in den heftigsten Zorn geriet und dem Mädchen den ferneren Zutritt im Lindhofer Schlosse verbot . Das erschütterte Berthas kühne , hochstrebende Hoffnungen nicht , denn Hollfeld tröstete sie und verwies sie auf die Zukunft ... Aber da kam Elisabeth Ferber , und von jenem Augenblicke an war er ein anderer . Er vermied sie , und wenn sie ihn endlich durch Drohungen zu einer Zusammenkunft zwang , zeigte er ihr eine höhnische Kälte , eine Nichtachtung , die ihr das Herz umwendeten und ihr leidenschaftliches Gemüt bis zur Wut empörten . Als sie endlich erkannte , daß sie es mit einem Ehrlosen zu thun habe , da wurden ihr die ganzen Schrecken ihrer Lage klar . Sie geriet in Verzweiflung und von da an begannen ihre nächtlichen Wanderungen . Kein Schlaf berührte ihre Augen , und nur draußen im nachtstillen , einsamen Walde , wo sie ihren heißen Schmerz , ihre Seelenangst ausschreien durfte , ward sie momentan ruhiger . Endlich fand das Drama seinen Schluß , wie dergleichen Liebesdramen schon unzähligemal geschlossen haben und wohl noch ebenso oft schließen werden , denn das warnende Exempel hat wohl Kraft für den Verstand , nie aber für ein arglos liebendes weibliches Herz ; Hollfeld bot der Bethörten eine Summe Geldes , wenn sie ihre Ansprüche aufgeben und sich in eine entfernte Stadt zurückziehen wolle . Er gab vor , daß seine Mutter und die Lindhofer Verwandten ihn zwängen , das » neugebackene Fräulein von Gnadewitz « zu heiraten . Sie schalt ihn einen ehrvergessenen Lügner und stürzte wie rasend fort ... Zornflammend und rachedürstend drang sie in das Zimmer seiner Mutter und sagte ihr alles . Bis dahin hatte Bertha unter heftigen Gestikulationen , mitunter von Schluchzen und Weinen unterbrochen , in geordneter Reihenfolge erzählt . Jetzt aber schwieg sie einen Augenblick , und ein Ausdruck von unauslöschlichem Hasse entstellte ihr fiebergerötetes Gesicht . » Das abscheuliche Weib , « rief sie endlich mit fliegendem Atem , » hat stets Bibelsprüche auf den Lippen . Sie strickt und näht und sammelt Tag und Nacht für die Mission , die Gottes Wort unter die Heiden tragen soll , damit sie menschlich werden ; unmenschlicher und grausamer aber können sie nicht sein in ihrer Unwissenheit , als diese Christin in ihrem Hochmute . Den Götzendienst will sie ausrotten helfen , diese Hochgeborne ! sie selbst aber macht sich zum Götzen , umgibt sich mit Kriechern , Schmeichlern und Speichelleckern , welche ihr stets wiederholen müssen , daß sie zu den Auserwählten gehöre , die aus ganz anderem Stoffe gemacht sein sollen , als die übrigen Menschenkinder . Wehe , wenn ein gerader , ehrlicher Mensch diese Meinung nicht teilt ! seine Schuld ist nicht geringer , als die des Gotteslästerers ! ... Sie stieß mich vor die Thür und wollte mich mit Hunden aus dem Schlosse hetzen lassen , wenn ich mich je wieder blicken ließe ... Von dem Augenblicke an weiß ich nicht mehr , was mit mir vorgegangen ist , « sagte sie , erschöpft in die Kissen zurücksinkend , während sie die Hand gegen die schmerzende Stirn preßte . » Ich weiß nur , daß ich erwachte und das Gesicht des Doktors über mir sah ... Er hat dem Onkel meine Schmach mitgeteilt , ich hörte es ... Was soll aus mir werden ! « Sabine hatte die Beichte mit Schauder und Schrecken gehört . Sie hielt streng auf einen reinen Lebenswandel und war eine unnachsichtige Richterin für Fehltritte , wie sie Bertha bekannt hatte . Aber sie besaß auch ein Herz , reich an Liebe und tiefem Erbarmen . Deshalb sah sie jetzt mit Thränen auf die zerknirschte Verirrte und legte tröstend und beschwichtigend das müde Haupt an ihre Brust . Sie hatte die Genugthuung , daß das Mädchen wie ein müdegeweintes Kind in ihren Armen einschlief . Bald hörte man nur noch die ruhigen Atemzüge der Kranken und das leise Ticken der Wanduhr im engen Stübchen . Sabine zog die Brille und ein abgerissenes Exemplar des Neuen Testamentes aus dem Handkorbe und wachte treulich , bis das helle Morgenlicht durchs Fenster schaute . Bertha starb nicht , wie sie gehofft hatte , infolge ihrer erschütternden Bekenntnisse . Sie erholte sich im Gegenteile wunderbar schnell unter Frau Ferbers und Sabines Pflege . Ein Anfall von Geistesstörung war nicht wiedergekehrt . Die Kopfwunde , die von einem Falle auf einen spitzen Stein herrührte , war durch den starken Blutverlust , den sie zur Folge hatte , heilbringend geworden . Der Oberförster war außer sich über die Schande , die Bertha unter sein ehrliches Dach gebracht . Selbst dem ruhigen Zuspruche seines Bruders war er in den ersten Tagen nicht zugänglich . Nachdem ihm Sabine Berthas Bekenntnisse mitgeteilt hatte , ritt er sofort nach Obenberg , um den » nichtswürdigen Buben « zur Rede zu stellen , aber die Dienerschaft berichtete ihm achselzuckend , der gnädige Herr sei auf unbestimmte Zeit verreist , und man wisse nicht wohin . Auch Herrn von Waldes Nachforschungen blieben ohne Erfolg . Bertha selbst erklärte , daß sie von ihrem Verführer , den sie jetzt ebenso glühend hasse , wie sie ihn ehedem geliebt habe , nichts wieder hören wolle . Wenige Wochen nach ihrer Wiederherstellung verließ sie das Weberhäuschen - das Forsthaus hatte sie nicht wieder betreten dürfen - um nach Amerika auszuwandern . Aber sie ging nicht allein . Ein Jägerbursche ihres Onkels , ein braver junger Mann , bat eines Tages um seine Entlassung , weil er die Bertha immer im stillen geliebt habe und es nun nicht übers Herz bringen könne , sie so mutterseelenallein in die weite Welt ziehen zu lassen . Sie habe ihm versprochen , die Seine zu werden . In Bremen wolle er sich mit ihr trauen lassen und es dann drüben mit dem Farmerleben versuchen . Herr von Walde unterstützte das Paar mit einer bedeutenden Summe Geldes , und auf Frau Ferbers und Elisabeths Bitten ließ es der Oberförster stillschweigend geschehen , daß Sabine die