, sagte sie im scherzenden Tone : » Denke an Göthe ' s Prometheus : Ich sollte das Leben hassen , in Wüsten fliehen , weil nicht alle Blütenträume reiften ? « » Mit der Göthemanie ist ' s aus , Regina ! die taugt nur für junge und für alte Kinder , die aus dem Leben nichts zu machen verstehen , als eine Schaubühne , auf der sie Komödie spielen sehen , oder selbst Komödie spielen . Für eine solche Manie ist mein Herz nicht mehr kindisch genug und noch nicht altersschwach genug . « » Desto besser , Uriel ! Dadurch bist Du der ewigen Wahrheit um einen Schritt näher . Jeder zertrümmerte Götze ist eine Huldigung für Gott . Wie Du jetzt Deine Göthemanie mitleidig belächelst , so wirst Du auch einst Deine Reginamanie belächeln . « » Kann sein ! Doch zu meinem Heil wäre das nicht , denn in Dir liebe ich die Offenbarung von etwas Himmlischem . In Göthe sah ich nur das leuchtende Genie , die vollendete Intelligenz , und ich bewunderte seine Schöpfungen und Gebilde , aber nicht ihn als Gottesgeschöpf . Aber was geht er mich an ? was geht die ganze Welt mit ihren Genie ' s mich an ? .... Ich liebe Dich , Regina ! « Regina stand lebhaft auf und sagte entschieden : » Genug , Uriel ! Du kennst mich nun bis in ' s Herz hinein . Was Du tun willst oder zu tun hast , muß ich Dir überlassen . Aber eines verspreche ich Dir feierlich : nach Stamberg komm ' ich nicht wieder ! - nie wieder ! und sollte ich noch zwanzig Jahre warten , ehe die Klosterzelle mich aufnimmt - Uriel , ich komme nicht wieder . « Auch Uriel war aufgestanden . Er blickte über die sonnig glänzende Flur und sagte : » Der Vorhang sinkt ! - laß uns gehen . « Sie sah ihn an ; ein Silberlicht schimmerte in seinem Auge , aber er deckte es mit seinen dunkeln Wimpern zu und die Träne zerschmolz . Wie schön er ist ! dachte unwillkürlich Regina . Schweigend gingen sie in ' s Schloß . Der Graf saß auf dem großen Balkon , rauchte Zigarren und las Zeitungen . Er hatte mit Zufriedenheit das Gespräch unter der Eiche aus der Ferne bemerkt und schmeichelte sich mit der kühnen Hoffnung , Regina werde sich ihm als Braut vorstellen . Aber nicht sie erschien auf dem Balkon , sondern Uriel allein und zwar so ernst , daß der Graf erschreckt fragte : » Bringst Du eine Trauerbotschaft ? « » Wenigstens keine neue , lieber Onkel ! Regina ist unüberwindlich in ihrem alten Entschluß ! « » Ist ' s möglich ! « rief der Graf ; » hat sie eine solche Selbstbeherrschung , nie eine Silbe zu äußern , in der Welt zu leben wie unsereiner - oder doch ungefähr so ! und dabei die Klostergrillen festzuhalten ? « Der Graf tat ein paar tiefe Züge aus der Zigarre und sah gedankenvoll die kleinen bläulichen Rauchwolken an , die geschlängelt seinen Lippen entquollen und in der Luft zerflossen . » Hör ' , mein Junge , « sagte er nach einiger Zeit , » nimm Du Vernunft und guten Rat an , gib Du Deine Grille auf , laß Regina fahren und heirate Corona ; dann ist uns allen geholfen . Dann wird Corona die Erbtochter , Du wirst mein Schwiegersohn , und wenn Regina es denn durchaus nicht anders will , so gehe sie in ' s Kloster . Seitdem die Kleine herangewachsen und - wie alle Welt sagt ! - bildhübsch geworden ist , flog mir schon öfter dies glückliche Auskunftsmittel durch den Kopf ; allein ich hoffte immer noch , daß sich Regina besinnen werde - namentlich hier , wo es ihr so recht anschaulich werden müßte , welch ' ein glückliches Leben mit Dir ihrer harrt . Ist sie aber eigensinnig , so sei Du es nicht ! Du ziehst vielleicht mit Corona ein glücklicheres Los . Was sagst Du zu meinem Vorschlag ? « » Daß ich die Königin liebe und nicht die Krone ! « » Ach , mein Junge , sei nicht romanesk ! Tausend Männer würden sich glücklich schätzen , wenn ihnen ein solcher Antrag gemacht würde ! « » Und auch ich könnte es sein , wenn ich nicht Regina liebte . « » Nun , so vergiß Regina , denke nicht an sie , beschäftige Dich nicht mit ihr : dann dauert es nicht lange und schau ! Du liebst sie nicht mehr . Und dann dauert es wieder nicht lange und schau ! Du liebst Corona . Diese kleinen wunderniedlichen Persönchen haben einen eigenen Reiz , womit sie sich in die Herzen stehlen - wenn man nur nicht wie ein Bramarbas das Herz gegen sie panzert . Leg ' ab Deine Rüstung , laß es getroffen werden von dem Liebespfeil des kleinen Gottes Amor ... « » Lieber Onkel , es ist ja bereits durch und durch getroffen ! « unterbrach Uriel traurig lächelnd . » Überlaß doch den Eigensinn dem schönen Geschlecht ! « rief der Graf . » Gott weiß , wie gern ich Regina als Deine Frau gesehen hätte ! aber wir werden doch beide wahrhaftig nicht so töricht sein , uns durch sie unsere Zukunftspläne stören zu lassen ? Bisher hoffte ich sicher auf Regina ' s Bekehrung zum Ehestande , und ich habe in diesen vier Jahren alles getan , wodurch ich hoffen konnte , sie für die Welt zu gewinnen . Umsonst ! Nun wohlan , so müssen wir die Sache anders anfangen . Ich bin jetzt runde fünfzig Jahre alt . Niemand sieht mir ' s an , nicht wahr ? .... aber Anno Eins geboren , macht fünfzig Jahre wohlgezählt . Es verlangt mich , junge Sprossen an meinem Stamm zu sehen , Windecker Nachkommenschaft . Habe drei Söhne und zwei