die große Mittelallee hinauf , die durch den ganzen Park führte , und bog erst in einen Seitenweg ab , als er meinte , vom Schlosse aus gesehen werden zu können . Er hätte gern vergessen machen mögen , daß er fort gewesen sei , weil er selbst die Ursache seines Fortgehens zu vergessen wünschte . Wie er nun durch die sauber gehaltenen Wege wandelte , durch deren blühende Büsche die Sonnenstrahlen ihre schmalen , goldenen Lichtstreifen warfen , kam ihm die Stille , kam ihm die Einsamkeit so wonnig entgegen . Noch hatte er den Kopf voll von den Menuetten , den Anglaisen und den Schleifern , welche die Mädchen gestern wohl oder übel auf dem Spinett gespielt und nach denen er sich mit ihnen im Kreise herumgedreht hatte . Er freute sich , daß die Baronin dies nicht gesehen hatte , und er schämte sich dessen sogar . Es erschien ihm hier in Richten noch viel unbegreiflicher , daß er gestern tanzen - sich mit Anderen hatte vergnügen können , während Angelika ' s Bild in seinem Herzen wohnte und während sie - es konnte gar nicht anders sein - an ihn gedachte , dem sie ihren Schmerz gezeigt , auf dessen Theilnahme sie vielleicht ihre Hoffnung , ihren Trost gebaut , mit dem sie selbst sich durch die Worte : Dort oben dürfen wir keine Capelle bauen ! zu einem innigen Geheimnisse verbunden hatte . Wie war es zugegangen , daß er dies Alles vergessen , wie hatte die natürliche Zurückhaltung einer reinen , schönen Seele , wie hatten die dreisten Aeußerungen des Amtmannes , der in seiner Derbheit die Worte niemals ängstlich abwog , ihn irre machen können an seinem eigenen Empfinden und irre machen können selbst an ihr , der hehrsten Frauengestalt , die ihm noch je begegnet , der er je genaht war ? - So trat er in das Schloß und in sein Zimmer . Die Dienerschaft empfing ihn wie Einen , der hier heimisch war . Herbert erkundigte sich , ob die Herrschaft etwa nach ihm gefragt habe . Man verneinte es , und er gab die Weisung , dem Herrn Baron zu sagen , daß er zurückgekehrt wäre und seine Befehle erwarte . Das Zimmer , welches die Baronin bewohnte , lag über dem seinen . Er hörte oben die Fenster öffnen , die Sommerladen schließen , die Tische rücken . Er dachte , ob sie schon wach sein möge , und auf jedes leise Geräusch achtend , fühlte er sich ihr nahe und durch diese Nähe weich gestimmt . Sich zu beruhigen , setzte er sich vor dem Tische nieder , auf welchem seine Zeichnungen und Plane ausgebreitet lagen , denn für Angelika und ihre Absichten arbeiten , hieß ja auch bei ihr sein ; und eben hatte er sich gelobt , daß nichts ihn so leicht wieder von ihr und ihrem Dienste abwendig machen solle , als einer der Diener ihn ersuchen kam , sich in das Frühstückszimmer hinauf zu bemühen , da die Herrschaft ihn zu sprechen wünsche . Herbert war nicht sicher , wer ihn hatte rufen lassen , und mochte doch nicht danach fragen . Bewegt stieg er die Treppe hinauf ; er wünschte und hoffte , die Baronin vielleicht allein zu treffen , aber nicht sie , sondern der Freiherr war es , der ihn erwartete . Er hieß ihn willkommen , fragte , ob er sich gehörig in der Gegend umgesehen habe , und ließ ihm dann , obschon er ihm mit gewohnter Güte begegnete , doch nicht zur Antwort Zeit , sondern ging gleich zu der Angelegenheit über , wegen welcher er ihn hatte kommen lassen . Mit unserem Capellenbau ist es nichts , mein lieber Herbert , sagte er heiter , als habe er gar niemals irgend einen Werth auf diesen Plan gelegt und nicht von dem Architekten bereits die eingehendsten und ausführlichsten Arbeiten dafür beansprucht . Die Baronin will davon nichts hören , und da guter Rath über Nacht kommt , so habe ich den Gedanken selber aufgegeben , ohne deßhalb auf eine Verzierung der Höhe zu verzichten , die Sie mir provisorisch vielleicht noch in diesem Herbste zu Stande bringen müssen . Ich denke da oben nämlich einen Pavillon zu errichten . Einen Pavillon ? fragte Herbert überrascht . Ja , mein Lieber , einen Pavillon , etwa in Tempelform , der eine schöne Aussicht bietet . Man könnte ihn der Flora , der Pomona , der Freundschaft weihen - das findet sich ! Entwerfen Sie mir einmal eine Zeichnung dazu . Sie können die Sache so viel als möglich Ihren früheren Absichten annähern , um die Harmonie mit dem Style der Kirche aufrecht zu erhalten , die wir herzustellen wünschten ; nur muß das Ganze natürlich auf den bestmöglichen Effect berechnet werden . Herbert wagte es nicht , die Frage zu thun , welche ihm in diesem Augenblicke vor allem Anderen am Herzen lag , die Frage , ob es Angelika gewesen sei , welche den Vorschlag zu dem Pavillonbau gethan hatte . Er glaubte , nur sie allein könne seinem eigenen Gedanken in solcher Uebereinstimmung begegnet sein , und während sie so gleich mit ihm gefühlt , während sie darauf gesonnen hatte , ihn in so schöner und lieber Weise neben sich zu beschäftigen , hatte er sie gemieden , sie in seinem Herzen angeklagt und verdammt ! Beschämt und gerührt wollte Herbert fragen , ob die Frau Baronin mit der neuen Anordnung einverstanden sei , als sie selber mit der Herzogin in das Zimmer eintrat . Der Freiherr ging den Frauen ein paar Schritte entgegen , aber Angelika , welche sonst sehr gemessen in ihrer ganzen Haltung war , eilte auf ihren Gatten zu und umarmte und küßte ihn . Dann begrüßte sie Herbert mit dem heiteren Vorwurf , daß er so plötzlich fortgegangen sei und sie und seine Arbeit im Stiche gelassen habe , um im Amthause eine ihm zusagendere und angenehmere Geselligkeit aufzusuchen . Das