selbst einen Philosophen , weshalb ihm dieser Name allgemein zuteil wurde , denn sein Wesen und Treiben war in allen Stücken absonderlich . Mit einem vortrefflichen Gedächtnisse begabt , hatte er die zu seinem Berufe gehörigen Kenntnisse bald erworben und sich im Seminare daher mit dem Studium von allen möglichen Philosophien abgegeben , welche er der Reihe nach auswendig lernte ; der Direktor dieser Anstalt war ein Mann , welcher seinen Zöglingen , obgleich sie nur Volkslehrer werden sollten , gern zum allgemeinsten Wissen verhalf , wenn sie sich durch Fleiß die nötige Zeit dazu erwarben . Das hatte freilich zur Folge , daß alle , welche wirklich ein höheres und gründliches Wissen erreichten oder für erreichbar hielten , so bald als möglich der Volksschule Valet sagten und andere Bahnen verfolgten . Dies war indessen nur billig ; wenn das Seminar dabei seinen unmittelbaren Zweck verfehlte , so vergab es doch seiner Würde nichts , indem es armen Bauerssöhnen die Welt auftat . Auch behielten diese , wenn sie ansehnliche Gelehrte oder Staatsbeamte wurden , doch immer eine besondere Anhänglichkeit und Liebe für die Volksschule , welcher sie sich anfänglich geweiht hatten , und was dieser oft zu Schutz und Gedeihen gereichte . Aber es gab auch eine andere Art Wißbegieriger , welche , mehr vom äußern Schein und Hochmut getrieben , vieles erschnappten , ohne Fe den rechten Schlüssel zum wissenschaftlichen Leben zu finden , auch sonst behindert und ohne Talent , Schulmeister bleiben mußten und manchmal tüchtige Lehrer abgaben , wenn sie Eitelkeit und Unzufriedenheit überwunden , manchmal aber auch unnütze Gesellen wurden , welche alle Liebe für ihren Beruf verloren , während sie doch von jedermann die unbedingteste Hochachtung verlangten , ihre Zeit zwischen Dorfintriguen und Kartenspiel teilten oder unausgesetzt um alle Mädchen im Lande sich bewarben , die einige tausend Gulden zu erben hatten . Am liebsten heirateten sie endlich , nach vielen verfehlten Plänen , irgendeine verwitwete Schenkebesitzerin , wo sie alsdann als gelehrte Wirte stattlich figurierten , froh , dem Schulstaube entronnen zu sein . Zu allen diesen gehörte jedoch der Philosoph nicht . Er behauptete , der beste Volksschulmeister wäre nur derjenige , welcher auf dem höchsten und klarsten Gipfel menschlichen Wissens stände , mit dem umfassenden Blicke über alle Dinge , das Bewußtsein bereichert mit allen Ideen der Welt , zugleich aber in Demut und Einfalt , in ewiger Kindlichkeit wandelnd unter den Kleinen , womöglichst mit den Kleinsten . Demgemäß lebte er wirklich , aber dies Leben war seiner großen Jugend wegen eine allerliebste Travestie in Miniatur . Gleich einem Stare wußte er alle Systeme von Thales bis auf heute herzusagen , allein er verstand sie immer im wörtlichsten und sinnlichsten Sinn , wobei besonders seine Auffassung der Gleichnisse und Bilder einen komischen Unfug hervorbrachte . Wenn er von Spinoza sprach , so war ihm nicht etwa die Idee aller möglichen Stühle der Welt , als ein Stück zweckmäßig gebrauchter Materie , der Modus , sondern der einzelne Stuhl , der gerade vor ihm stand , war ihm der fertige und vollständige Modus , in welchem die göttliche Substanz in wirklichster Gegenwart steckte , und der Stuhl wurde dadurch geheiligt . Bei Leibniz fiel ihm nicht etwa die Welt in einem greulichen Monadenstaub auseinander , sondern die Kaffeekanne auf dem Tisch , mit welcher er gerade exemplierte , drohte auseinanderzugehen und der Kaffee , welcher im Gleichnis nicht mitbegriffen , auf den Tisch zu fließen , so daß der Philosoph sich beeilen mußte , durch die prästabilierte Harmonie die Kanne zusammenzuhalten , wenn wir den erquickenden Trank genießen wollten . Bei Kant hörte man das göttliche Postulat so leibhaftig und zierlich erklingen wie ein Posthörnchen , aus der tiefen Ferne der innersten Brust ; bei Fichte verschwand wieder alle Wirklichkeit gleich den Trauben in Auerbachs Keller , nur daß wir nicht einmal an unsere Nasen glauben durften , welche wir in den Händen hielten ; wenn Feuerbach sagte Gott ist nichts anderes , als was der Mensch aus seinem eigenen Wesen und nach seinen Bedürfnissen abgezogen und zu Gott gemacht hat , folglich ist niemand als der Mensch dieser Gott selbst , so versetzte sich der Philosoph sogleich in einen mystischen Nimbus und betrachtete sich selbst mit anbetender Verehrung , so daß bei ihm , indem er die religiöse Bedeutung des Wortes immer beibehielt , zu einer komischen Blasphemie wurde , was im Buche die strengste Entsagung und Selbstbeschränkung war . Am drolligsten nahm er sich jedoch aus in seiner Anwendung der alten Schulen , deren Lebensregeln er in seinem äußern Behaben vereinigte . Als Cyniker schnitt er alle überflüssigen Knöpfe von seinem Rocke , warf die Schuhriemen weg und riß das Band von seinem Hute , trug einen derben Prügel in der Hand , welcher zu seinem zarten Gesichtchen seltsam kontrastierte , und legte sein Bett auf den bloßen Boden ; bald trug er sein schönes Goldhaar in langen , tausendfach geringelten Locken , weil die Schere überflüssig sei , bald schnitt er es so dicht am Kopfe weg , daß man mit dem feinsten Zängelchen kaum ein Härchen hätte fassen können , indem er die Locken als schnöden Luxus erklärte , und er sah dann mit seinem geschorenen Rosenköpfchen noch viel lustiger aus . Im Essen war er hinwieder Epikureer , und die gewöhnliche Dorfkost verschmähend , schmorte er sich ein saures Eichhörnchen , briet ein Fischchen oder eine Wachtel , die er gefangen hatte , und aß ausgesuchte kleine Böhnchen , junge Kräutchen und dergleichen , wozu er ein halbes Gläschen alten Wein trank . Als Stoiker hingegen richtete er allerhand spaßhafte Händel an und brachte die Leute in Harnisch , um in dem entstandenen Lärm dann einen kalten Gleichmut zu behaupten und sich nichts anfechten zu lassen ; insbesondere aber erklärte er sich als einen Verächter der Frauen und führte einen beständigen Krieg mit ihnen , welche mit ihren sinnlichen Reizen und ihrem eitlen Wesen die Männer ihrer Tugend und Ernsthaftigkeit berauben wollten . Als Cyniker verfolgte