so thue ich das eben und eigne mir damit eine ganze Reihe von Vortheilen zu - aber warum ich es thue , siehst Du - das weiß ich eigentlich trotz aller kritischen Analysen im Grunde doch nicht ... ich bin mir ja schon viel zu gleichgültig . Das Leben reizt mich nicht mehr . Es ist mir ganz klar : schließlich bin ich dasselbe , was Du bist , nur ins Männliche übersetzt , seelisch ganz dasselbe ... Ich bin psychisch ebenso vielseitig und ebenso ... einseitig , wie Du , eben so wenig bornirt , wie Du - nur bin ich verhältnißmäßig freier , als Du , uneingeschränkter in meinen Gedanken und Handlungen . Mich respectirt die Gesellschaft , mich erkennt sie an - Dich nicht . Ich darf mir Alles oder doch sehr Vieles gestatten , Du nicht . Mir erlaubt sie , eines Tages ihr selber gegenüber womöglich eine Herrscherrolle zu spielen ... Aber - und das ist die sehr ernste und traurige Kehrseite der Medaille - aber ich bin , eben weil ich so wenig Schranken zu respectiren hatte , tausend Mal ärger zerfetzt und zerfasert als Du ... Du bist noch wärmerer , beständigerer Gefühle fähig - ich kaum ... Bei mir flackerts , flammts wohl noch jäh , leidenschaftlich , auf - aber es verfliegt auch wieder - und es verfliegt halt ebenso schnell , wie es gekommen war . Ich weiß , daß Du mich liebgehabt hast , Emmy - vielleicht hast Du mich auch noch ' n Bissel lieb , trotzdem mir Hedwig so schwere und harte Anklagen in ' s Gesicht geschleudert hat ... Du hast für die Arme unwillkürlich Partei genommen - ich begreife das Alles sehr gut . Und doch - ich weiß es - ich ersehe es aus Deinem ganzen Betragen mir gegenüber - Du wirst mir wohl den psychologischen Blick dafür zutrauen - und doch , sage ich , schmerzt es Dich auch Deinetwegen - und vielleicht am Meisten Deinetwegen - daß ich Lydia heirathen will . Aber zwischen uns liegt die Sache doch anders und einfacher , dächt ' ich . Wir können ja unser Verhältniß nach wie vor aufrecht erhalten . Ich weiß zwar nicht , ob wir hierbleiben werden nach unserer Verheirathung , Lydia und ich . Aber wäre das der Fall - : was hindert uns beide , Emmy , unseren Verkehr ruhig fortzusetzen - ? Nichts . Du bist doch nun einmal so Eine - verzeih ' ! ich wollte Dich nicht kränken - aber die äußere Thatsache bleibt doch bestehen . Und ich bin froh genug , daß ich Dich damals dem Freiberger Seidenfritzen , der sich übrigens nie wieder gemeldet hat , abgejagt habe . Also bitte - wenn Du mich nur ein Wenig gern hast , wirst Du schon einwilligen . Und dann , wenn die Tage gekommen sind - na ! Du weißt schon : dann erinnerst Du mich an die Zeit , da ich jung und frei war ... da ich Dich liebte ... und mich manchmal in meinem Elend unsäglich reich und stolz gefühlt habe ... Aber nun muß ich wirklich machen , daß ich zum Bahnhof komme ... Sonst provocire ich ' gleich den ersten Sturm - und dazu - ist ' s später auch noch Zeit ... Also Adieu , Emmy ! Ich schreibe Dir - « Adam stürmte hinweg , Emmy blieb unwillkürlich stehen , verblüfft über die jähe Verabschiedung . Dann ging sie mechanisch weiter . Ihm ist ' s ja doch nicht Ernst , meinte sie im Stillen und wurde sehr traurig . Sie dachte noch an dies und das , was sie von Adams langer Erklärung behalten hatte . Manches glaubte sie zu verstehen , aber auch so Vieles nicht . Er war ein merkwürdiger Mensch , so ganz anders , als die Anderen , mit denen sie sonst verkehren mußte . Er behandelte sie eigentlich recht wegwerfend , man konnte nie klug aus ihm werden , er war heute so und morgen so . Manchmal mußte sie ihn bewundern , wenn sie ihn auch nicht verstand , sie fühlte , daß etwas Neues und Großes aus ihm spräche , sie fühlte , wie er innerlich hoch über ihr stand . Oefter stieß sie das gerade wieder von ihm ab , sie sehnte sich nach Ihresgleichen , sie war dann froh , auch einmal mit einem einfacheren , oberflächlicheren Menschen verkehren zu dürfen - und doch trieb es sie immer wieder zu ihm hin , seine Räthselhaftigkeit , seine Unberechenbarkeit , seine Blasirtheit reizten sie , sie fühlte sich oft nicht wohl in seiner Nähe - und doch war sie leidenschaftlich gern mit ihm zusammen , er hatte eine merkwürdige Macht über sie , eine Gewalt , der sie sich manchmal zu entziehen suchte und wohl auch mit schwerer Mühe einmal entzog - und der sie doch immer wieder verfiel . Emmy sah sehr beklommen der Zukunft entgegen . - Adam hatte seine Uhr befragt , es war wirklich höchste Zeit . Er trabte nach dem nächsten Droschkenhalteplatz , warf sich in das erste beste klapprige Ungethüm und rasselte davon . - Am Portal der Vorhalle stand ein Weib , das Rosen feil hielt . Adam riß eine gelbe Rose aus seinem Korbe , warf der runzligen , abschreckend häßlichen Hexe einen Fünfziger in die dreckige , verkrümmte , wie von einem Erdhufe überwachsene Hand und stürzte nach dem Perron . Es hatte schon zum zweiten Male geläutet . Die Wagenthüren waren schon zugeschlagen , hie und da den Zug entlang gab es hastig-laut plaudernde , unter lebhaftem Gestenspiel sich ausgebende - oder leicht stockend , beklommen sprechende Gruppen , auf- und niederrennende Schaffner , in der Ferne , gerade unter der großen Uhr , die rothe Mütze des dienstthuenden Beamten , an den Wagenfenstern da und dort ein Gesicht , gleichgültig oder ernst , weil es vielleicht einen Abschied , einen schmerzlichen Abschied , gilt ... Adam spähte herum