wir den Gefangenen liegen . Der Blick , den er auf uns richtete , war nicht etwa verlegen , sondern trotzig , und geradezu unverschämt klang es , als er uns sofort entgegenrief : » Ihr habt mich augenblicklich freizugeben ! Ich bin ein hochgestellter Mann , kein Lump , den man in dieser Weise behandeln darf ! Gib mich frei , Effendi ! « Ah , der kannte mich ja schon ! Also scharfe Augen und feine Ohren ! Aber pfiffig war es keineswegs , es mir zu verraten ! Ich blieb vor ihm stehen und fragte ruhig : » Wer bist du ? « » Das sage ich nur dir allein ! « » Woher ? « » Auch das nur dir ! « » Was willst du hier ? « » Auch das darf Niemand wissen , als nur du ! « » So ? Dann mag ich es überhaupt nicht wissen ! Kara , binde ihn fester , aber so , daß ihm die Schwarte knackt ! Wer uns mit solcher Frechheit kommt , der sehe zu , was für ihn daraus entsteht ! « Der Hadeddihn kniete zu ihm nieder , zog das Zeug aus der Tasche und begann , ihn fester zu schnüren . Da rief der Fremde aus : » Ich bin ein Abgesandter des Schah-in-Schah ! « » An wen ? « » An den Ustad , also an dich ! « » Und kommst nicht offen und direkt zu mir , sondern versteckst dich hier wie ein Verbrecher ? « » Ich habe meine Gründe ! « » Das glaube ich . Aber auch ich habe welche , und diese gelten , nicht die deinigen ! « » Ich kam zu Eurem Glück zu Euch ! « » Und stichst mit dem Messer auf meine Leute ? Wir danken für solches Glück ! « » Du bist ein Christ . Darum sage ich dir : Ich komme als Missionar ! « » Willst uns wohl Frieden predigen ? Heil verkündigen ? « » Ja ! « » Das kennen wir ! Sorg für dein eignes Heil ; das unsere liegt in den besten Händen ! « Das brachte ihn zum Schweigen . Er schien zu überlegen . Kara vollzog seine Arbeit so gut , daß dem » Missionar « alle Glieder zu schmerzen begannen . » Er hat das Messer gegen dich gezogen , um dich zu erstechen , « sagte ich . » Das bestrafe ich mit dem Tode . Wirf ihn dort hinter die Steine ! Da mag er liegen , bis er in den Duar geschafft wird , um gehenkt zu werden . « Hierauf wendete ich mich nach der Tür , scheinbar um zu gehen . Das wirkte . » Bleib hier , Effendi ! « bat er . » Ich werde antworten ! « Ich ging weiter . Da schrie er auf : » Effendi , Effendi , geh nicht fort ! Ich gebe dir Auskunft , und du wirst dich freuen ! « Da drehte ich mich um , langsam , wie widerwillig , und befahl : » So antworte kurz auf das , was ich dich frage ! Anderes mag ich nicht wissen . Seit wann bist du jetzt hier ? « » Seit dieser Nacht . Ich kam , als in dem Duar schon alle Leute schliefen . « » Warst du schon öfters hier ? « » Vor einem Jahre zum ersten Male . Seitdem in jedem Monat nur einmal . « » Sonst nicht ? « » Nein . « » Du warst also vor einem Monate zum letzten Male da ? « » Ja . « » Kamst heut in dieser Nacht und weißt doch so genau schon , wer ich bin ? Wer täuschen will , muß besser lügen können ! « » Ich wußte nicht , wer du bist ; ich vermutete es nur . Effendi , glaube mir ! « » Gibt es bei uns Jemand , auf den du dich berufen kannst ? « » Pekala und Tifl . « » Wer noch ? « » Niemand . « » So ist es schlecht um dich bestellt . Tifl ist ein Abtrünniger und Pekala eine Plaudertasche , die Alles verraten wird , was sie von dir weiß ! « » Das mag sie immerhin ! Sie weiß von mir nur Gutes . Ich habe eine Mission vom Schah und bin sein Diener , bin sein Auserwählter . Als Bote seiner Liebe und auch zugleich der wahren Menschenliebe , bin ich gekommen - - « » Um deine eigentliche Absicht zu verstecken , « fiel ich ein , » hier Jahre lang von unsrer dummen Pekala zu leben und dann den Frieden deines falschen Schah uns mit dem Messer vorzuschreiben ! « » Meines falschen Schah ? « fragte er . » Ich verstehe dich nicht ! « » Wenn du mich nicht verständest , wärest du sogar noch dümmer als Pekala , die es gewiß und wahrhaftig glaubt , daß ihr Aschyk imstande sei , ihr bei dem Schah die Wonnen aller Paradiese zu vermitteln . Doch mich betrügst du nicht mit dieser deiner Seligkeit ! Uns ist der Schah in Wirklichkeit bekannt , doch in den Löchern Teherans , in denen du und deinesgleichen steckt , lernt man ihn niemals kennen . Dich schickt der Scheik ul Islam , doch nicht der Schah-in-Schah ! « Da reichte seine ganze Frechheit nicht aus , den Schreck zu verbergen , der über sein Gesicht zuckte . » Der - - Scheik - - ul - - Islam- - ! « wiederholte er . » Wie kommst du auf diesen Gedanken ? « » Ich habe es aus seinem eignen Munde , und wenn ich dir das sage , so ist es wahr ! Willst du es eingestPehen ? « » Nein , denn es ist Lüge ! « schrie er zornig auf . » Es ist wahr