geworfen , der ihm auf dem Wege zu seinen Zielen hindernd entgegentrat , und nun sollte er nicht einmal mit bloßen Einbildungen fertig werden . Leichter freilich wär ' s gegangen , wenn er Zuseln recht fröhlich gesehen hätte . Die aber schlich wie ein Schatten herum und fragte wohl fast ein dutzendmal , was doch auch Hansjörg zu der schnellen Wendung der Dinge gesagt habe . Erst am Montag , als der Krämer das Haus verließ und an seine neue Stellung in der Gemeinde , ja sogar schon an Ämter und Ehrenstellen dachte , die dem wohlhabenden Mitglied einer solchen Verwandtschaft in seinem Ruhestand nicht mehr fehlen konnten , vermochte er sich des Errungenen wieder ganz von Herzen zu freuen . Er machte , damit Hans nicht in seinem Behagen gestört werde und nur mit seiner Mutter über sein Vorhaben rede , die zur Vorbereitung der Hochzeit nötigen Schritte selbst und weidete sich an dem Erstaunen der Leute , daß die Sache noch so schnell ins reine gekommen sei . Ein Vergnügen aber war ihm auch dafür zu gönnen , daß er an einem so stürmischen Tage den Pfarrer und den Vorsteher , Musikanten und Kleidermacherinnen aufsuchen mußte . Sicher würden alle Häuser abgedeckt worden sein , wenn nicht die allerdings nur noch unbedeutende Schneelast die Schindeln festgehalten hätte . Dabei stoben die großen Flocken herum , daß man halbe Viertelstunden lang nicht von einem Hause zum anderen sehen konnte . Wer einen Gang zu machen hatte , kam geschlossenen Auges auf dem verwehten Wege daher , als ob er einen schwerbeladenen Schlitten nachziehen müßte . Doch wenn ein vorteilhaftes Geschäft zu machen war , pflegte der Krämer sich weder von Schloßen noch Schneeflocken abschrecken zu lassen . Und galt es jemals ein vorteilhafteres als heute ? Am Sonntag mußte Zusel sich als Braut gehörig stellen , und nun sollten Schuster , Schneider und Näherin den Arbeitszuwachs doch rechtzeitig erfahren . Es ging schon stark gegen Abend , als er , von seinen vielen Ständen und Gängen zurückkommend , vor dem Hause des Rößlewirtes anlangte , dem er noch den gewiß willkommenen Auftrag hinterlassen wollte , daß er sich auf einen gehörigen Hochzeitsschmaus vorzubereiten habe . Des alten Mannes übrigens noch ziemlich gute Augen waren von der Schneewolke , die ihn im Freien überall umgab und jeden dunkleren Ruhepunkt verhüllte , so angegriffen und geblendet , daß er einen Grenzjäger , der ihm unter der Haustüre entgegenkam , beinahe noch umgestoßen hätte . Und noch war der Schreck über den unvermuteten Anblick des grünen Kragens ihm nicht aus den müden Gliedern , als ein kräftiger Arm ihn in einen Winkel schob und Hansjörgs aus Tausenden zu erkennende Stimme ihm kühl und fast verächtlich einen guten Abend wünschte . » Jetzt ist ' s gefehlt ! « klagte der fast zu Tode erschrockene Krämer und taumelte in die Stube . Hier aber ward er nicht besonders freundlich empfangen . Mehrere Tausende der von ihm gekauften Zigarren hatte der Grenzjäger hier gefunden und für streng verbotene Ware erklärt . Nach dem Berichte des Wirtes war es nur dem Treiben und Fortdrängen Hansjörgs , der als des Grenzjägers Schlafkamerad noch viel bei ihm galt , und seinen listigen Antworten auf alle an den Wirt gerichteten Fragen zuzuschreiben , daß der Krämer nicht verraten wurde . » Er ist aber doch der Verräter . Niemand kann das wie er und hat so viel Grund , wenn er ein Auge hergeben will , daß ich beide verliere « , jammerte der Krämer . » Die Kronenwirtin « , erzählte nun eine Magd , » hat viel eher deinen Töchtermann , den Andreas , im Verdacht . Er soll gestern bei ihr im Zorne fort sein und mit etwas Derartigem gedroht haben . « Der Krämer , nur Hansjörgen fürchtend , glaubte das nicht , aber mit Schrecken dachte er an die im Stadel versteckten Waren . Sollten die ihn jetzt , wo er aufhören wollte , noch in Unglück und Schande bringen ? Mit der Kronenwirtin mochte der Trunkenbold Händel haben , doch ihn , den Schwiegervater , durfte er wohl schon aus Eigennutz nicht in eine so hohe Geldstrafe bringen . In der Krone fand die erste Haussuchung statt . Dorothee mochte dem Bruder das geschwind berichtet haben , und nun ließ das übrige sich denken . Andreas machte die erste Dummheit nur , weil er nichts von der Ware in seinem Stadel wußte . Aber Hansjörg , der verkaufte , ins Joch gespannte , angelogene , ausgebeutete und weggeworfene Hansjörg , mußte heute die Gelegenheit , sich zu rächen , mit Freude benützen . Dem sonst so weitsehenden Mann hätte einfallen sollen , daß der beeidete Soldat fürchten mußte , am tiefsten in die ihm gegrabene Grube zu fallen . Er meinte , der Kampf zwischen Verstand und Leidenschaft sei schwer zu berechnen , und da hatte er ganz recht . Selbst ihm gelang es nicht , sonst würde er viel ruhiger bei seinem Schoppen gesessen sein . Hansjörg , der auch den Vorrat seines Freundes , den ganzen Reichtum des Jos und die Sparpfennige seiner armen Freunde neben der Ware des Krämers verborgen wußte , war fast zu Tode erschrocken , als er vom Grenzjäger , den er zufällig antraf , erfuhr , warum er bei dem Unwetter mit dem betrunkenen Andreas ins Dorf gekommen sei . Wohl redete der alte Bekannte so freundlich und offen , daß Hansjörgen alle Angst wieder vergangen wäre , wenn er nicht gefürchtet hätte , der Krämer könnte von einem der Wirte verraten werden , um sich straffrei zu machen . Schon sich selbst und dem Jos zulieb ' mußte der Spitzbube diesmal geschützt werden . Zum lieben Glücke kannte er den Grenzjäger als einen grundgemütlichen Kerl , der gewiß kein Wässerlein trübte , wenn ' s nicht von seiner traurigen Pflicht gefordert war . Da schien es das klügste , gleich mit ihm in alle Wirtshäuser zu gehen , die durchsucht werden mußten ,