erhält für eine Quadratrute einen höheren Preis als ihn einst der ganze Morgen gekostet . Der Grundwert ist hier in wenigen Jahren verzehnfacht , vielleicht verhundertfacht . Und was hat der Eigentümer für ein Verdienst um diese beträchtliche Erhöhung seines Kapitals ? Gar keins . Er hat nicht durch Arbeit oder sonst welche Aufwendung den Wert seines Eigentums erhöht ; ohne sein Zuthun ist dies geschehen . Durch wessen Verdienst ? Durch das Verdienst der Gesamtheit - des Staates , der Gemeinde . Nur durch die gemeinsame Unternehmung , durch die Schaffung von Verkehrswegen und Verbesserung der Verkehrsmittel auf gemeinsame Kosten , durch Erhöhung des Kulturzustandes unter allgemeiner Mitwirkung , kommt die Werterhöhung des Grundbesitzes zu stande . Es wäre nun recht und billig , wenn der erhöhte Wert auch von der Gesamtheit in Anspruch genommen würde . Jetzt macht thatsächlich die Gesamtheit in solchen Fällen dem Einzelnen ein Geschenk , das er nicht verdient ; ja sie macht sich sogar noch zum Schuldner des Beschenkten , denn dieser fordert für den erhöhten Wert seines Eigentums einen erhöhten Zins . Die Mieter auf dem im Werte gesteigerten Grundstück müssen dem Eigentümer das hohe Kapital verzinsen , das ihm die Gesamtheit erst geschenkt hat ... « Nachdem er tief Atem geholt , ein Glas Kognak getrunken und sich eine feine Havanna angesteckt , sagte er , sich spöttisch die Glatze reibend : » Mein lieber Herr Kommerzienrat , folglich bist du ein Gauner , wenn du in Isarufergründen spekulierst und das miserable Erdreich draußen an der Auenstraße und am Scheyernplatz aufkaufst , um es eines Tages wieder mit Profit als Bauplatz loszuschlagen oder selbst zu bebauen ! Solchen Unsinn muß man sich in unserer aufgeklärten Zeit bieten lassen . Die Unternehmungslust wird zum Verbrechen gestempelt , die kapitalistische Entwickelung wird gebrandmarkt ! Da muß ich schließlich noch den Konsul Schmerold aus Moralität zum Haus hinauswerfen , wenn er mich zu größerer Rührigkeit in der Ausnützung meiner kapitalistischen Stellung freundnachbarlich antreibt ... Wär ' ich noch um zwanzig Jahre jünger , ich wollte ganz anders ausgreifen . Mit dem Schmerold zusammen würde ich das ganze Isargebiet aufkaufen , ohne erst die Zeitungsschreiber zu fragen . Und was wäre erst mit der Kunst zu machen , die ohnehin auf Privatunternehmungsgeist angewiesen ist : den ganzen Münchener Kunstbetrieb könnte man auf Aktien gründen wie die Vierbrauerei ... Ach was , fort mit diesen blödsinnigen Blättern ! « Er nahm jetzt die Briefe zur Hand . » Schöner Zufall , da ist gleich eine Zuschrift von Schmerold . Was sagt Biswanger dazu ? Schmerold hat Recht , das Kapital der Münchener Lokalbahn-Aktiengesellschaft muß um die vorgeschlagene Summe erhöht werden , nur durch Vermehrung der Mittel kann so gearbeitet werden , wie es für das Unternehmen von Vorteil ist . Brav , Biswanger , du wirst in deinen alten Tagen doch noch ein schneidiger Spekulant . Hätt ' ich mir nicht gedacht . Weiter : Wegen der Isarthalbahn Unterredung mit dem Minister gepflogen ; sehr günstige Stimmung für Privatausführung mit eventuellem Staatszuschuß . Aber keine Zeit zu verlieren , da der Bankier Weiler die größten Anstrengungen macht , eine Gruppe von Finanzleuten für das Projekt zu interessieren , sich an die Spitze zu stellen und alles was mit der baulichen und verkehrsmäßigen Umgestaltung des Isarthals zusammenhängt , an sich zu reißen . Besagter Weiler ist überhaupt in Beobachtung zu nehmen : auch auf dem Gebiete der Bräuerei-Spekulation trägt er sich mit Plänen , welche im Interesse des Münchener Vierexports schleunigst durchkreuzt werden müssen . Nur durchkreuzt ? Dieser Schuft muß endlich am hiesigen Platze vollständig unmöglich gemacht werden . Ich könnte mir ja alle Haare ausraufen , daß ich früher dieser Filzlaus geholfen habe , sich immer tiefer hier einzufressen mit Filialen in allen Spelunkengassen . Wenn ich denke , wie bescheiden der alte Weiler angetreten ist ... die kleine Wechselstube am Dracheneck des Marienplatzes , bei der alten Hauptwache ... Aber an der Offiziers- und Beamtenkundschaft hat er sich frech gemästet ... Ganze Offiziersheiratsgüter hat er verschluckt ... Weiter : Die bayerische Brauindustrie hat zweifellos ihren Höhepunkt erreicht ; es liegt im Interesse der Aktionäre - - « » Verzeihung , Herr Kommerzienrat , ich habe zweimal vergeblich angeklopft ; der Wagen ist vorgefahren , « meldete der Diener . » Ich fahre nicht . Ich habe noch zu viel zu thun . Fragen Sie in einer halben Stunde nach meinen Befehlen . « » Zu dienen , Herr Kommerzienrat . « Dieser für sich : » Ich habe schon lange nicht mehr mit so viel Vergnügen gearbeitet . Wenn mich jetzt Leo sähe , wie ich in meinem Element bin ! Das wäre mein Ehrgeiz : sie müßte mich noch in das Gesicht ihres Barons hinein bewundern . Was der alles mit Redensarten zusammenwurstelt - und wo man ihn anfaßt , da hat er nichts , und wo er hingreift , da findet er nichts . Es scheint , Leo hat ihn selber satt . Seit dem Karneval kommt er seltner ins Haus . Ich mein ' fast , er weicht mir aus . Auf dem Faschingsball wollten mich die Esel mit ihm auf ziehen , dann schickten sie mir anonyme Briefe . Jawohl , der Kommerzienrat Raßler wird so dumm sein , auf euere Sticheleien und Angebereien ' reinzufallen ! Daß ihn Leo gern gesehen hat , daß seine Suada ihr Ohr kitzelte , das macht mich noch lange nicht bedenklich . Ich kenne Leo ; ich kenne auch diese Sorte von Süßholzrasplern . Der Rasp , dieser lächerliche Börsianer , und der Parklas , diese hölzerne Zählmaschine , und zum Schluß dieser Drillinger , der alle Vierteljahr einen andern Beruf verfehlte ! Ja , diese eleganten Kurmacher - die sind akkurat wie die Zeitungsschreiber : ihre Hauptstärke ist das große Maul . Damit wollen sie Berge versetzen . Herrgott , beinah ' möcht ' ich einen Witz machen . Aber das Geschäft ruft . Wo bin ich stehen geblieben ? Ah so