche wieder zusammen , reichte sie dem Boten hin , drückte ihm ein paar Silbermünzen in die Hand und sagte : » Sie müssen sie doch selbst drin abgeben . « Der Bote war befremdet , aber durch das Trinkgeld milde gestimmt . Heinrich klingelte und wandte sich ab . » Kommen Sie « , sagte er zu Georg . Sie gingen stumm die Straße weiter . Nach ein paar Minuten sagte Heinrich : » Es ist geschehen . « Georg erschrak heftiger , als er erwartet hätte . » Ist es möglich ... « rief er aus . » Ja « , sagte Heinrich . » Im See hat sie sich ertränkt . In dem See , an dem Sie heuer im Sommer ein paar Tage gewohnt haben « , setzte er hinzu , in einem Ton , als trüge Georg nun auch irgendwie einen Teil der Verantwortung für das , was geschehen war . » Was steht in dem Telegramm ? « fragte Georg . » Es ist vom Direktor . Er hat eben die Nachricht erhalten , daß sie beim Kahnfahren verunglückt ist . Erbittet nähere Weisungen von der Mutter . « Er sprach kühl , hart , als läse er eine Notiz aus der Zeitung vor . » Die unglückliche Frau ! Sollten Sie nicht doch , Heinrich ... « » Was ... ? Zu ihr ? Was soll ich denn bei ihr tun ? « » Wer denn als Sie , kann ihr jetzt ... und muß ihr beistehen ? « » Wer denn als ich ? « Er blieb stehen . » Sie denken , weil es sozusagen meinetwegen geschehen ist ? Ich erkläre Ihnen hiermit feierlich , daß ich mich total unschuldig fühle . Der Kahn , aus dem sie sich hat sinken lassen , und die Wellen , die sie empfangen haben , können sich nicht schuldloser fühlen , als ich . Das will ich nur feststellen . Aber daß ich zu der Mutter hinein muß ... Ja , damit haben Sie vollkommen recht . « Und er schlug wieder die Richtung nach dem Hause ein . » Wenn Sie wollen « , sagte Georg , » so bleibe ich bei Ihnen . « » Was fällt Ihnen ein , Georg . Gehen Sie nur ruhig nach Hause . Was soll ich noch alles von Ihnen verlangen ? Und grüßen Sie Anna und sagen Sie ihr , wie sehr ich beklage ... na Sie wissen ja ... Da wären wir . Sie gestatten , daß ich noch ein paar Sekunden verziehe , ehe ich ... « Er blieb stumm stehen . Dann begann er wieder , und seine Züge verzerrten sich : » Ich will Ihnen etwas sagen , Georg . Folgendes : Es ist ein großes Glück , daß man in