sind intime Freunde . Und Tas sagte mir , daß er ihn gebeten hätte , sein Trauzeuge zu sein . Und als er so plötzlich abreiste - « » Wer ? Tas ? « » Aber nein doch ! Herr Forbeck ! Ganz plötzlich ! Er hatte sonst keine Ursache , abzureisen , ganz im Gegenteil ! Und da fuhr es mir gleich durch den Kopf , wie alles zusammenhängt . In meiner Aufregung hab ' und heimlich nach München telegraphiert . « » An wen ? « » An meine Schneiderin . Die kommt hinter alles . Da , lies das Telegramm , das ich gestern abend von ihr bekommen habe ! « Kitty zerrte aus ihrem Kleid das zerknüllte Blatt hervor . Willy las : » Übermorgen mittag ein Uhr in der Frauenkirche . « Erschrocken sprang er auf . » Übermorgen ? Aber das ist ja schon morgen ! « » Morgen ! Ja ! Was sagst du ! « Auch Kitty erhob sich ; sie schlang den Arm um Willys Hals und stammelte : » Und das siehst du doch ein , das dürfen wir nicht geschehen lassen , daß unser Tas in dieser heiligen Stunde allein steht ? Das wäre für ihn nicht nur ein tiefer Schmerz , auch eine Demütigung vor den Verwandten seiner Braut ! « » Ja , Maus , recht hast du ! Das ist eine wahrhaft geniale Idee ! Ich reise . Noch heute nacht . Ich freue mich närrisch auf das Gesicht , das er machen wird . Und dir , das versprech ' ich , dir schick ' ich ein ellenlanges Telegramm . « » Das kannst du dir sparen , « erklärte Kitty , » ich fahre mit ! « » Du ? Nein , Maus , das ist Unsinn ! « » Ich muß zu ihm , ich muß , ich muß ! « Wie in Verzweiflung umklammerte Kitty den Bruder . Etwas ratlos streichelte er das Haar und die Wangen der Schwester . » Sei vernünftig , kleine Maus ! Das geht nicht . Wenn Papa hinter die Geschichte kommt - ich vertrage einen Puff , aber du ? Nein , Maus ! Eine solche Verantwortung darf ich nicht auf mich nehmen . « » So übernehm ' ich sie selbst . Ich verantworte alles . « Energisch richtete sie sich auf und erklärte mit jener Sophistik , wie sie heiß erregten Mädchenköpfen geläufig ist : » Ich weiß wohl , daß ich einen solchen Schritt nicht unternehmen sollte , ohne Papas Erlaubnis einzuholen . Aber wo ist Papa ? In der Hütte droben wie immer , immer , immer ! Es ist nicht meine Schuld , wenn ich Papa nicht fragen kann ! Wäre er mit dir heruntergekommen - nach fünf Monaten für seine Hirsche und Gemsböcke ein einziger Tag für mich , das ist doch nicht zuviel verlangt - , wäre er gekommen , so würde ich ehrlich mit ihm gesprochen haben und hätte ihm so lang mit Bitten zugesetzt , bis er ja gesagt hätte ! « Belustigt sah Willy die Schwester an , schob die Hände in die Hosentaschen und wiegte sich auf den Hacken . » Du kannst ja die Kleesberg fragen ! « Bei diesem Einwurf geriet Kitty ein bißchen aus der Fassung . » Laß doch die Ärmste in Ruh ' ! Soll ich ihr zu allen Schmerzen noch meine Sorgen aufladen ? Auch will ich sicher gehen . Darum frag ' ich nicht ! Ich muß nach München . Willy , ich muß ! Davon bringt mich niemand ab . « Ihre Wangen brannten , und ihre Augen leuchteten . » Nimm mich mit ! Sieh nur , wie ich bitte ! « Er hatte nicht das Herz , um nein zu sagen . Lachend zog er sie an sich und küßte sie auf das Ohrläppchen . » Na also - « Mit ersticktem Freudenschrei umarmte sie ihn . » Machen wir in Gottes Namen den fidelen Streich in Kompanie ! Papa wird uns zwar eine böse Suppe auszulöffeln geben , ganz besonders gesalzen für meine Wenigkeit ! Aber wenn er sich ärgert , wasch ich meine Hände in Unschuld . Hätte er sein Versprechen gehalten und wäre mit heruntergekommen , statt dem verwünschten Rehbock nachzulaufen ! Die Schuld hat er ! Und komm , jetzt wollen wir Kriegsrat halten . « Sie setzten sich Arm in Arm auf das Sofa und sprachen flüsternd miteinander , wie zwei Kinder , die eine Weihnachtsüberraschung vorbereiten . Sie beschlossen , den ersten Lokalzug zu benützen , der früh um sechs Uhr von der Station abging ; da hatten sie Anschluß an den um elf Uhr in München eintreffenden Zug und konnten Tassilos Wohnung noch zeitig genug erreichen . » Punkt halb fünf Uhr müssen wir hier verduften ! « sagte Willy . » Ich bleibe die Nacht über wach , damit ich nicht verschlafe , und lege mich lieber jetzt ein paar Stunden aufs Ohr . Gegen Abend kannst du mich wecken . Dann geh ich ins Dorf , bestelle den Wagen und soupiere beim Seewirt . Ich will eine Begegnung mit Robert vermeiden , und dir rate ich ebenfalls , dich unsichtbar zu machen . Sag ' : du hast Kopfweh . Und sperr ' dich in dein Zimmer ein ! Da kannst du in aller Ruhe packen . Ich schmuggle dir meinen Handkoffer hinüber . Der wird genügen . Große Toilette brauchst du nicht zu machen . Wie ich vermute , werden sich die beiden im Reisekostüm trauen lassen . Ich nehme für mich gar nichts mit . Lackstiefel und Handschuhe kann ich mir in München kaufen . Aber jetzt kommt ein Punkt , über den ich ratlos bin : das Hochzeitsgeschenk ! Geben müssen wir doch was . « » Ich weiß schon , was ! « » Na , da bin ich neugierig . « Kittys Augen blitzten . » Mamas Perlenkollier ! « Willy